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Furchterregende Gesellen treiben in vielen Gemeinden in der Zeit zwischen Weihnachten und Dreikönig ihr Unwesen. Die Rauhnächte sind die Zeit der Perchten und Waldhexen. Dieses Foto entstand im niederbayerischen St. Englmar.

Die Bräuche der Rauhnächte

Die Jahreszeit der schaurigen Gestalten

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München - Vom Heiligabend an beginnen die zwölf Rauhnächte, auch Raunächte, Rauchnächte oder einfach die Zwölf genannt. Hier lesen Sie, was dahintersteckt.

Wenn die Nächte am dunkelsten und am längsten sind, wenn sich die eisige Stille durch das Fenster bohrt und wenn aus einem kleinen Knarzen am Dachboden im Kopf ein polternder Krach wird – dann sind der Fantasie des Menschen keine Grenzen gesetzt. „Das können wir uns heute gar nicht mehr vorstellen, wie unheimlich diese Winternächte in früheren Zeiten gewesen sein müssen“, sagt Brauchtumsforscher Albert Bichler, „so ganz ohne elektrisches Licht.“ Da beißen sich die bösen Geister schnell im Kopf fest. Und nur der Aberglaube vermag, das diffuse Unbehagen zu lindern.

Vom Heiligabend an beginnen die zwölf Rauhnächte, auch Raunächte, Rauchnächte oder einfach die Zwölf genannt. Bis zum Dreikönigstag waren die Nächte nach altem Volksglauben, der bis ins Germanentum zurückreicht, erfüllt vom Treiben der Dämonen und bösen Geister. Das Totenheer, die „Wilde Jagd“, zieht durch die Lande. Dagegen galt es sich zu wappnen. Dabei waren die Menschen äußerst erfinderisch und bedienten sich diverser Mittel aus dem Bereich des Aberglaubens.

Schon der Begriff „Rauchnächte“ erinnert an eines dieser Mittel. „So gingen viele Bauern in der Heiligen Nacht sowie in der Silvesternacht mit glühenden Kohlen oder mit Weihrauch durch ihre Stallungen“, sagt Bichler – um das Böse aus dem lebensnotwendigen Stall hinauszuräuchern und somit Krankheit und Unglück vom Hof fernzuhalten.

Andere griffen gleich zur Flinte. Denn auch mit viel Lärm, so die Vorstellung, könne man Dämonen und Unholde vertreiben. Der Brauch des Weihnachtsschießens wird im Alpenraum nach wie vor gepflegt. Besonders bekannt ist das Berchtesgadener Weihnachtsschießen. An Heiligabend um 23 Uhr wird auf siebzehn Standplätzen der Weihnachtsschützen in und um Berchtesgaden geschossen. Punkt 24 Uhr – zu Beginn der Christmette – tritt Ruhe ein.

Die mystisch aufgeladene Zeit zwischen den Jahren bot aber nicht nur Platz für Geistergeschichten. Auch Hinweise auf die persönliche Zukunft suchte man in diesen Tagen. Beim „Pantoffelwerfen“ erhofften sich junge Mädchen Hinweise auf den zukünftigen Bräutigam. Nach dem Wurf über die Schulter sollte die Richtung der Schuhspitze anzeigen, von wo der erhoffte Hochzeiter kommen würde. Allgemein verbreitet war auch der Gedanke, dass die zwölf Tage zwischen Heiligabend und Dreikönig das Wetter der kommenden zwölf Monate anzeigen, wobei jeder Tag für einen Monat des kommenden Jahres steht. „Sogar aus der Zahl der Apfelkerne versuchte man, Schlüsse für das weitere Leben zu ziehen“, sagt Bichler.

Zu den Rauhnächten gehören auch die Perchtenläufe (oder Perschtenläufen), die auch heute in der Alpenregion noch verbreitet sind. In Kirchseeon (Landkreis Ebersberg) tanzen etwa am Mittwoch, 6. Januar, die schaurig maskierten Perchten, Waldhexen und Klaubaufs durch die Straßen und veranstalten ein Riesen-Spektakel. Die Perchten sollen Haus und Hof im neuen Jahr vor Unglück bewahren und Fruchtbarkeit bringen.

Auch dann, wenn die Nächte wieder am längsten und dunkelsten sind.

Dominik Göttler

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