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Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer will endlich den Brenner-Zulauf planen.

Brenner-Zulauf: Vier Gleise und ein Riesentunnel

München - In die Diskussion um die Zulaufstrecke zum Brenner-Basis-Tunnel kommt Bewegung. Bundesverkehrsminister Ramsauer will die Zugstrecke im Inntal auf vier Gleise ausbauen. Er verspricht einen „Planungsdialog mit allen Beteiligten“.

Zum sogenannte Planfall 36 liegt bislang nur eine Projektskizze vor. Die Trasse vor allem für Güterzüge von und nach Italien soll von München-Ost durch das Inntal bis Kufstein führen. Geschätzte Kosten: 2,6 Milliarden Euro. Freilich ist die Strecke Gegenstand wilder Spekulationen: Wird die Bahnstrecke nur ertüchtigt oder werden im engen Inntal zwei Gleise neu gebaut – und wenn ja, wo?

Peter Ramsauer versucht, die Gemüter zu beruhigen. Im Herbst werde er mit seiner österreichischen Amtskollegin Doris Bures in Rosenheim eine Ressortvereinbarung unterzeichnen, erklärte der Minister gegenüber unserer Zeitung. Österreich ist der Vorreiter. Die Zulaufstrecke Kufstein-Innsbruck ist schon fast fertig, auch erste Bohrungen für den eigentlichen Brennerbasistunnel laufen – 2026 soll die Röhre fertig sein.

Daher drückt jetzt auch Ramsauer aufs Tempo: Die Vereinbarung ist gleichbedeutend mit einer verbindlichen Absichtserklärung, die Brenner-Zulaufstrecke von München-Ost über die deutsch/österreichische Grenze bis nach Kundl/Radfeld (südlich von Kufstein) in einem „abgestimmten Verfahren“ zu planen und zu bauen. Nächster Schritt wäre es – sofern Ramsauer das nötige Geld auftreibt –, einen Planungsauftrag an die Bahn zu erteilen.

Schon jetzt betont Ramsauer, er werde die Streckenführung nur in einem „Planungsdialog mit allen Beteiligten“ festlegen – Landräten, Bürgermeistern, der regionalen Wirtschaft, der Landwirtschaft und interessierten Bürgern. „Pate hierfür steht der Planungsdialog beim Ausbau der A 8 Rosenheim-Salzburg“, sagte Ramsauer.

Informationen sind offenbar auch notwendig. „Bisher wissen wir gar nichts“, sagt zum Beispiel der Bürgermeister von Grafing (Kreis Ebersberg), Rudolf Heiler. Grafing wäre nach einer Projektskizze, die in dem sogenannten überprüften Schienenverkehrswegeplan enthalten ist, End- bzw. Anfangspunkt eines etwa 20 Kilometer langes Tunnels für zwei neue Gleise. Der Tunnel soll bis München-Trudering führen. Für Heiler bislang eine „abwegige“ Idee. Doch Ramsauer bekräftigte jetzt gegenüber unserer Zeitung, dass Bund und Bahn tatsächlich weiterhin den Tunnel favorisieren: „Die Planungen gehen derzeit von einer Tunnellösung aus. Und dieser Tunnel würde parallel zur bestehenden S-Bahn- bzw. Regionalzug-Strecke verlaufen.“

Am Montag wird Heiler nach Rosenheim fahren, wo die Arbeitsgemeinschaft Transitverkehr zu einer Brenner-Konferenz lädt. Gastgeber ist der Rosenheimer Landrat Josef Neiderhell (CSU), der Bund und Bahn in der Pflicht sieht. „Wir möchten endlich Aussagen, was überhaupt geplant ist“, formuliert sein Büroleiter Oliver Winter. Bislang gebe es „nur vage Aussagen“.

Konkreter wurde Ramsauer nun gegenüber unserer Zeitung. Ab Grafing würden die Gleise auf einer Neubaustrecke, die freilich durch Naturschutzgebiete führen würde, „voraussichtlich Rosenheim westlich umgehen“. Und: „Vom Abschnitt Rosenheim bis Kufstein sind zwei weitere Gleise notwendig.“ Diese Gleise könnten „möglicherweise, aber nicht unbedingt“ parallel zu der jetzigen Trasse geführt werden. Die jetzige zweigleisige Bahnstrecke „nur zu ertüchtigen, ist wenig sinnvoll, da hierdurch nicht die erforderlichen zusätzlichen Kapazitäten geschaffen würden“.

Brisant ist Ramsauers Aussage, weil die heutige Bahnstrecke zum Beispiel in Oberaudorf oder Brannenburg mitten durch den Ort führt und eine Erweiterung um zwei Gleise zumindest an diesen Stellen undenkbar erscheint. Von der Ankündigung Ramsauers zeigte sich der Sprecher des Rosenheimer Landrats denn auch überrascht. „Wir gingen bisher davon aus, dass eine Ertüchtigung der Strecke ausreicht.“

„Da muss es Tunnel geben, anders kann ich mir das gar nicht vorstellen“, kommentiert der Rosenheimer CSU-Landtagsabgeordnete Klaus Stöttner die Aussage seines Parteifreunds Ramsauer. „Eine gemeinsame Lösung gibt es nur, wenn die Gemeinden eingebunden werden.“ Es gibt auch Stimmen, die den ganzen Ausbau für verzichtbar halten. „Eine vernünftige Bedarfsanalyse steht noch aus“, sagt der Grünen-Verkehrsexperte im Bundestag, Toni Hofreiter.

Von Dirk Walter

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