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Unter den vielen Bauprojekten ragt die neue Schnellfahrstrecke München-Berlin heraus. Hier wird die so genannte feste Fahrbahn montiert – statt auf Schotter sind die Gleise auf Betonplatten verlegt.

"Chance, den Rückstau aufzuarbeiten"

Boom beim Bahn-Bau

München - Reisende sehen es eher mit Missvergnügen, die Bahn jedoch frohlockt. Nach Jahren des Stillstands wird an bayerischen Bahnstrecken saniert wie selten zuvor.

Die Zwischenbilanz des Baustellenjahres 2015 fällt für Volker Hentschel, Baustellen-Chef bei der DB Netz in Bayern, positiv aus. „Wir haben die historische Chance, den Rückstau aufzuarbeiten“, sagte Hentschel. Allein in diesem Jahr können in Bayern gut 700 Millionen Euro verbaut werden, sagte der DB-Manager – in Brücken, Gleisen und Weichen. In den nächsten Jahren soll es in derselben Größenordnung weitergehen.

Möglich macht das die neue Leistungs- und Finanzierungsvereinbarung (LuFV II) der Bahn mit dem Bund. Sie sieht vor, dass die Bahn jährlich bis zu vier Milliarden Euro bundesweit in die Sanierung alter Bahnanlagen steckt – zum Großteil finanziert vom Bund. Aktuell merken das zum Beispiel die Pendler auf der Strecke der S 4 München-Pasing/Geltendorf, wo noch bis in der Nacht zum Dienstag mit Hochdruck Gleise ausgetauscht werden. Der Fahrplan der regulären S4 ist momentan stark ausgedünnt. Pünktlich zum Schulbeginn am Dienstag, beteuert die Bahn, werde man fertig.

Die Bautrupps werden jedoch nur den Standort wechseln: Denn ab 6. Oktober werden auf der S1-Strecke Neufahrn-Freising insgesamt 6,3 Kilometer Gleise erneuert und auch der Unterbau mit Schottersteinen ausgetauscht (bis 2. November). Verzögerungen und Ausfälle im Nahverkehr Neufahrn-Freising und München-Freising/Landshut sind unausweichlich. Insgesamt sollen in Bayern in diesem Jahr 270 Kilometer Gleise erneuert werden – 190 Kilometer sind schon beschafft, 80 Kilometer fehlen noch. „Wenn wir bauen, dann vor allem nachts“, versicherte Hentschel, der den Ärger vieler Anlieger über Baulärm nachvollziehen kann. Eine kleine Erleichterung ist zumindest in Sicht: die übliche akustische Warnung mit lauten Sirenen könnte durch ein lautloses Warnsystem ersetzt werden. Das ist aber erst in Planung.

In der Instandhaltung inbegriffen ist der Austausch von Weichen. 250 Stück sollten 2015 in Bayern ausgetauscht werden, wegen eines Lieferengpasses nach einem Brand im DB-Werk Witten wird das nicht ganz geschafft. 230 neue Weichen werden es wohl am Ende sein.

Hentschel sitzt derweil an den Baustellen-Planungen für die nächsten Jahre. Der Vorlauf ist enorm, bis zu zweieinhalb Jahre und mehr. Langsam dem Ende entgegen neigt sich die Großbaustelle entlang der Neubaustrecke Nürnberg-Berlin (VDE 8.1 – Verkehrsprojekt Deutsche Einheit). 2016 wird es bei Bamberg 34 Wochen eine Totalsperre geben, um Neubau- und Bestandstrecke miteinander zu verknüpfen. Ende 2017 – der Zeitplan ist laut Hentschel weiterhin gültig – soll die Strecke fertig sein. Dann rauschen Sprinter-ICE in vier Stunden von München nach Berlin.

In Sichtweite gerät langsam ein Projekt, das wohl bundesweit Schlagzeilen machen wird: die Total-Sanierung der ersten deutschen, 1991 eröffneten Schnellfahrstrecke Würzburg-Hannover. Ende des Jahrzehnts müssen erstmals nicht nur Gleise, sondern auch der Oberbau saniert werden, was wohl eine Total-Sperre von Teilen der Strecke unumgänglich machen wird. „Das haben wir in dieser Dimension noch nie geplant“, sagte Hentschel.

Dirk Walter

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