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So soll es sonntags nicht zugehen: Während manche Lkw-Fahrer nach der Umstellung auf das neue Punktesystem verstärkt mit Einsätzen an Sonn- und Feiertagen rechnen, erwartet die Autobahnpolizei wegen höherer Bußgelder wenig Zuwachs.

Keine Punkte mehr bei Fahrverbots-Verstoss

Droht ein Brummi-Ansturm auf den Sonntag?

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München - Künftig rollen mehr Lastkraftwagen an Sonn- und Feiertagen über Bayerns Straßen – befürchten zumindest Kritiker nach der Umstellung auf das neue Punktesystem in Flensburg.

Seit 1. Mai gilt es: Das neue Punktesystem in Flensburg. Für viele Verstöße müssen Autofahrer jetzt mehr Bußgeld zahlen, anstelle der bisherigen Skala von ein bis sieben Punkten gibt es nun einen, zwei oder drei Punkte – je nach Schwere des Vergehens. Und: Für manche Vergehen gibt es gar keine Punkte mehr. Beispielsweise für Brummifahrer, die sich nicht an das Sonntags-Fahrverbot halten. Experten befürchten nun, dass dies viele Lastwagenfahrer ausnutzen werden. Der Familienausflug zum See oder zu Verwandten – müssen wir nun bald am Sonntag verstärkt hinter schleichenden Lastern herzuckeln?

Tatsache ist: Bisher bekamen Lkw-Fahrer, die sich nicht an die Regelung hielten, einen Punkt in Flensburg und eine Geldbuße von 75 Euro. Nun gilt: Kein Punkt – dafür müssen aber 120 Euro bezahlt werden. „Das ist aber im Gegensatz zum Punkt nicht schlimm“, erklärt ein Lastwagenfahrer, der namentlich nicht genannt werden will, gegenüber der „tz“. „Dieses Bußgeld übernimmt eh die Spedition. Zudem zahlen viele Firmen Boni von mehreren hundert Euro, wenn man die angeforderte Ladung schneller liefert als vereinbart.“ Heißt: Der Verlust durch das Bußgeld ist schnell wieder reingeholt – „wenn man überhaupt erwischt wird“.

Für Sonntagsfahrer im Zwölf-Tonner gibt es mittlerweile also keinen Punkt mehr. „Nein, weil das Vergehen keine direkte Gefährdung des Straßenverkehrs darstellt“, erklärt der Sprecher des Bundesverkehrsministeriums. Besonders auch Trucker aus dem Ausland, die zu Tausenden die Straßen Bayerns jeden Wochentag füllen, dürfte dies freuen. Für sie war das Fahrverbot in Deutschland ein Graus – diese Furcht hat sich nun erledigt. Daher wurden Vermutungen laut, dass einige Fahrer nun häufiger am Wochenende losfahren.

Damit rechnet man bei der Autobahnpolizei in Holzkirchen hingegen nicht. „Ich glaube nicht, dass in Zukunft mehr Lkw-Fahrer sonntags unterwegs sind, weil die Bußgelder kein Pappenstil sind“, sagte Adolf Rank gestern gegenüber unserer Zeitung. „Was das Bußgeld in diesem Fall angeht, waren wir in Deutschland der billige Jakob. Jetzt ist es eher abschreckend.“ Zudem hat Rank zufolge das Gros der Lkw-Fahrer, die sonntags unterwegs sind, eine Sondergenehmigung. „Daran halten sich die Großen in der Regel“, erklärt er. Groß, das heißt ein 40-Tonner. Kleintransporter, häufig auch aus dem osteuropäischen Raum, verstoßen derweil öfter gegen das Fahrverbot – sie versuchen es zumindest. Dass diese die neue Regelung verstärkt ausnutzen, befürchtet die Autobahnpolizei jedoch ebenso wenig.

Armin Geier und Marc Lamberger

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