Eine Spielszene aus der bairischen Dialekt-Version des Brettspiels Scrabble
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Die bairische Version des Spiele-Klassikers Scrabble.

Dialekt-Edition gestartet

Brettspiel-Klassiker: Scrabble gibt‘s jetzt auf Bairisch

  • Dominik Göttler
    vonDominik Göttler
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Oachkatzlschwoaf mit dreifachem Wortwert? Dieser Knobel-Jackpot ist jetzt möglich, denn das beliebte Brettspiel Scrabble gibt’s ab sofort auch auf Bairisch. Eine große Gaudi für die ganze Familie – sagt einer, der’s wissen muss.

  • Das Brettspiel Scrabble gibt es nun auch als Bairisch-Edition.
  • Mit dabei: Ein Glossar mit rund 100 erlaubten bairischen Begriffen und diverse Aktionskarten.
  • Ein Scrabble-Experte sagt: Diese Version ist besonders familientauglich.

München – Schon mal von einem „Myxödem“ gehört? Nein? Eigentlich gut so. Denn es handelt sich dabei um eine ziemlich unappetitliche Hautkrankheit. Doch es gibt einen kleinen Kreis von Menschen, die das Myxödem gar nicht erwarten können. Das sind keineswegs absonderliche Masochisten, sondern Scrabble-Spieler. Was für den Pokerspieler der Royal Flush oder den Schafkopfer das Sie ist – für die Wortakrobaten des beliebten Brettspiels ist es der Höchstgewinn, wenn sie einmal im Leben die Buchstaben für diesen Begriff aus dem Beutel ziehen. 34 Punkte bringt das Wort dank seiner seltenen Buchstaben – die Boni auf dem Spielfeld noch nicht mit eingerechnet.

Dank Scrabble-Aktionskarten muss der Spieler auch mal jodeln

Auf alle Hobby-Worttüftler und Scrabble-Profis wartet jetzt neues Knobelfutter mit Lokalkolorit. Denn Scrabble gibt’s nun auch als Dialekt-Edition auf Bairisch. Nach der Kölsch- und der Berliner-Ausgabe wagt der Spielzeug-Konzern Mattel damit die Überschreitung des Weißwurstäquators. Das Besondere an der Bairisch-Edition: Neben sämtlichen Begriffen aus dem Duden wie bei der Original-Version ist hier auch eine von Hersteller getroffene Auswahl von rund 100 bairischen Dialektbegriffen erlaubt. Und um das Brettspiel noch etwas abwechslungsreicher zu gestalten, gibt es zusätzlich Aktionskarten, mit denen etwa Bonuspunkte oder Extrazüge ergattert und Buchstaben geklaut werden können. Dafür muss der Spieler schon mal einen Jodler zum Besten geben oder dreimal hintereinander Oachkatzlschwoaf schnell aussprechen.

Scrabble-Experte Sebastian Herzog

Für den 0815-Bayern sicher kein Problem, doch einer wie Sebastian Herzog könnte daran schon scheitern. Herzog stammt aus Hannover, wofür er nichts kann, aber dafür ist er ein wahrer Scrabble-Fuchs. Der 58-Jährige ist Präsident des Scrabble Verbands in Deutschland, erstellt für die Wochenzeitung „Die Zeit“ das Scrabble-Rätsel, hat für Mattel das deutsche Regelwerk überarbeitet und verbringt seine Zeit am liebsten vor dem Spielebrett. Für Erwachsene kann Scrabble nahezu eine Wissenschaft im Rennen um den größten Wortschatz sein, schließlich sind inklusive Beugung rund 650 000 Begriffe möglich. Die muss man erst mal kennen. Für Kinder hingegen, sagt Herzog, ist es eine ideale Möglichkeit, um spielerisch die Vielfalt der deutschen Sprache und der Grammatik kennenzulernen – und dabei dank der Punkteberechnung auch noch die Grundrechenarten zu verinnerlichen. „Scrabble ist also auch ein Stück weit Bildung“, sagt er. Die Bairisch-Edition hält er für besonders Familienkompatibel, weil dank der Sonderfelder auch die Gaudi (übrigens auch ein erlaubter Begriff) nicht zu kurz kommt.

Ein Glossar für Nicht-Muttersprachler ist mit dabei

Bei der Auswahl der Begriffe hat der Hersteller nach eigenen Angaben auf Vorschläge von bayerischen Bürgern und Sprachexperten zurückgegriffen. So finden sich in der Liste geläufige Dialektbegriffe vom „Diridari“ über den „Schmarrn“ bis zur „Goasmass“ – ein Glossar für Nicht-Muttersprachler inbegriffen. Bei anderen Begriffen wie dem „Landesvadda“ oder „parggn“ (parken) klingt eher das Fränkische als das Altbairische durch. Nicht jede bairische Schreibweise etwa auf den Aktionskarten wirkt dabei immer ganz plausibel – aber hier muss man den Spieleentwicklern wohl zu Gute halten, dass selbst im Freistaat von Dorf zu Dorf Uneinigkeit über die korrekte Aussprache und Orthografie bairischer Begrifflichkeiten herrscht.

Was Scrabble-Profi Herzog am Bairisch-Scrabble besonders schätzt, sind die zusätzlichen kurzen Wörter mit nur drei Buchstaben wie „Bua“, „fei“ oder „mei“. Denn die sind oft die letzte Lösung für ein paar Punkte, wenn das Brett in der Endphase eines Spiels immer voller wird. „Erfahrene Scrabbler kennen alle Wörter mit drei Buchstaben auswendig“, weiß Herzog, der regelmäßig auch bei Scrabble-Turnieren antritt. Sein persönliches Lebensziel im Spielekosmos: Er will irgendwann noch das Wort „Scrabble“ legen – denn das steht seit drei Jahren nun auch im Duden. Bislang ist dieser Glücksgriff aber noch keinem Spieler bei einem offiziellen Turnier gelungen.

Zum Zeitvertreib können alle Zockerfreunde nun also auch auf die bairische Version zurückgreifen (kostet je nach Anbieter zwischen 30 und 40 Euro). Auch hier gibt es Wörter mit hoher Punktzahl. Den „Abbfekuacha“ zum Beispiel. Der reicht mit seinen 25 Punkten zwar nicht ganz an das Myxödem heran. Schmeckt aber besser.

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