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Verhandlungen stehen an

BOB und Meridian: Streikpause bis nächsten Mittwoch

Miesbach/Bad Tölz/Rosenheim – Der erste Streiktag bei BOB und Meridian ist vorbei – und die Zeichen stehen günstig, dass er für längere Zeit der letzte war. Am Mittwoch kommender Woche wollen Gewerkschaft EVG und BOB-Führung ernsthaft verhandeln.

Carmen Herzog aus Wörnsmühl steht am Miesbacher Bahnhof und friert. Sie will nach München zur Arbeit – aber der BOB-Streik macht ihr einen Strich durch die Rechnung. „Rücksichtslos“ sei das, schimpft die Pendlerin. „Das kommt bei den Falschen an.“ Mit dieser Meinung stand sie nicht allein. „Ich find’ das ziemlich doof, es ist voll kalt“, ärgert sich am Tölzer Bahnhof Schülerin Anna (15). Andere schimpfen über das, was die BOB am Montagabend, kaum dass die Streiknachricht eingetroffen war, voller Hektik an Ersatzbussen organisieren konnte. „Der Fahrplan war sehr unübersichtlich, ich hab von einem Bekannten bei der BOB von dieser Ersatzverbindung gehört“, sagt Anna Bender (19), als sie in den Bus nach Holzkirchen steigt.

Keine Frage – der erste Streik bei der Bayerischen Oberlandbahn, der auch der Rosenheimer Meridian gehört, traf bei den Fahrgästen auf wenig Verständnis. Obwohl einzelne Züge von BOB und Meridian sogar fuhren und etwa 25 Busse für die Schüler bereit gestellt wurden, kamen wohl tausende zu spät zur Arbeit oder in die Schule. „Solche Vormittage brauchen wir nicht oft“, stöhnt der Miesbacher Gymnasialdirektor Rainer Dlugosch. Die erste Stunde an seiner Schule habe man praktisch „knicken“ können. Etwas besser lief es wohl in Bad Tölz, wo Dlugoschs Kollege vom Gabriel-von-Seidl-Gymnasium, Harald Vorleuter, von nur 20 Schülern berichtet, die zu spät oder gar nicht kamen. Oft waren wohl die Eltern als Fahrdienst eingesprungen. Die „Aktion Münchner Fahrgäste“ hatte für den Streik kein Verständnis, er sei „frech und unverschämt“, urteilte der Sprecher Andreas Nagel. Er forderte, dass ein Streik früher angekündigt werden müsste, damit sich die Fahrgäste darauf einstellen könnten.

Mit der Breitenwirkung, die der Streik erzielte, ist der Verhandlungsführer bei der Bahngewerkschaft EVG, Isidoro Peronace, „mehr als zufrieden“. Über 90 Prozent der Beschäftigten seien dem Streikaufruf gefolgt. Am Rosenheimer Bahnhof harrten 20 EVG-Mitglieder in der Wartehalle aus. „Wir waren für die Fahrgäste präsent, um mit ihnen ins Gespräch zu kommen“, sagte EVG-Sprecher Matthias Birkmann. Die meisten Pendler hätten Verständnis gehabt – sie nutzten dann für die Fahrt Richtung München die Fernzüge.

Die Beschäftigten kämpfen dafür, dass die BOB interne Dienstfahrten während der Dienstzeit zu 100 Prozent als Arbeitzeit anrechnet – nicht nur zu 50 Prozent wie im Moment (wir berichteten). Noch gestern schickte die EVG ein Schreiben an die BOB-Geschäftsführung mit der Forderung, ein neues Angebot vorzulegen. Offenbar ist die Bereitschaft auch vorhanden, denn BOB-Geschäftsführer Bernd Rosenbusch kündigte schon für Donnerstag ein erstes Sondierungsgespräch an. Er bestätigte gegenüber unserer Zeitung: „Wir haben ein neues Verhandlungsangebot vorgelegt“. Er sehe gut aus. „Wir rechnen damit, dass wir den Sack zumachen können.“

Ernsthafte Verhandlungen werden am kommenden Mittwoch in der BOB-Zentrale in Holzkirchen folgen, sagte EVG-Verhandlungsführer Peronace. „Solange gibt es jetzt eine Streikpause.“ Bis dahin könnte die sechsköpfige EVG-Tarifkommission das neue Angebot sichten.

D. walter, N. Probst, S. Weiss und M. Aerzbäck

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