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Für den Brenner-Basistunnel soll eine Zulaufstrecke gebaut werden. Nicht jeder ist damit einverstanden. Symbolbild.

Deutsch-österreichisches Abkommen

Brenner-Basistunnel: SPD sieht "Grünen Beißreflex"

Rosenheim/Innsbruck - Ein für Freitag geplantes deutsch-österreichisches Abkommen spaltet SPD und Grüne, auch der Bund Naturschutz ist verärgert. Grund: Der Brenner-Basistunnel.

Toni Hofreiter ist leidenschaftlicher Bahnfahrer. Während andere Kollegen gerne den Flieger besteigen, nimmt der Grünen- Bundestagsabgeordnete aus München regelmäßig den Nachtzug auf sich, um nach Berlin zu kommen. Doch an dem Brenner-Basistunnel lässt Hofreiter kein gutes Haar. Die Röhren zwischen Innsbruck und Franzensfeste, höhnt er, werde „hauptsächlich vom Lobbyismus der Bauindustrie vorangetrieben“. Das Projekt beruhe auf falschen Verkehrsprognosen, es mache keinen Sinn.

Auch die für Freitag in Rosenheim angesetzte Unterzeichnung der Ressortvereinbarung durch Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) und seine österreichische Kollegin Doris Bures (SPÖ) kritisiert Hofreiter. Die Vereinbarung ist die Voraussetzung dafür, dass die DB Netz AG mit der Planung der Zulaufstrecke von München-Ost durch das Inntal bis Kufstein beginnen kann. Ramsauer, sagt Hofreiter, opfere hier „ohne Not die bisher vernünftige Position des Bundesverkehrsministeriums, abzuwarten, ob mit dem Bau der Hauptröhren des Brenner-Basistunnels überhaupt begonnen wird“. Außerdem: Die vorhandene zweigleisige Strecke habe „ausreichende Kapazitätsreserven“, der Bau weiterer Gleise sei nicht notwendig.

"Automatischer Beißreflex bei Großprojekten"

Der Bund Naturschutz (BN) äußerte sich ähnlich. „Hofreiter und die Grünen liegen hier völlig neben der Spur“, kontert der Ebersberger SPD-Bundestagsabgeordnete Ewald Schurer. Hier wirke wohl ein „automatischer Beißreflex bei Großprojekten“. Schurer, selbst Mitglied beim BN, lässt am Sinn des Projekts keinen Zweifel zu. Die Verlagerung des Lkw-Verkehrs, der zunehmen werde, lasse sich „ohne einen massiven Ausbau der Zulaufstrecken auf deutscher Seite“ nicht bewerkstelligen. Er erwarte jetzt zügig „vertiefte Planungen“ der Bahn.

2,6 Miliarden Euro Kosten

Bislang existieren nur grobe Vorstellungen. So soll zwischen München-Trudering und Grafing (Kreis Ebersberg) ein 20 Kilometer langer Tunnel mit zwei weiteren Gleisen unter der bestehenden viergleisigen Strecke geführt werden, der einen guten Teil der 2,6 Milliarden Euro Kosten verschlingen würde.

Kritikpunkt aus Rosenheim ist, dass die Strecke westlich an der Stadt vorbei führen soll. Auch der Lärmschutz für die Inntal-Gemeinden ist ein wunder Punkt. Ramsauer hat den Gemeinden einen Planungsdialog versprochen. Auch Simon Lochmann, Sprecher der Tunnelbau-Gesellschaft BBT SE kann Hofreiters Kritik nicht nachvollziehen. An fünf Baustellen werde mit Hochdruck am Brenner-Basistunnel gebohrt. 22 Kilometer Tunnel seien ausgebrochen – es handelt sich um seitliche Zufahrtstunnel sowie den Erkundungsstollen mit sechs Metern Durchmesser. Dies wie Hofreiter als bloßen „Nadelstich ins Gebirge“ einzustufen, sei „ein bisschen untertrieben“.

Dirk Walter

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