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Ein Zeichen der Solidarität: Die Bürger aus Vorra haben nach dem Anschlag eine Menschenkette gebildet.

Erste Flüchtlinge angekommen

Brandanschlag auf Asylunterkunft: Vorra setzt ein Zeichen

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Vorra – Vor einem Jahr haben Unbekannte eine geplante Flüchtlingsunterkunft im mittelfränkischen Vorra angezündet. Der kleine Ort hat bundesweit Schlagzeilen gemacht. Am Mittwoch sind die ersten Flüchtlinge in die sanierte Unterkunft eingezogen. Sie sind herzlich empfangen worden – von Bürgern, die ein Zeichen setzen wollen.

Das Plakat, das Elisabeth Peterhoff vor einigen Tagen aufgehängt hat, ist genau ein Jahr alt. „Flüchtlinge brauchen Freunde“ steht darauf. Damit wollten die Menschen in Vorra vor einem Jahr Flüchtlinge in der neuen Unterkunft willkommenheißen. Doch die Asylbewerber sind nie eingezogen. Wenige Tage, bevor sie in der 1600-Einwohner-Gemeinde im idyllischen Pegnitztal ankommen sollten, zündeten Unbekannte die leeren Asylunterkünfte an, schmierten Hakenkreuze und fremdenfeindliche Parolen an die Hauswände. Es war der erste Brandanschlag auf ein Flüchtlingsheim in Bayern, der kleine Ort machte wochenlang deutschlandweit Schlagzeilen.

Am Mittwoch, fast auf den Tag genau ein Jahr nach dem Anschlag, sind 18 Flüchtlinge in eines der drei Gebäude eingezogen, die damals durch den Brand zerstört wurden. 52 weitere sollen in den kommenden Wochen folgen. Für sie haben die Helfer ihr Plakat wieder aufgehängt. Asylbewerber sind willkommen in Vorra – diese Botschaft hat sich nie geändert. Sie ist stärker denn je.

"Vorra steht für eine Willkommenskultur"

Björn Schukat, evangelischer Pfarrer in Vorra

Äußerlich erinnert in Vorra nichts mehr an die Nacht des 11. Dezember 2014. Doch der Brandanschlag hat in der mittelfränkischen Gemeine Spuren hinterlassen, die nicht auf den ersten Blick sichtbar sind. Die Zahl der Asylhelfer hat sich mehr als verdoppelt, die Solidarität mit den Flüchtlingen ist riesengroß. „Wir lassen uns von den Tätern nicht kleinkriegen – sie dürfen nicht siegen“, sagt Elisabeth Peterhoff, die Leiterin des Helferkreises. „Vorra steht für eine Willkommenskultur. Dieses Signal wollen wir mehr denn je senden.“

Elisabeth Peterhoff, Leiterin des Helferkreises Asyl

Die Gemeinde ist gewachsen an dem Brandanschlag von damals. Und sie ist fest entschlossen, den Namen Vorra mit einem positiven Image zu verknüpfen. „Zwei Tage lang waren wir damals alle geschockt“, erinnert sich der evangelische Pfarrer Björn Schukat. Das Pfarrhaus ist nur wenige Meter von der Unterkunft entfernt. Er weiß noch genau, wie ihn nachts die Sirenen der Feuerwehr weckten. Wie er fassungslos vor dem brennenden Gasthof stand – und hoffte, dass ein technischer Defekt das Feuer verursacht hatte. „Wir haben damals kurz überlegt, ob wir unser geplantes Weihnachtskonzert zwei Tage später ausfallen lassen sollen“, sagt er. „Ziemlich schnell stand fest: Es muss stattfinden. Fremdenfeindlichkeit darf in unserem Leben keinen Platz bekommen.“ Die Bürger zogen mit Plakaten durch den Ort, auf denen „Kein Platz für Nazis“ stand. Die Helfer verteilten ihre Handynummern an die Flüchtlinge, die im Nachbarortsteil Alfalter untergebracht waren. „Wir sind eng zusammengerückt“, sagt Pfarrer Schukart. Er ist nach wie vor überzeugt, dass die Täter nicht aus Vorra stammen. „In so einem kleinen Ort lässt sich eine fremdenfeindliche Haltung nicht verbergen“, sagt er. Bis heute hat die Kripo keine Spur, wer die Gebäude angezündet hat.

Die Flüchtlinge sollen sich sicher fühlen

Der Anschlag auf die Flüchtlingsunterkunft in Vorra war der erste einer bundesweiten Serie. Erst am Mittwoch haben Unbekannte in Stadtbergen (Kreis Augsburg) versucht, eine noch unbewohnte Unterkunft für Flüchtlinge anzuzünden – vergeblich. „Wir haben keine Angst vor neuen Anschlägen“, sagt Asyl-Helferin Peterhoff. „Aber es wäre naiv, die Tat auf die leichte Schulter zu nehmen.“ Deshalb überwacht in Vorra seit einigen Wochen ein Sicherheitsdienst das Gebäude, in das am Mittwoch die vier Familien aus Syrien und dem Irak eingezogen sind. Die Flüchtlinge sollen sich sicher fühlen. Und sie sollen in Ruhe ankommen dürfen. Erst heute wollen Pfarrer Schukat, Elisabeth Peterhoff und einige weitere Helfer mit Begrüßungs-Plätzchen und Punsch vorbeikommen. Sie wollen die Asylbewerber so willkommen heißen, wie sie es auch vergangenes Jahr geplant hatten. Sie wollen ihnen sagen, dass sie in einer Gemeinde untergebracht sind, in der viele Menschen ihre Freunde sein wollten.

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