Bevölkerung im Speckgürtel

Boom-Region München: So wird sie sich in Zukunft entwickeln

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Die Landkreise rund um München wachsen weiter ungebremst. Aktuelle Zahlen zeigen: Im Speckgürtel der Landeshauptstadt gibt es immer mehr Menschen, mehr Arbeitsplätze, mehr Verkehr. Das überfordert den Wohnungsmarkt und die Infrastruktur.

München – Die Region München muss sich wappnen: Bis 2035 werden in der Landeshauptstadt und den acht Landkreisen in ihrem Speckgürtel 3,24 Millionen Menschen leben – 400 000 mehr als heute. Das prognostiziert das Statistische Landesamt. Knapp die Hälfte dieser Menschen wird in den Landkreisen Dachau, Ebersberg, Erding, Freising, Fürstenfeldbruck, Landsberg am Lech, München und Starnberg wohnen.

Der Zuzug

Doch die Landkreise ächzen heute schon unter dem massiven Zuzug, das zeigen Zahlen, die der Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum München aufbereitet hat. Spitzenreiter dabei sind die Landkreise Dachau und Ebersberg: Zwischen 2005 und 2015 ist ihre Einwohnerzahl um rund elf Prozent gestiegen – getoppt wird das nur von München selbst mit 15 Prozent Wachstum. Vergleichsweise ruhig ging es dagegen in Starnberg mit einem Anstieg um 3,5 Prozent zu, der Zuzug in Deutschlands kaufkräftigsten Landkreis liegt nur knapp über dem bayerischen Durchschnitt von drei Prozent.

Die Altersstruktur

Niedriger Zuzug schlägt sich auch in der Bevölkerungsstruktur nieder. Von den Speckgürtel-Landkreisen ist Starnberg, Stand 2015, der älteste: Der Bevölkerungsanteil der Über-65-Jährigen beträgt 22,7 Prozent – bis 2035 dürften es sogar 27 Prozent sein. Dagegen wohnen im zuzugsstarken Landkreis Ebersberg mit 18,8 Prozent die meisten Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren, mit etwa gleich großem Seniorenanteil.

Weil nicht nur die Rentner, sondern die Einwohner insgesamt im Speckgürtel mehr werden, nimmt dort auch die Zahl der Arbeitsplätze zu – und das zwischen 2005 und 2015 mit 23,9 Prozent sogar doppelt so stark wie die Einwohnerzahl (11,6 Prozent). Ganz vorn liegen dabei die Landkreise Dachau (38,5 Prozent) und Erding (53,4 Prozent). Für den massiven Anstieg bei letzterem ist aber ein statistischer Effekt verantwortlich: Bis 2008 wurden die Beschäftigten am Flughafen nur dem Landkreis Freising zugeschlagen, seitdem sind sie auf beide Kreise aufgeteilt. Auch in München selbst stieg die Zahl der Arbeitsplätze im selben Zeitraum um fast 20 Prozent. Die Landeshauptstadt stellt damit, Stand 2015, mit 797 000 Beschäftigten rund 60 Prozent der Arbeitsplätze in der Region.

Die Arbeitnehmer sind unterwegs, Tendenz überall steigend. Viele von ihnen pendeln in die Landeshauptstadt oder in den Landkreis München. Letzterer hat ein Pendlersaldo – Einpendler minus Auspendler – von 81.000. Das andere Extrem repräsentiert der Landkreis Fürstenfeldbruck. Überlastete Straßen und S-Bahnen bringen 36 000 Arbeitnehmer zu einem Arbeitsplatz außerhalb des Landkreises – fast 17 Prozent der Gesamtbevölkerung verlassen täglich den Landkreis.

Wohnungen sind im ganzen Münchner Speckgürtel weiter Mangelware. Dabei wird fleißig gebaut: Allein 2015 entstanden in der Region rund 12 500 neue Wohnungen. Spitzenreiter dabei sind die Landkreise Dachau und Freising. Doch selbst dort reicht es nicht. Mindestens 20 000 Wohnungen pro Jahr müssten laut Schätzung des Planungsverbandes in der Region entstehen, um den Bedarf zu decken, ohne dass sich mehr Menschen eine Wohnung teilen – derzeit sind es im Schnitt zwei Bewohner pro Wohnung. Dazu brauche es mehr Verkehrsinfrastruktur, Schulangebote und Betreuungsplätze.

Mehr Abiturienten, weniger Mittelschüler: Der Trend in der Region München geht zur Höherqualifizierung. Dabei gibt es allerdings regionale Unterschiede: Im Kreis Erding macht rund ein Viertel der Schüler Abitur, im Kreis München die Hälfte. Der Durchschnitt in der Region liegt bei 35,8 Prozent.

Rubriklistenbild: © dpa

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