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Arbeit am Kind ab sieben Uhr früh: Erzieherinnen sind das, was man „multitasking-fähig“ nennt: Sie spielen, sie unterrichten, sie bändigen.

Brauchen Erzieherinnen Abitur?

München - Erzieherinnen sollten statt Mittlere Reife Abitur und einen Hochschulabschluss haben. Das fordert der Lehrerverband BLLV, der über diesen Weg auch die Bezahlung verbessern will. Die Politik reagiert ablehnend.

Erst kürzlich waren Pläne der EU-Kommission bekannt geworden, für die Altenpflegerausbildung das Abitur zur Voraussetzung zu machen. Verbände und Politik sind in Aufruhr – und jetzt entsteht am anderen Ende der Altersskala, bei der Betreuung der Kleinsten, eine ähnliche Debatte: Der Lehrerverband BLLV will die Erzieherinnen-Ausbildung reformieren.

Eine Ausbildung an Hochschulen sei in vielen Ländern Standard, heißt es in einer Petition an den Bayerischen Landtag, die demnächst in den Fachausschüssen Thema sein wird. „Deshalb müssten Bachelor- und Master-Studiengänge für den Beruf des Erziehers auch in Deutschland selbstverständlich sein.“ Alarmierend sei vor allem die hohe Abbrecherquote in diesem Beruf, meint die BLLV-Vizepräsidentin Waltraud Lucic aus München. Im Schnitt wechsele eine Erzieherin nach viereinhalb Jahren den Beruf.

Bisher hat eine Erzieherin im Kindergarten in der Regel Mittlere Reife. Bis sie ihren Beruf ausüben kann, ist es ein langer Weg: erst Berufsfachschule, dann zwei Jahre Fachakademie, danach Ausbildungszeit im Kindergarten mit abschließendem Examen – nach fünf Jahren ist eine Erzieherin endlich berechtigt, eine Kindergarten-Gruppe zu leiten. Hinzu kommt die niedrige Bezahlung. 2040 Euro brutto beträgt das Monatssalär am Anfang, in der Endstufe sind es 2864 Euro. „Das schreit nach einer Verbesserung“, sagt der CSU-Landtagsabgeordnete Joachim Unterländer.

Neben der Bezahlung, die sich bei einer Höherqualifizierung ändern müsse, geht es Waltraud Lucic vor allem um eine andere Akzentsetzung. Der Aufenthalt im Kindergarten werde häufig „mehr als Betreuungszeit denn als Bildungszeit“ gesehen, sagt sie. „Da müssen wir andere Akzente setzen.“ Themen gebe es viele, etwa die Beobachtungsdiagnostik verhaltensauffälliger Kinder oder die Sprachschulung von Migrantenkindern. Sorgen vor einer Überakademisierung der Erzieherinnen habe sie nicht.

Doch aus der Politik kommen eher ablehnende Signale: „Als Regelabschluss sehe ich das nicht“, sagt Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU). Die Fachakademien hätten sich bewährt. „Sie haben eine hervorragende Qualität, auch wenn die Inhalte ständig weiterentwickelt werden müssen“, sagt der CSU-Abgeordnete Unterländer. Allerdings habe der BLLV Recht, wenn er die Aufstiegsmöglichkeiten der Erzieherinnen verbessern wolle. Schon jetzt könnten Leiterinnen berufsbegleitend studieren, das müsse ausgebaut werden. Auch sei in der Überlegung, Kinderpflegerinnen, die in der Regel einen Hauptschulabschluss haben, zu Erzieherinnen weiterzubilden. Da sei „vieles stark in Bewegung“, sagt Unterländer.

In der Tat: Auch die Sozialdemokraten haben ihre Vorstellungen. Sozialpolitiker Hans-Ulrich Pfaffmann hält eine Verkürzung der Ausbildung von fünf auf vier Jahre für „sehr sinnvoll“. Und auch wenn die Qualität der Fachakademien „nicht schlecht“ sei, so ist für Pfaffmann der Einstieg in die Akademisierung ein „Zukunftsprojekt“. Zumindest die Leitungsstellen sollten dann mit Bachelor- oder Master-Absolventinnen besetzt werden.

Von Dirk Walter

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