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Im Weihnachtspostamt herrscht Hochbetrieb: Leiterin Rosemarie Schotte beantwortet Briefe von Kindern und von Erwachsenen, die ernsthafte Sorgen haben. Es ärgert sie aber sehr, wenn sie jemand für eine kostenlose Sekretärin hält.

Briefe von Erwachsenen: Weihnachtspostamt überlastet

Himmelstadt - Dass das Christkind vor Weihnachten viel Arbeit hat, gehört zum Fest. Aber heuer weiß es nicht, wo ihm der Kopf steht. Hunderte von Erwachsenen legen das Weihnachtspostamt lahm.

Es reicht, sagt Rosemarie Schotte, die Leiterin des Weihnachtspostamt im unterfränkischen Himmelstadt. Dass auch Erwachsene dorthin schreiben, ist nicht neu. Neu allerdings ist, dass sie es mit einer kostenlosen Schreibwerkstatt verwechseln. „Heuer haben die Briefe von Erwachsenen überhand genommen. Wir wollen das nicht mehr“, ärgert sich Schotte. Manche schickten mehrseitige Listen mit Adressen von Bekannten in der Erwartung, die Helfer des Christkinds würden dann schöne Weihnachtskarten für sie schreiben. „Die machen sich gar keinen Begriff davon, was bei uns los ist.“

65 000 Briefe von Kindern an das Christkind haben die 33 ehrenamtlichen Helfer und Rosemarie Schotte heuer bereits beantwortet. Meist mit einem vorformulierten Brief mit individuellen Zusätzen. „Leider vergessen immer noch viele Kinder den Absender“, bedauert Schotte. Persönlich beantwortet sie auch die Post von Erwachsenen, die dem Christkind ihre Probleme schildern. „Wir bekommen etwa zehn Briefe täglich von Menschen, die ihr Herz ausschütten wollen. Meist geht es um finanzielle oder familiäre Probleme oder um Sterbefälle.“ Jedem Einzelnen schreibt sie zurück, „auch wenn mich das oft selbst sehr mitnimmt“, in Einzelfällen rät sie zu professioneller Hilfe.

Die Briefe von Erwachsenen aber, die das Postamt als Schreibwerkstatt zweckentfremden wollen, bleiben unbeantwortet. Trotzdem sind sie ein Ärgernis, weil sie Zeit stehlen. „Jeder Brief wird geöffnet und von zwei Personen gelesen“, sagt Schotte.

Dabei macht es Rosemarie Schotte und den 33 ehrenamtlichen Helfern viel Freude, die Weihnachtspost von Kindern zu beantworten: „Die Kinderbriefe sind sehr niedlich.“ Manche aber auch etwas traurig, weil die Kinder dem Christkind ihre Sorgen erzählen. Wie der Bub, der nach der Trennung seiner Eltern wegen eines „blöden Richters“ seinen Bruder nur noch alle zwei Wochen sehen kann. Oder das Mädchen, das heuer auf Geschenke verzichten muss, weil die Eltern kein Geld mehr haben.

Das Weihnachtspostamt in Himmelstadt – das einzige in Bayern – gibt es seit 1986. 1994 übernahm Rosemarie Schotte die Leitung. „Damals bekamen wir 20 000 Briefe, heuer sind es bestimmt drei Mal so viele. Das hat sich enorm gesteigert“, sagt Schotte. Zum Teil sei sie wohl selbst schuld daran, gibt sie zu. Weil sie sich so viel Mühe gibt und die Antwortbriefe des Christkinds also immer schöner und deshalb auch immer begehrter werden.

Susanne Sasse

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