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Ein Hochzeitstanz in Schliersee vom Anfang des 19. Jahrhunderts. Die Braut trägt einen Rosmarinkranz am Ärmel undim Haar. Die Lithographie stammt von 1870.

Bayerisches Hochzeitsbuch

Als die Bräute nur Schwarz trugen

München - Heiraten möglichst nur am Dienstag? Bräute nur in Schwarz? Eheschließung ohne Bräutigam? Ja, wo san ma denn? Nun ja: Im Heiratsland Bayern. Das Buch „Unter die Haube gebracht“ stellt alte bayerische Hochzeitsbräuche vor – darunter so manche Kuriosität.

532 Ochsen. Nicht gelogen: 532 Ochsen verspeisten sie, die Gäste einer Münchner Fürstenhochzeit, damals, im Jahr 1568. Nur mal zum Vergleich: Die Besucher des Münchner Oktoberfestes schaffen 100. Nun gut, so eine Hochzeit war eben schon immer ein Ereignis, ist es noch heute, gerade in Bayern, wo sich Jahr für Jahr 60 000 Paare das Ja-Wort geben. Abgesehen davon hat sich aber im Laufe der Jahrhunderte einiges verändert. In ihrem Buch „Unter die Haube gebracht“ erzählt Martina Sepp von alten Traditionen rund ums Heiraten.

Auf 156 Seiten schreibt die Autorin, wie früher bei Hof, auf dem Land und in der Stadt geheiratet wurde. Beispiel: Während viele Ehepaare ihre Hochzeit heutzutage gerne auf einen Tag am Wochenende legen, war früher gar nicht daran zu denken, an einem Samstag zu heiraten. Die Kirche befürchtete nämlich, die Hochzeitsgesellschaft könnte am Sonntag zu spät zum Gottesdienst kommen. Ideal war der Dienstag, denn der galt in ganz Bayern als frei von Hexerei und Unheil. Immerhin heißt es schon in der Schöpfungsgeschichte vom dritten Tag: „Gott sah, dass es gut war.“

Unter diesem Segen will man doch gerne stehen. Und wenn, dann im weißen Walle-Kleid. Aber auch da hatten die Leute bis ins 20. Jahrhundert hinein andere Vorstellungen. Weiß war nämlich lange Zeit ganz und gar nicht üblich – dafür liefen die Damen in Schwarz auf. Erklärung: In Zeiten, in denen das Wäschewaschen noch mühsam war, waren helle Farben schlicht unsinnig. So ein dunkles Gewand ließ sich zudem viel länger tragen, zu Feiertagen oder sonstigem. Gerade Bauersfamilien dachten nicht im Traum daran, ein Kleid nur für einen Tag schneidern zu lassen.

Im Album finden sich teils noch nie gezeigte, historische Zeichnungen und Abbildungen – zum Beispiel ein Bild des Brautkleids von Therese von Bayern oder einer goldenen Wachsbrauchkrone aus dem Bad Tölzer Stadtmuseum. Dazu gibt es unter anderem ein altes Dampfnudel-Rezept, Tipps zum Schmücken des Hochzeitstisches sowie eine kurze Anleitung, um Kopfschmuck selbst herzustellen.

Es ist ein großes Plus des Buchs, dass Sepp die Kapitel sachlich und informativ aufzieht und nicht in die Kitschfalle stapft. Trocken liest es sich deshalb nicht – das verhindert schon der teils ziemlich kuriose Inhalt. Wer hätte auch gedacht, dass es lange Usus war, adelige Bräute in Abwesenheit des Bräutigams zu verheiraten. Teils dauerte es Wochen, bis die Frauen per Kutsche bei ihren Zukünftigen ankamen. Wäre ihnen unterwegs etwas passiert, wären alle Vorverhandlungen im Eimer gewesen. Also wurden die Bräute „kraft Vollmacht“ zu Hause vorverheiratet – mit einem Diplomaten vom Hofe ihres Gatten. Sicher ist sicher. Aber ehrlich: Nicht jeden Brauch von damals wünscht man sich zurück.

Von Alessandro Capasso

„Unter die Haube gebracht“ von Martina Sepp, Volk Verlag, 156 Seiten, 19,90 Euro.

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