Brenner-Basistunnel rückt näher

München/Innsbruck - Für den Bau des Brenner-Basistunnels ist eine weitere Hürde genommen. Österreich bewilligte 1,3 Milliarden Euro - ein Meilenstein. Doch die Zulaufstrecke durch das bayerische Inntal könnte zum Nadelöhr werden.

Weichen gestellt, Signale auf grün, Licht am Ende des Tunnels - derlei mehr oder weniger elegante Wortspiele beglückten vergangene Woche die österreichische Öffentlichkeit. Anlass: Die Bundesregierung der Alpenrepublik hatte den sogenannten Rahmenplan der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) für die Jahre 2011 bis 2016 genehmigt. Dieser enthält ein umfangreiches Investitionsprogramm für die österreichische Schiene: stattliche 12,8 Milliarden Euro, von denen 1,3 Milliarden allein für den Brenner-Basistunnel reserviert sind. Die Erleichterung jenseits der Zugspitze ist groß: Die Tiroler Regierung, die Bauwirtschaft, die ÖBB, natürlich auch die Tunnelbaugesellschaft bejubeln die über Jahre heiß umstrittene Entscheidung. Nachdem Italien schon im November 4,6 Milliarden fest eingeplant hat und die EU mit rund 800 Millionen Euro einspringen wird, scheint die Finanzierung des Tunnels nun gesichert. Im Jahr 2025 könnte der 55 Kilometer lange Tunnel mit zwei Röhren eröffnet werden.

In Oberbayern wird die Entwicklung mit gemischten Gefühlen verfolgt. „1,3 Milliarden Euro - das ist ein Wort“, sagt die Rosenheimer CSU-Bundestagsabgeordnete Daniela Ludwig. „Hier werden alle Lügen gestraft, die sagten, Österreich werde das nie und nimmer finanzieren.“ Ludwig, die im vergangenen Herbst mit einer Delegation die derzeitigen Baustellen besichtigt hat, hält einen Eröffnungstermin im Jahr 2025 nun für „absolut realistisch“. Nur eines macht ihr Sorgen: die Zulaufstrecke Rosenheim-Kiefersfelden. Sie ist nur zweigleisig. Bürgermeister entlang der schon heute im Schnitt mit 230 Zügen täglich viel befahrenen Route befürchten, dass künftig noch mehr Güterzüge durch ihre idyllischen Dörfer rattern. Nach den Berechnungen der Tunnelbaugesellschaft BBT SE in Innsbruck ist der Tunnel zwischen Innsbruck und Franzensfeste in Südtirol für 400 Züge täglich ausgelegt. Die offene Frage ist nun erstens, ob die zweigleisige Strecke in Oberbayern diese Belastung aufnehmen kann und wenn nein, wie sie ausgebaut werden könnte.

Schon heute, sagt Ludwig, beschweren sich die Bürgermeister über den minimalen Lärmschutz an der Strecke. Der jüngste überprüfte Bedarfsplan für die Schiene enthält zwar einen viergleisigen Ausbau, aber keine Detailplanung. Die Kosten von über 2,6 Milliarden Euro hält Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) zudem für unvertretbar, nachdem „bisher allenfalls geringe Zuschüsse seitens der EU möglich“ sind, wie aus einem Schreiben des Ministers an Daniela Ludwig vom Dezember hervorgeht. Ramsauer will sich jetzt für höhere EU-Zuschüsse einsetzen. Gleichzeitig betont er: „Ich stehe zu der Zusage, dass auf deutscher Seite kein Engpass bei Öffnung des Brenner-Basistunnels entstehen soll.“ Fragt sich nur, wie.

Dirk Walter

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