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In Wald (Schwaben) stand am 05. Januar der Kirchturm in Flammen.

Vom Brand zerstörter Kirchturm soll wieder aufgebaut werden

Wald - Ein Blitzschlag setzte in Wald im Allgäu einen Kirchturm in Flammen. Der Schrecken sitzt den Dorfbewohnern noch immer in den Knochen. Doch sie sind sich einig: Der Kirchturm soll wieder aufgebaut werden.

Wald (dpa/lby) - „Einsturzgefahr“ steht auf dem Schild. Es hängt an der Absperrung zur Kirche in Wald im Ostallgäu. Knapp drei Wochen ist es her, dass die Pfarrkirche zum heiligen Nikolaus von einem Blitz getroffen wurde und Feuer fing. Bei dem Brand wurde der mehr als 500 Jahre alte Glockenturm zerstört, die Turmspitze stürzte auf den Friedhof, das Kreuz in die Sakristei. Das Kirchenschiff blieb jedoch unversehrt.

„Es ist unglaublich, wie viel Glück wir hatten. Sogar der Christbaum steht noch genauso da wie an Weihnachten“, sagt Josef Ampßler und zeigt auf die mit Strohsternen geschmückte Tanne vor dem Altarraum. Dennoch ist dem Bürgermeister der 1100-Einwohner-Gemeinde der Schrecken der Brandnacht noch anzumerken. „Das steckt im Kopf drin. Da sind noch nicht viele Gedanken übrig für andere Sachen.“

Kirche in Flammen - Turmspitze bricht ab

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Sechs Stunden lang wütete das Feuer in der Nacht zum Dreikönigstag im Turm der katholischen Kirche. Neben 220 Feuerwehrleuten, Rettungskräften und Polizisten waren auch viele Bürger bis nach Mitternacht auf den Beinen und verfolgten im dichten Schneetreiben die dramatische Löschaktion in der Dorfmitte.

Die Menschen in Wald sind sich einig, wie es weitergehen soll: „Jeder ist daran interessiert, dass der Kirchturm wieder so aufgebaut wird, wie er war. Für die Bürger kommt nichts anderes infrage“, erzählt der Rathauschef. Schließlich gehe es nicht nur um die Dorfkirche, sondern um das Wahrzeichen von Wald, das auch im Ortswappen verewigt ist. Viele Dorfbewohner hätten ihre Hilfe für den Wiederaufbau angeboten und es wurden Spendenkonten eingerichtet.

Der Zusammenhalt in der Gemeinde begeistert auch Pfarrer Heinrich Krowicki, der seit dem Brand die Gottesdienste in der Mehrzweckhalle hält. „Dieses Ereignis hat die Gemeinschaft noch weiter gestärkt.“ Er selbst sei froh und dankbar darüber, dass bei dem Brand niemand verletzt und die Kirche kaum zerstört wurde. „Ich war mir sicher, dass die Glocken runterfallen und das Kirchenschiff zerstört wird. Aber Gott sei Dank ist nichts davon geschehen.“ Dass die Kirche nicht einmal einen Wasserschaden davon getragen hat, habe er zunächst kaum glauben können. Selbst die Messgewänder und liturgische Geräte aus der Sakristei seien heil davon gekommen.

Am Kirchturm wurden inzwischen mit Hilfe von zwei Autokränen die Mauerreste abgetragen. Zudem wurde der Glockenstuhl mit den fünf Glocken aus der Brandruine entfernt. Die Glocken haben große Risse. Die älteste, aus dem Jahr 1651, ist bereits auseinandergebrochen. „Die sind alle nicht mehr brauchbar“, bedauert der Bürgermeister. Er will die Glocken dennoch aufheben - im Dorfmuseum neben der Kirche.

Seit dem Brand wurde die Kirche von zahlreichen Experten begutachtet. Neben der Kripo waren auch Statiker sowie Vertreter der Diözese Augsburg und der Versicherung da. Wie der Sprecher des Bistums Augsburg , Markus Kremser, sagt, könne der Schaden noch nicht beziffert werden. „Solange wir nicht wissen, was der Wiederaufbau kosten wird, ist die Schadenshöhe unbekannt.“ Als nächstes soll ein Gerüst um den Kirchturm errichtet werden, um an den beschädigten Glockenstuhl zu gelangen und Risse im Mauerwerk zu sichern. „Erst dann kann man sehen, wie ein Wiederaufbau gestaltet werden kann.“ Nach derzeitigem Stand werde die Brandversicherung der Diözese für den Schaden aufkommen.

Obwohl das Kirchenschiff das Feuer unbeschadet überstanden hat, riecht es dort noch immer verbrannt. Der strenge Geruch kommt aus dem Zugang zum Kirchturm und der Sakristei. Dort hat die abgestürzte Kirchturmspitze samt Kreuz ein Loch ins Dach gerissen - nur wenige Meter vom Altar entfernt. Die Mesnerin Irmgard Krumm steht vor den Kirchenbänken und fährt mit der Hand langsam über das Holz. „Staub gibt es hier eine Menge. Aber es ist ein Wunder, dass nicht mehr passiert ist“, sagt sie und schüttelt ungläubig den Kopf. Sie erinnert sich noch genau an den Moment, als sie von dem Brand erfuhr. „Mein erster Gedanke war: Hoffentlich habe ich keine Kerze brennen lassen.“

Auch der Bauer, der in jener Nacht zur Sicherheit seine Kühe aus dem Stall treiben musste, denkt mit Schrecken zurück: „Es war schlimm. Jeder war schockiert und hat es nicht glauben können.“ Auch noch Tage später habe man gespürt, wie geknickt die Menschen im Ort seien. Er selbst, der seinen Hof direkt neben der Kirche hat, werde jeden Tag mehrmals daran erinnert, dass mit dem Gotteshaus etwas nicht stimmt. „Der stündliche Glockenschlag fehlt. Den höre ich sonst immer, wenn ich im Stall arbeite.“

dpa

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