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Dorf ist Borna-Virus-Hotspot: Was ist los in Maitenbeth? Bürger sollen jetzt Blut abgeben

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Von: Markus Honervogt

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Drei Fälle des Borna-Virus im selben Landkreis. Wissenschaftler reisen nach Maitenbeth, um der Sache auf den Grund zu gehen. Sie sind auf die Bürger angewiesen.

Maitenbeth – Nach drei Fällen mit dem seltenen, aber lebensbedrohlichen Borna-Virus im Landkreis Mühldorf am Inn, bislang sind zwei Kranke gestorben, sollen Studien nähere Erkenntnisse bringen. Noch vor Beginn der Sommerferien plant das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) mit dem Universitätsklinikum Regensburg eine Studie in der Gemeinde Maitenbeth, wo zwei der drei Fälle auftraten.

Borna-Virus-Hotspot in Bayern: Krankheit wird von Spitzmäusen übertragen 

Die Krankheit wird von Feldspitzmäusen übertragen. Die Spitzmäuse scheiden das Borna-Virus in Urin, Kot und Speichel aus – darüber können sich dann andere Säugetiere und in seltenen Fällen auch der Mensch anstecken. „Möglicherweise bringen Katzen durch ihr Jagdverhalten ihre Besitzer mit Spitzmäusen und dem Virus in Kontakt – die Katzen selbst waren unauffällig“, heißt es in einem medizinischen Fachblatt.

Das Borna-Virus wird von Feldspitzmäusen übertragen.
Das Borna-Virus wird von Feldspitzmäusen übertragen. © dpa/Uwe Anspach/Frank Rumpenhorst (merkur.de-Collage)

Dass sich Nutztiere wie Pferde und Schafe mit der Bornaschen Krankheit anstecken und daran sterben können, ist schon wesentlich länger bekannt. Die Bürger von Maitenbeth sind zur freiwilligen Abgabe einer Blutprobe und eines Nasen-Rachen-Abstrichs sowie dem Ausfüllen des Fragebogens aufgerufen. Die Wissenschaftler wollen auf diesem Wege herausfinden, ob es neben den mitunter tödlich verlaufenden Gehirnentzündungen andere Formen einer Infektion gibt, die milder oder ganz ohne Symptome verlaufen.

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Studien sollen Erkenntnisse liefern: Mindestens 200 Einheimische müssen Blut abgeben

Dazu wird unter anderem das Blut auf Antikörper untersucht. Damit die Studie ein Erfolg wird, müssen mindestens 200 Personen mitmachen. „Angestrebt wird jedoch eine Zahl von bis zu 1000“,heißt es beim LGL. „Je mehr Personen an der Studie teilnehmen, desto größer die Aussagekraft der Studienergebnisse.“

Im Dorf Maitenbeth (Landkreis Mühldorf a. Inn) sind bisher zwei Menschen am Borna-Virus erkrankt.
Im Dorf Maitenbeth (Landkreis Mühldorf a. Inn) sind bisher zwei Menschen am Borna-Virus erkrankt. © MM-Archiv

Eine Ausweitung auf Nachbargemeinden sieht das LGL derzeit nicht, obwohl es dort neben den beiden Fällen in Maitenbeth vor gut drei Jahren einen weiteren gab. Welcher Ort das ist, ist nicht bekannt, das Landratsamt will diese Information nicht veröffentlichen. Auch über den Zustand der aktuell erkrankten Person ist nichts bekannt. Das LGL möchte sich dazu nicht äußern „Nach aktuellem Kenntnisstand infizieren sich Menschen vermutlich dort, wo sie leben“, sagt das LGL.

„Da konkret in Maitenbeth zwei Infektionsfälle aufgetreten sind, konzentrieren sich die Studien zunächst auf diese Gemeinde.“ Ende Juli starten zudem zwei weitere Studien. Das Friedrich-Loeffler-Institut als Bundesforschungseinrichtung für Tiergesundheit arbeitet an einer Untersuchung der Spitzmauspopulation in Maitenbeth. Und ein Team des Uniklinikums Regensburg will an 30 Stellen Umweltproben nehmen. Diese werden auf Viren untersucht, die über Ausscheidungen der Feldspitzmaus in die Umwelt gelangen und somit einen möglichen Übertragungsweg darstellen könnten.

Großteil der Borna-Virus-Fälle in Bayern nachgewiesen

„Das Tempo, mit dem in den vergangenen Wochen wichtige Entscheidungen zur Durchführung dieser Studien gefallen sind, ist beeindruckend. Das zeigt, wie groß der Wille auf allen Ebenen ist, die Situation in Maitenbeth genau zu analysieren“, sagte Landrat Max Heimerl (CSU). Erste Ergebnisse der Studien sollen im Herbst vorliegen.

Die Forschung steht noch am Anfang. Bisher seien erst rund 40 Fälle beim Menschen nachgewiesen, hieß es. Jährlich würden bundesweit weniger als zehn Fälle gemeldet, ein Großteil aus Bayern. „Warum das so ist, wissen wir nicht“, sagt die Ärztin und Epidemiologin Kirsten Pörtner.

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