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Kleiner Lebensretter: Der Norfallarzt Florian Meier (r.) zeigt BRK-Präsident Theo Zellner (Mitte) und BRK-Landesgeschäftsführer Leonhard Stärk (l.) das „Nida-Pad“.

Telemedizin kann Leben retten

BRK: Kliniken müssen digital aufrüsten

Miesbach - Per „Telemedizin“ lassen sich Patientendaten aus dem Rettungswagen an eine Klinik übermitteln. Das kann Leben retten. Das BRK sieht noch Aufrüstungsbedarf bei Krankenhäusern – vor allem auf dem Land.

Das tellergroße Ding macht optisch nicht viel her, aber es kann den Unterschied zwischen Leben und Tod ausmachen. Denn im Ernstfall spart das „Nida-Pad“ viel Zeit. Mit ihm lassen sich wichtige Patientendaten wie Blutdruck oder Herzfrequenz noch aus dem Rettungswagen in die Klinik senden. „Besonders bei Herzinfarkten oder beim Schlaganfall ist es immer ein Wettrennen mit der Zeit“, sagt Dr. Florian Meier. „Je mehr Fakten wir im Vorfeld klären können, desto besser ist es für den Patienten.“

Meier ist Notarzt und stellvertretender Landesarzt des Bayerischen Roten Kreuzes. Er weiß aus eigener Erfahrung, wie sinnvoll die „Telemedizin“ ist. Trotzdem ist sie in Bayern noch nicht flächendeckend verbreitet. Das BRK bemängelt das – und mahnt die Kliniken, nachzurüsten.

Nur 32 Krankenhäuser sind angeschlossen

„Bisher sind nur 32 Krankenhäuser in Bayern an das System angeschlossen“, sagte BRK-Landesgeschäftsführer Leonhard Stärk am Freitag in Hausham (Kreis Miesbach). Die 1250 BRK-Rettungsfahrzeuge seien dagegen alle für die Übertragung ausgerüstet. Laut BRK-Präsident Theo Zellner ist das einmalig in Deutschland.

Das Pad funktioniert relativ einfach: Es fragt nach einem definierten Protokoll wichtige Patientendaten ab und übermittelt sie per mobilem Breitband. Neben den Vitalwerten erfasst es auch Angaben darüber, wann und wie sich etwa ein Unfall zugetragen hat, ob ein Patient Medikamente einnimmt oder ob er Allergien hat. Sogar Fotos von Verletzungen lassen sich übertragen.

Forderung: Technik flächendeckend einführen

Das BRK will sich nun dafür stark machen, die Technik flächendeckend einzuführen. Die Kreisklinik Agatharied in Hausham, die auch als Lehrkrankenhaus der Ludwig-Maximilians-Universität in München dient, soll schon bald über die Technik verfügen.

Das ist auch dringend nötig, gerade im ländlichen Raum. „Bei uns im Landkreis Miesbach, in dem wir nur ein zentrales Krankenhaus haben, müssen auch lange Rettungsstrecken in Kauf genommen werden“, sagte BRK-Kreisgeschäftsführer Robert Kießling. „Die dauern. Und dann können wir uns die 15 Minuten für die Übergabe eigentlich gar nicht mehr leisten.“

Auch deshalb hat Kießling nicht nur die vier regulären Rettungsfahrzeuge im Landkreis Miesbach ausgestattet. Er möchte auch die Fahrzeuge mit den ehrenamtlichen Mitarbeitern ausstatten lassen. Das bedeutet für Miesbach Investitionen in Höhe von 100.000 Euro für Technik und Schulungen. „Ein überschaubarer Aufwand. Aber ein riesengroßer Gewinn.“

Alexandra Korimorth

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