Nach Pannenserie und Freistaat-Rüge

So fährt die BOB langsam aus der Krise

München – Nach Pannenserie und Freistaat-Rüge: Die Bayerische Oberlandbahn (BOB) hat die Problemkupplungen ausgetauscht und ist damit wieder pünktlicher unterwegs. Es fehlt jedoch noch an Stabilität.

Die zuletzt durch massive Verspätungen und Ausfälle in die Kritik geratene Bayerische Oberlandbahn (BOB) kommt wieder besser in Fahrt. Zufrieden sind die Verantwortlichen wie auch die Fahrgäste aber noch lange nicht. Dieses Fazit zogen Johann Niggl und Kai Müller-Eberstein am Donnerstag im Wirtschaftsausschuss im Landtag. Ersterer: Chef der staatlichen Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG). Der andere: BOB-Geschäftsführer.

Der Freistaat hatte zuvor den privaten Betreiber der Zuglinien von München nach Holzkirchen und weiter nach Bayrischzell, Tegernsee und Lenggries öffentlich gerügt. Grund: Die Pünktlichkeit hatte Anfang 2014 nach dem Vertrags- und Fahrplanwechsel im Dezember massiv geschwankt. Sie lag unter dem bayerischen Durchschnitt aller Bahnen und war an manchen Tagen sogar unter 70 Prozent gesunken – jeder dritte Zug war damit verspätet. „Jetzt geht der Trend nach oben. Im September lagen wir wieder bei über 90 Prozent“, sagte Niggl. Es fehle jedoch noch an Stabilität. So seien die Schwankungen in den vergangenen zwei Wochen erneut größer gewesen. Das hätte jedoch auch an Bauarbeiten und Notarzteinsätzen gelegen.

„In den letzten Jahren hatten wir je ein bis zwei Suizidfälle. Dieses Jahr schon sechs“, führte Müller-Eberstein einen nicht beeinflussbaren Grund für die Verspätungen an. „Das ist aber keine Entschuldigung für unsere eigenen technischen Probleme.“ Das größte sind die Kupplungen in den Fahrzeugen der Talent-Baureihe, die beim Entkuppeln in Holzkirchen Störungen verursachten. Die anfälligen Teile sind mittlerweile ausgetauscht und überarbeitet worden. Mit erstem Erfolg: Lag die Zahl der Ausfallkilometer durch Kupplungsprobleme im Januar noch bei 650, war sie im August auf 200 gesunken.

„Wir haben die BOB in Manndeckung genommen“, sagte Johann Niggl. Dazu gehörten auch: intensivere und häufigere, vor allem präventive Wartungen der Integral-Bahnen sowie marginale Anpassungen der Fahrpläne. Ein weiterer externer Grund für Verspätungen seien Langsamfahrstellen infolge von infrastrukturellen Mängeln wie ungesicherten Bahnübergängen. Die längste derartige Strecke, auf denen die Bahnen abbremsen müssen, befindet sich zwischen Schliersee und Bayrischzell. Doch auch hier seien BEG und BOB in Kontakt mit der verantwortlichen Behörde, der DB Netz.

Der Ausschuss nahm die selbstkritischen Ausführungen der Experten erfreut auf. Er forderte, dass die von Pendlern und Ausflüglern viel frequentierte BOB bezüglich Zuverlässigkeit und Zufriedenheit wieder dorthin komme, wo sie schon einmal war. Dass das nicht einfach wird, zeigte zum Schluss eine Nachfrage von Ausschuss-Vorsitzendem Erwin Huber (CSU): „Könnten künftig Probleme durch Fachkräftemangel auftreten?“, fragte er. Müller-Eberstein antwortete klar: „Ja. Vor allem im mechanisch-elektronischen Bereich ist es schon jetzt schwierig, gute Leute zu finden.“

Marco Mach

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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