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Schlachtszene? Fast. Beim Extremlauf „Braveheartbattle“ in Unterfranken geht’s hart und matschig zur Sache.

Extremlauf „Braveheartbattle“

28 Kilometer Schlamm und Feuer

Münnerstadt – Matsch statt Marathon: Vielen Sportlern reichen 42 Kilometer nicht mehr. Sie gehen lieber in Extremläufen an ihre Grenzen und kämpfen sich durch Matsch, Eiswasser oder Feuer.

Zum Beispiel am Samstag im fränkischen Münnerstadt.

Wer sich durchs Ziel schleppt, ist von Kopf bis Fuß schlammbraun. Von den Schottenröcken der Teilnehmer ist nicht mehr viel zu sehen. Wen wundert’s – 28 Kilometer durch Schlammgruben, über Reifenberge und brennende Hindernisse hinterlassen ihre Spuren. 2900 Menschen sind am Samstag beim „Braveheartbattle“ im unterfränkischen Münnerstadt an den Start gegangen. Sind die alle irre?

Extremläufe wie der in Unterfranken liegen im Trend. „Es geht immer darum, an seine Grenze zu kommen“, sagt der Sportpsychologe Andreas Marlovits von der BSP Business School Berlin Potsdam. „Es geht um die Frage: Kann ich mich gegen einen heftigen Widerstand durchsetzen?“ Ein Marathon, bei dem Sportler rund 42 Kilometer zurücklegen, sei ein eher eintöniger Lauf. „Irgendwann wird das relativ langweilig.“

Der Eintönigkeit entkommen Läufer in Münnerstadt zum Beispiel in einer metertiefen Schlammgrube. Zwar legen sie nur 28 statt 42 Kilometer zurück. Dafür müssen sie aber 50 harte Hindernisse überwinden – etwa Dornenhecken oder einen steinigen Fluss. Durchmogeln kann sich niemand: „Pussylanes“, also einfachere Routen, gebe es nicht, betont Veranstalter Joachim von Hippel.

Stattdessen: viel Schottland-Folklore. Der Münnerstädter Lauf ist nach dem Titelhelden des gleichnamigen Films „Braveheart“ benannt. Vor dem Start lässt von Hippel seine Mitläufer denn auch niederknien und ein Gebet sprechen. Wie im Film.

Überhaupt findet von Hippel: „Dem Läufer muss man etwas bieten. Er sucht die Herausforderung.“ Und die ist groß: Von den 2900 Teilnehmern des „Braveheartbattle“ kamen am Samstag rund 100 nicht ins Ziel – wegen Unterkühlung oder Verletzungen. Auch zwei Knochenbrüche waren dabei.

Teilnehmer müssen einander helfen

Die Fitness, sagt von Hippel, mache bei so einem Rennen nur etwa 40 Prozent aus – der Rest sei Willensstärke. „Jeder Läufer geht für sich durch die Hölle. Aber man kämpft zusammen, um die Strecke zu bewältigen.“ Anders als beim Marathon müssen die Teilnehmer einander bei vielen Extremläufen helfen, um ans Ziel zu kommen.

Bei Untrainierten können die Strapazen aber problematisch werden. Da viele Menschen solche Läufe als Spaßveranstaltung sähen, muteten sie sich zu viel zu, warnt Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule in Köln. Zudem könne der ständige Belastungs-Wechsel auch fitte Teilnehmer stark fordern.

Tatsächlich muten sich unerfahrene Hobby-Athleten oft zu viel zu: Beim „Zugspitzlauf“ starben vor einigen Jahren zwei Teilnehmer an Erschöpfung und Unterkühlung, weitere Läufer mussten ins Krankenhaus. Trotz schlechter Wettervorhersage waren viele der etwa 600 Sportler in kurzen Hosen und T-Shirts zu dem 16,1 Kilometer langen Rennen durch dichtes Schneetreiben auf die 2962 Meter hohe Zugspitze gestartet. Beim nächsten Mal fand er mit einer kürzeren Ausweichstrecke statt – und verlief ohne Zwischenfälle.

„Braveheartbattle“: Wettkämpfe auf schlammiger Strecke

„Braveheartbattle“: Wettkämpfe auf schlammiger Strecke 

„Der Reiz liegt natürlich darin, dass man nicht merkt, wie lange man läuft“, sagt Froböse. „Man hat aufgrund der Abwechslung nicht das Gefühl: Wie lange dauert das noch?“ Als Orientierung: Beim „Braveheartrun“ kam der schnellste Läufer nach zwei Stunden und 18 Minuten ins Ziel.

Um Läufern etwas Neues zu bieten, setzen Veranstalter aber nicht nur auf Schlamm und eiskaltes Wasser: Der Renner ist derzeit auch der sogenannte „Color Run“, bei dem sich Teilnehmer mit Farbe bewerfen und schließlich kunterbunt ins Ziel kommen. Dieser Lauf, der mit fünf Kilometern auch für Ungeübte leicht zu bewältigen ist, findet wegen der großen Nachfrage schon in zahlreichen deutschen Städten statt.

Antonia Lange

„Spartan Race“

heißt der Extremlauf, der am 12. April im Münchner Olympiapark stattfindet. Weitere Informationen gibt’s unter www.spartanrace.com

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