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Laterne, Laterne, Sonne, Mond und Sterne... Der Martinsumzug gehört zum 11. November dazu. Seinen Ursprung hat er wohl in einem alten Brauch, bei dem arme Menschen von Haus zu Haus zogen und um Gaben baten.

Zum 1700. Geburtstag 

Darum feiern wir St. Martin 

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München - Der Heilige Martin von Tours feiert heuer 1700. Geburtstag. Wir erklären, was es mit St. Martin auf sich hat - und wie die Gänse in die Legende passen.

„Ich geh’ mit meiner Laterne, und meine Laterne mit mir“ – tausendfach stimmen Kinder am heutigen Abend diesen eingängigen Singsang an und trällern die restlichen Strophen in die Dunkelheit, wenn sie mit ihren Lichtern im Entenmarsch durch Bayerns Ortschaften ziehen. Vielerorts werden sie angeführt von einem römischen Soldaten, eingehüllt in einen roten Mantel: dem Heiligen Martin von Tours. Anlässlich des 1700. Geburtstags des Schutzpatrons der Armen und Bettler haben wir die wichtigsten Fakten und Bräuche rund um den Martinstag zusammengestellt.

Sankt Martin

Der Heilige Martin von Tours kam im Jahr 316 nach Christus im heutigen Ungarn zur Welt. Schon als Jugendlicher schloss er sich dem römischen Heer an. Während seiner Dienstzeit in Frankreich kam es an einem bitterkalten Wintertag vor dem Stadttor von Amiens zu einer Begegnung mit einem Bettler. Dieser bat den römischen Soldaten um eine Gabe. Wie die Legende besagt, griff Martin zu seinem Schwert, teilte seinen Mantel und reichte eine Hälfte dem Bettler. Später fand Martin zum christlichen Glauben und wurde zum Bischof von Tours ernannt.

Verehrung

„Anders als viele Bischöfe ist Martin dem Prunk, den das Amt mit sich bringt, nicht erlegen“, sagt Michael Ritter, Brauchtumsexperte des Bayerischen Landesvereins für Heimatpflege. „Er lebte ein vorbildlich asketisches Leben.“ Deshalb und wegen seines Einsatzes für die Armen habe ihn das Volk derart verehrt, erklärt Ritter: „Martin von Tours hat das christliche Ideal verkörpert.“

Heiligsprechung

König Chlodwig I. erhob Martin von Tours posthum zum Nationalheiligen und zum Schutzpatron des fränkisch-merowingischen Volkes. Aufgrund der Größe des damaligen Frankenreichs verbreitete sich der Brauch der Martins-Verehrung schon früh in weiten Teilen Mitteleuropas, erzählt Ritter. Sankt Martin ist unter anderem der Schutzpatron der Reisenden, Armen, Bettler und Reiter.

Gedenktag

Gestorben ist der Heilige Martin im Jahr 397 zwar schon am 8. November, gedacht wird seiner allerdings drei Tage später. Denn am 11. November wurde der Bischof im französischen Tours beigesetzt. Brauchtumsexperte Ritter vermutet, dass sich jener Tag schon im Frühmittelalter als Martinstag etabliert hat. Mit zahlreichen Bräuchen ehrt man den Heiligen am 11. November. „Einige Martinsbräuche stammen nachweisbar aus dem 16. oder 17. Jahrhundert“, sagt Ritter. Für ihn steht fest: „Sankt Martin ist neben dem Nikolaus die interessanteste Brauchtumsfigur, die wir kennen.“

Feuer

Zu den ältesten Bräuchen zählt das Martinsfeuer. Dass eben jenes allerdings auf vorchristliche Feuerbräuche der Germanen zurückzuführen ist, hält Michael Ritter für reine Spekulation. „Einen nachweislichen Hintergrund gibt es nicht.“ Für den Brauchtumsexperten steht das Martinsfeuer eher in Verbindung mit einer Bibel-Stelle aus dem Neuen Testament: Dem Gleichnis vom Licht unter dem Scheffel. Dies besagt, man solle sein Licht, gemeint ist wohl der Glaube, nicht verstecken, sondern in die Welt hinaustragen.

Umzug

Passend dazu tragen die Teilnehmer der Martinsumzüge allesamt Lichter in Form von Laternen oder Fackeln vor sich her. Die Umzüge wiederum gehen laut Ritter zurück auf alte Bräuche, bei denen Kinder und Bedürftige von Haus zu Haus zogen und um Gaben baten. Damals konnten die Schenkenden, so wie der Heilige Martin dem Bettler in Amiens, ihre Nächstenliebe beweisen. Heute sind die Umzüge durch die Dunkelheit eher ein Erlebnis für die Kinder. Vielerorts wird jedoch Geld für gemeinnützige Zwecke gesammelt. Brauchtumsexperte Ritter sagt: „Eine sehr schöne Idee. So bleibt der Gedanke, Bedürftigen zu helfen, erhalten.“

Singen

Früher erinnerten die Kinder bei den Umzügen mit ihren Liedern und Versen an die Barmherzigkeit des Heiligen Martin und wollten somit die potenziell Schenkenden animieren. Auch heute nehmen die Lieder beim Martinssingen noch Bezug auf den Schutzpatron der Armen, immer häufiger werden jedoch auch weltliche Lieder gesungen wie „Ich geh’ mit meiner Laterne“.

Gans

Die wohl kurioseste Legende rankt sich um den Ursprung der Martinsgans, die am 11. November traditionell verspeist wird. Demnach hat sich der Heilige Martin in einem Gänsestall versteckt, als er davon erfuhr, dass er zum Bischof ernannt werden soll. Er erachtete sich schlicht als nicht würdig. Jedoch schnatterten die Gänse dermaßen laut, dass er entdeckt und anschließend zum Bischof geweiht wurde. Brauchtumsexperte Ritter gibt sich da pragmatisch. Er sieht den Zusammenhang St. Martin/Gans eher darin begründet, dass bis Anfang des 20. Jahrhunderts am 11. November die voradventliche Fastenzeit begann und Gänse zu dieser Jahreszeit „die optimale Schlachtreife“ aufwiesen. Ritter sagt: „Die Leute haben es sich noch einmal richtig gut gehen lassen. Die Gänse haben sich angeboten, um üppig und fettig zu schmausen.“

Lesen Sie hier: Debatte um „Laternenfeste“: Wer kennt eigentlich noch St. Martin?

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