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Wo Vergangenheit und Gegenwart verschmelzen: Die Allerheiligen-Hofkirche in der Münchner Residenz ist ein Baudenkmal, das dem neuen bayerischen Generalkonservator Mathias Pfeil besonders gefällt.

Bayerns neuer Generalkonservator

Brückenbauer in die Vergangenheit

München - Bayern hat ab März einen neuen Generalkonservator: Mathias Pfeil. Die Spuren aus der Vergangenheit faszinieren ihn schon seit vielen Jahren. Nun will der 52-Jährige sein neues Amt nutzen, um andere mitzureißen.

Es gibt Orte in Bayern, an denen ist Mathias Pfeil machtlos. Dort kann er gar nicht anders als hemmungslos ins Schwärmen geraten. Die Allerheiligen-Hofkirche in der Münchner Residenz ist so ein Ort. Hier überkommt ihn die Bewunderung jedes Mal. „In dieser Kirche begegnen sich Vergangenheit und Gegenwart“, sagt er. „Mitten in München.“ Die Spuren des Zweiten Weltkriegs sind an den Wänden im Kirchenraum und an der Außenfassade noch sichtbar. Die alte Bausubstanz wurde bewahrt und behutsam geschlossen. Regelmäßig finden in der Hofkirche Veranstaltungen statt. Genau so sieht für Mathias Pfeil ein perfektes Denkmal aus: Ein Ort, an dem die Vergangenheit sichtbar ist, aber an dem das Leben weitergeht. An dem Alt und Neu miteinander verschmelzen.

Ab März ist der 52-Jährige Bayerns oberster Denkmalschützer. Er tritt die Nachfolge von Egon Johannes Greipl an, der 14 Jahre lang für Bayerns Erbe gekämpft hat. Mathias Pfeil bekam die Nachricht, dass er für das Amt ausgewählt wurde, wenige Tage vor Weihnachten. „Es war wie ein Traum“, erzählt er. Herausforderung und Ehre zugleich. „Mit der Denkmalpflege ist eine riesige Verantwortung verbunden.“

Pfeil ist studierter Architekt und hat bereits die vergangenen acht Jahre Denkmäler betreut. Er war Leiter der Bauabteilung der Bayerischen Schlösserverwaltung. „Dazu gehören mehr als 900 denkmalgeschützte Gebäude – vom großen Schloss bis zum kleinen Nebengebäude“, sagt er. Es sind Baudenkmäler, die täglich von hunderten Touristen besucht werden. „Diese Arbeit hilft mir sicher für meine neue Aufgabe“, sagt Pfeil. Aber mit dem Amt des bayerischen Generalkonservators kommen auch neue Herausforderungen auf ihn zu. Bodendenkmäler zum Beispiel. Mit dem Erbe unter der Erde hatte Pfeil bisher nicht zu tun. „Es ist faszinierend“, sagt er. „Eine unverfälschtere Darstellung unserer Geschichte gibt es nicht.“

Mathias Pfeils großes Ziel ist es, den Bürgern den Wert von Denkmälern zu vermitteln, sie dafür zu begeistern, vielleicht mit Fortbildungsveranstaltungen, kündigt er an. „Denkmäler stiften Identität“, sagt er. Sie sind ein unschätzbares Geschenk, findet Pfeil. Besonders für junge Menschen, die kaum noch Zeitzeugen kennen. Denkmäler machen die Vergangenheit sichtbar, helfen sie zu begreifen. Und sie schaffen Heimatgefühl.

Die vergangenen Jahre hat er oft beobachtet, welche Wirkung die Königsschlösser auf die Besucher haben – eine Faszination, der sich kaum jemand entziehen kann. Pfeil kann sich das erklären. „Ludwig II. hat Träume gebaut“, sagt er. Der Märchenkönig hat sich ein Denkmal gesetzt, in dem er ein Stück von sich selbst eingefangen hat. Von so etwas träumt Mathias Pfeil nicht. Er braucht kein gebautes Denkmal, das eines Tages an ihn erinnert. Für Menschen sind Erinnerungen die schönsten Denkmäler, findet er. Aber er ist stolz, dass er durch seine neue Aufgabe einen kleinen Beitrag leisten kann, um ein Stück bayerische Vergangenheit zu bewahren. „Damit werden wir nie fertig“, sagt er. „Jede Generation erzeugt ihre eigenen Denkmäler, die wir erhalten müssen.“

Noch hat Mathias Pfeil sein Büro im Landesamt für Denkmalschutz nicht eingerichtet. Die Zeit bis Ende Februar will er nutzen, um sich überall vorzustellen, um erste Kontakte zu knüpfen. Und seine Arbeit in der Schlösserverwaltung abzuschließen. Vielleicht wird er noch etwas Kraft tanken für die neue große Aufgabe, die auf ihn zukommt. Beim Malen oder Fotografieren – seinen beiden größten Hobbys. Wahrscheinlich werden es alte Gebäude sein, die Pfeil mit Pinsel oder Kamera festhält. Und wahrscheinlich wird er dabei wieder ins Schwärmen geraten – ganz im Stillen, für sich allein. Das tut er tagtäglich. Egal, wo er ist. Es ist die beste Voraussetzung, um mitzureißen. Um den Bayern eine Brücke in die Vergangenheit zu bauen.

Von Katrin Woitsch

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