Die  ehemalige Box-Queen Regina Halmich.

Training für BestAgers

Box-Weltmeisterin Halmich: Wenn im Kurort die Fäuste fliegen

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Vor zehn Jahren war sie noch die Box-Queen. Inzwischen hat Regina Halmich ein neues Leben begonnen. Sie hält Motivationskurse für Banken und Versicherungen. Und auch schon mal ein Box-Training in einem Kurort. Bei den sogenannten BestAgers.

Bad Füssing – In der Ecke hat ein Gast seinen Rollator abgestellt, aber Regina Halmich ist so charmant, dass sie nicht von alten Leuten sprechen würde, die da vor ihr Platz genommen haben. Sie bleibt dabei: „Das sind BestAger.“ Und sie erklärt den Begriff so: „Leute, die den Beruf hinter sich und die besten Jahre noch vor sich haben.“ Oder wie sie auch meint: „Das ist mein ZDF-Publikum. Es hat mich nicht vergessen.“

Regina Halmich ist dadurch bekannt geworden, dass sie sich in den Box-Ring gestellt hat. Als Frau in der männlichsten aller Sportarten. Diese Zeit liegt hinter ihr, seit fast zehn Jahren. Sie hat ihren Weltmeister-Gürtel mitgebracht nach Bad Füssing, ins Kurhotel Johannesbad Königshof. Den Gürtel, eigentlich ein Wanderpreis, hat sie so oft verteidigt, dass sie ihn behalten durfte. Die Eckdaten ihrer Box-Regentschaft sind darauf verewigt: 1995 – 2007.

Nun ist sie 41 und hat ein neues Leben. „Ich bin gut gebucht“, erzählt die Karlsruherin. Sie hält Motivationsvorträge, „meist bei Banken und Versicherungen. Die wollen das dann gleich mit einem Training kombiniert haben.“ Dass sie nun in einem bayerischen Kurort aufschlägt, ist eine neue Erfahrung für sie. „Es ist ein Experiment“, sagt sie.

Man hat freche Plakate gestaltet für das Halmich-Event. „Bist du bereit, mit mir zu trainieren? Oder magst du nur ein Selfie mit mir?“, fragt sie darauf. Und beruhigt: „Alles ist möglich.“ Ja, sie will die Gäste zu einem fitnessorientierten Boxtraining bewegen, mit Musik, mit Rhythmus. Und damit keiner Angst hat vor ihr, der Überfrau, hält sie erst einmal einen Vortrag. Mit der Botschaft: Auch eine Weltmeisterin hat im Leben kämpfen müssen.

Halmich spürte die Skepsis der männlichen Kollegen

Um Anerkennung vor allem. Sie war ja schon glücklich, dass sie, die Rechtsanwaltsfachangestellte, einen Vertrag bei einem Boxstall bekam, Mitte der 90er-Jahre. Bei „Universum“ in Hamburg, dem damals größten in Europa. „Ich habe im Gym gewohnt, als einzige Frau neben 25 Männern.“ Man lebte spartanisch: „Es gab Doppelstockbetten und Gemeinschaftsduschen.“ Es war ihr egal, „ich habe richtig gebrannt fürs Boxen“. Das Gehalt: 3500 Mark brutto im Monat. Für Promoter Klaus-Peter Kohl: Kategorie Portokasse. Eine Boxerin zu beschäftigen, war kein finanzielles Risiko für ihn. Regina Halmich spürte die Skepsis der männlichen Kollegen. Aber sie erlebte auch Fairness: „Sie waren keine Freunde des Frauenboxens, aber von mir.“

Das Publikum in Bad Füssing leidet mit, als sie erzählt, wie sie 1999 in Kiew boxte. Star des Abends war ihr Stallgefährte Wladimir Klitschko, der in seiner Heimatstadt die erste Niederlage seiner Karriere bezog. Halmich war im Rahmenprogramm, vor 20 000 Zuschauern erledigte sie ihren Job, verteidigte ihren Weltmeistertitel. Sie saß schon da zur obligatorischen Pressekonferenz, doch da schritt der Bürgermeister von Kiew ein: Frauen hätten hier nichts zu sagen.

Die BestAger in Bad Füssing sind nachträglich empört. Ebenso übers ZDF. Regina Halmich sagt: „Die wollten meine Kämpfe gar nicht zeigen. Dann haben sie einen um halb zwei Uhr nachts ins Programm genommen.“ Die Überraschung dann: „1,5 Millionen Zuschauer, sensationeller Marktanteil.“ Sie kam ins Hauptprogramm, plötzlich schalteten die Leute wegen ihr ein. Bis zu sechs Millionen. „Die Entscheidungsträger beim ZDF haben mir auf die Schulter geklopft und gesagt: ,Wir haben immer an dich geglaubt.’“

Noch mehr Menschen verfolgten, wie Regina Halmich 2001 gegen den TV-Entertainer Stefan Raab antrat. Sie war mal in der Sendung „TV total“ zu Gast gewesen, da tauschte sie mit dem Gastgeber ein paar angedeutete Schwinger aus. Raab sagte hinterher: „Ich hätte schon härter zuschlagen können.“ Halmich: „Ich auch.“

Das Raab-Management trat an sie heran mit der Anfrage nach einem richtigen Boxkampf. Halmich lehnte ab: Sie empfand sich als Sportlerin, nicht als Showgirl. „Aber Stefan hat jeden Abend irgendeine Frechheit abgelassen.“ Schließlich willigte sie ein. „Es war ein Risiko. Denn ich hätte gegen einen solchen Mann ja auch verlieren können.“ Jedoch: „Ich habe dem Stefan vor siebeneinhalb Millionen Zuschauern dann die Nase gebrochen.“ Das Publikum in Bad Füssing erinnert sich – und hat keine Angst, dass ihm das mit der netten Frau Halmich widerfahren könnte.

Die meisten sind dann an den folgenden zwei Tagen zum Training mit der Weltmeisterin gekommen, und eine Dame mit Rollator hat zumindest interessiert zugeschaut. Die Veranstaltung war zudem offen für Einheimische. Und damit es auch für Regina Halmich fachlich fordernd wurde: Es trat eine Delegation von Aktiven aus dem örtlichen Box-Club zum Training an. Plus Mitarbeiter des Hotels Königshof.

Im Boxen gibt es viele (Kampf-)Begegnungen ein zweites Mal. Regina Halmich und die BestAger – es könnte eine Fortsetzung geben. Rumble in the Kurort.

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