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Lange Anfahrtszeiten, viele Fehlalarme: Der BRK-Rettungsdienst kämpft mit vielen Problemen.

Übergriffe und Notrufe nehmen zu

BRK-Abteilungsleiter im Interview: „Irgendwann können wir nicht mehr“

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Das BRK hat mit vielfältigen Problemen zu kämpfen. Neben den zunehmenden Einsätzen kommt es immer häufiger zu Übergriffen gegen die Rettungskräfte. Abteilungsleiter Thomas Stadler bezieht im Interview Stellung.

München - Die bayerischen Rettungsdienstleiter haben sich am Dienstag in Nördlingen getroffen, um darüber zu sprechen, wie sie sich für die Zukunft aufstellen und mit den aktuellen Herausforderungen umgehen können. Davon gibt es jede Menge, berichtet der BRK-Abteilungsleiter Thomas Stadler. Die Einsatzkräfte kämpfen mit längeren Anfahrtswegen, Fehlalarmen - und immer häufiger auch mit Angriffen und Beschimpfungen. Aktuell müsse der Rettungsdienst alle Probleme allein abfangen, betont Stadler.

Wie hat sich der Alltag im Rettungsdienst verändert?

Stadler : Die Situation ist für uns gerade sehr angespannt. Zum einen, weil die Einsatzzahlen in den vergangenen Jahren stark gestiegen sind - das liegt an der älter werdenden Bevölkerung. Aber auch daran, dass die Transportwege länger werden. Denn viele Krankenhäuser schließen oder spezialisieren sich. Die längeren Wege binden unsere Kapazitäten - und die fehlen dann für die tatsächliche Notfallversorgung. Gegengesteuert wird erst nach Jahren, wenn es neue Gutachten gibt.

Wird der Notruf leichtfertiger gewählt?

Stadler : Ja, es gibt viele Einsätze, die nicht in den Rettungsdienst gehören, sondern in die ambulante oder stationäre Versorgung. Es kommt zum Beispiel häufiger vor, dass Patienten vom Krankenwagen ins Krankenhaus gefahren werden möchten, aber eigentlich auch auf anderem Weg dorthin kommen könnten. Wir haben unsere Kooperation mit der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) inzwischen intensiviert. Damit nach Notrufen besser abgestimmt wird, wer zuständig ist. Denn den Anrufern ist oft gar nicht bewusst, dass sie eigentlich kein Fall für den Rettungsdienst sind.

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Hinfahren müssen Ihre Leute in den meisten Fällen aber trotzdem.

Stadler :

Ja, oft haben wir keine Chance, das im Vorfeld richtig zu beurteilen. Obwohl die Disponenten in der Leitstelle natürlich versuchen herauszufinden, ob es sich um einen echten Notfall handelt. Aber wenn jemand beispielsweise sagt, er bekomme kaum noch Luft, wird immer ein Rettungswagen geschickt. Finanziell macht das für uns keinen Unterschied, das BRK wird vorhaltig finanziert, das heißt, wir verdienen nicht an einzelnen Einsätzen. Aber unsere Rettungskräfte stehen dann nicht für Patienten zur Verfügung, die uns dringend brauchen. Das ist das große Problem.

Unsere Leute müssen geschützt werden: Thomas Stadler ist Abteilungsleiter beim BRK.

Wie angespannt ist die personelle Situation?

Stadler :

Das ist von Kreisverband zu Kreisverband sehr unterschiedlich. Einige tun sich sehr schwer, ihre Fahrzeuge jeden Tag zu besetzen. Irgendwie gelingt es letztendlich immer - aber es fallen viele Überstunden an. Dafür müssen wir Lösungen finden.

Was können Sie tun?

Stadler

Wir müssen über eine andere Dienstplangestaltung diskutieren. Aber auch bei der Zusammenarbeit der Kreisverbände können wir vielleicht noch nachbessern, um uns gegenseitig zu entlasten. Die Berufe im Rettungsdienst sind sehr attraktiv, das müssen wir auch auf dem Arbeitskräftemarkt darstellen.

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Wie sehr machen Ihnen Übergriffe auf Rettungskräfte zu schaffen?

Stadler

Das Thema ist bei unseren Einsatzkräften immer präsent. Die Fallzahlen sind nicht hoch - vergangenes Jahr gab es bayernweit 150 Fälle von Gewalt bei Einsätzen. Manchmal waren es verbale Angriffe, manchmal Drohungen oder Übergriffe. Daneben gibt es aber sicher einige Fälle, die nicht gemeldet wurden. Und jeder einzige Vorfall ist natürlich ein Fall zu viel. Unsere Leute müssen geschützt werden.

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Wird es für Sie wegen der Vorfälle schwieriger, Ehrenamtliche zu finden?

Stadler

Nicht so sehr wegen der Gewalt gegen Einsatzkräfte. Eher, weil es für unsere Kräfte wegen der gestiegenen Anforderungen in ihrem Beruf immer schwieriger wird, sich nebenher ehrenamtlich zu engagieren.

Wie sieht die Zukunft des Rettungsdienstes in Bayern aus?

Stadler

Wenn alle Beteiligten, also Politik, Verwaltung, Kostenträger und Rettungsdienst, an einem Strang ziehen, blicke ich optimistisch in die Zukunft. Dann werden wir alle Herausforderungen stemmen können. Aber aktuell muss der Rettungsdienst alle schwierigen Entwicklungen im Gesundheitswesen abfangen - egal ob es um die Hausarztsituation oder die Krankenhausschließungen geht. Irgendwann können wir nicht mehr.

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Interview: Katrin Woitsch

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