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Angeklagter im Memminger Brandstiftungs-Prozess.

Attentat einer Rocker-Gruppe?

Brandanschlag im Allgäu: Haft für drei Männer

Memmingen - Drei Männer aus Nordrhein-Westfalen sind für einen Brandanschlag im Allgäu verantwortlich. Bei der Auftragstat wurden zwei von ihnen lebensgefährlich verletzt. Verurteilt wurden sie trotzdem.

Das Gericht verhängte zum Teil mehrjährige Haftstrafen. Wegen Brandstiftung und Beihilfe zur Brandstiftung sind drei Männer vom Landgericht Memmingen zu Freiheitsstrafen verurteilt worden. Gegen die 23 bis 39 Jahre alten Angeklagten verhängte die Kammer am Freitag Strafen zwischen 22 Monaten auf Bewährung und dreieinhalb Jahren Haft. Die Angeklagten sind für ein Feuer in einem Wohn- und Praxisgebäude in Bad Wörishofen (Landkreis Unterallgäu) im vergangenen Mai verantwortlich. Zwei der Männer waren dabei lebensgefährlich verletzt worden. „Sie werden lebenslang an den Folgen dieser Straftat leiden“, sagte die Vorsitzende Richterin.

Das Trio aus Nordrhein-Westfalen hatte die Tat gestanden. Der 37-jährige Angeklagte räumte ein, für die Tat Geld erhalten zu haben. Er hatte gehofft, seinen Drogenkonsum damit zu finanzieren. Wer sein Auftraggeber war, ließ er aber offen.

Die Kripo hat die Mieter im Verdacht, die in dem Anwesen eine Heiler-Praxis eingerichtet hatten und auch dort lebten. Im Vorfeld des Brandes soll es Kontakt zwischen einem der Angeklagten und dem Sohn der Mieterin gegeben haben. Die Ermittlungen gegen die Familie dauern an. Die Kripo vermutet zudem, dass die Angeklagten der Rockergruppe „Black Jackets“ angehören. Dies war jedoch im Prozess kein Thema.

In der Nacht zum 26. Mai 2013 hatte es in dem Haus in Bad Wörishofen eine Verpuffung gegeben. Zwei der Männer waren in das Gebäude eingestiegen und hatten dort Benzin verschüttet. Der dritte wartete im Auto und stand Schmiere. Nach einer Explosion liefen die beiden Brandleger brennend aus dem Haus. Ihr Begleiter riss ihnen die brennenden Kleidungsstücke vom Leib und brachte sie zu einer wenige Kilometer entfernten Tankstelle in Türkheim. Dort legte er die lebensgefährlich verletzten Männer ab und bat einen Mitarbeiter der Station, den Rettungsdienst zu alarmieren. „Er hat seinen Freunden das Leben gerettet“, sagte die Richterin.

Am Freitag war die Dressurreiterin Ulla Salzgeber als Zeugin gehört worden. Die zweimalige Mannschafts-Olympiasiegerin ist Eigentümerin des beschädigten Anwesens. Bevor Salzgeber vor Gericht von Schwierigkeiten mit der Mieterfamilie berichtete, entschuldigten sich die Angeklagten bei ihr. Einer ließ ihr über seinen Verteidiger einen Scheck über 47 000 Euro überreichen - als Wiedergutmachung des Gebäudeschadens, wie es hieß.

Zwischen Salzgeber und der Mieterfamilie kam es nach den Angaben der Zeugin vor dem Brand zu gerichtlichen Auseinandersetzungen. Es habe Ärger wegen ausgebliebener Mietzahlungen und Umbauarbeiten im Haus gegeben, sagte Salzgeber. Als sie kurz vor dem Brand noch einmal in dem Anwesen gewesen sei, habe sie überall Umzugskartons gesehen. „Es sah so aus, als würden sie ausziehen“, sagte sie.

dpa

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