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Auch dieser Hubschrauber – hier bei einer Übung im Juli an der Kampenwand – wird versteigert.

Komplette Flotte wird versteigert

Wer braucht einen Polizeihubschrauber?

München - Ausrangierte Autos werden bei der Polizei regelmäßig versteigert. Doch jetzt versilbern Bayerns Ordnungshüter neun Hubschrauber – die komplette Flotte, mitsamt Ausrüstung.

München – Im Januar geht es los: Dann werden bis Juli bei drei Terminen jeweils drei Hubschrauber versteigert. Für die bayerische Polizei eine Premiere: „Es ist bei uns die erste Versteigerung von Polizeihubschraubern“, sagt Gerd Enkling , Sprecher der Bayerischen Bereitschaftspolizei. Denn bereits Ende des Jahres werden die ersten von acht neuen Hubschraubern ausgeliefert, die der Freistaat für 58 Millionen Euro von der EADS-Tochter Eurocopter gekauft hat. „Damit kommen wir auf den neuesten Stand der Technik und bleiben weiter Spitze in der Bundesrepublik“, sagt Enkling.

Für die alten Maschinen soll nun eine möglichst hohe Summe herausspringen, auf jeden Fall im Millionenbereich. In der Vergangenheit hatte die Polizei ihre Maschinen geleast, zuletzt wurde 1998 die Flotte ausgetauscht. „Nach Ende der Leasing-Zeit haben wir die neun Maschinen gekauft, weil das wirtschaftlicher war“, sagt Enkling. Und auch jetzt sei es wirtschaftlicher, die neuen Hubschrauber nicht zu mieten, sondern zu kaufen.

Die jetzt ausrangierten Maschinen mit maximal sieben Sitzplätzen sind mit rund zehn Jahren noch nicht sonderlich alt und haben je nach Modell zwischen 4100 und 5200 Betriebsstunden (Zelle) auf dem Buckel. Die Maschinen waren überwiegend in Bayern eingesetzt, vor allem zur Vermisstensuche insbesondere im Gebirge , bei Fahndungen oder auch Großveranstaltungen wie dem Papstbesuch. Doch auch beim Nato-Gipfel in Kehl am Rhein waren bayerische Maschinen im Einsatz.

Interessant ist die Ausstattung: So werden einige Maschinen unter anderem mit Rettungswinde, Suchscheinwerfer und Abseilvorrichtung verkauft sowie mit Wärmebild- und Videokamera. Da scheinen Luftretter wie der ADAC oder auch Behörden anderer Länder prädestiniert als mögliche Käufer zu sein. „Das Angebot richtet sich an alle Interessenten“, betont Enkling – auch der Privatier, der schon immer mal einen ehemaligen Polizeihubschrauber fliegen wollte, kann also zuschlagen.

Die Bundespolizei winkt schon ab. „Wir haben kein Interesse“, sagt Jürgen Ackermann , Sprecher der Bundespolizei-Flugstaffel in Oberschleißheim. Dort sind 16 Maschinen stationiert. Deutschlandweit besitzt die Bundespolizei 92 Hubschrauber, davon 41 von genau dem Typ, den der Freistaat jetzt versteigert. „Wir haben unsere aber erst 2001 bekommen, die sind also neuer“, sagt Ackermann. Außerdem werde bei solchen Hubschraubern von einer Nutzungsdauer bis zu 30 Jahren ausgegangen. Der ADAC dagegen, der bundesweit 45 Hubschrauber vor allem für Rettungsflüge besitzt, ist nicht ganz abgeneigt: „Die Hubschrauber müssen natürlich zur Flotte passen, damit alle Piloten sie fliegen können. Und das wäre bei den Polizeihubschraubern der Fall“, sagt Maximilian Maurer , Sprecher beim ADAC Südbayern. Doch ob der Bedarf da sei? Die Flotte sei ebenfalls relativ neu, „zwei Maschinen wollen wir sogar selber verkaufen“, sagt Maurer. Aber man sei schon gefragt worden. „Ob da was zustande kommt, ist noch nicht entschieden.“

Letztlich wird es eine Frage des Geldes werden. Deshalb ist die Polizei gespannt, wer bei der Versteigerung zuschlagen könnte – und ob sie die Maschinen überhaupt loswird.

von Boris Forstner

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