Prozess in Kempten

Brutaler Mordversuch: Mann bestreitet Tat

Kempten - Weil sie sich von ihm trennen wollte, hat ein Mann mehrfach versucht, seine Lebensgefährtin zu töten. Zum zweiten Mal steht er nun wegen Mordversuchs vor Gericht.

Wegen versuchten Mordes an seiner ehemaligen Lebensgefährtin muss sich ein Mann zum zweiten Mal vor dem Landgericht Kempten verantworten. Der Bundesgerichtshof hatte das erste Urteil aufgehoben. Damals wurde er wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt. Wie im ersten Prozess vor einem Jahr hat der heute 38-Jährige aus dem Ostallgäu zu Beginn der Verhandlung am Mittwoch die Tat bestritten. Die Frau dagegen schilderte unter Tränen, wie ihr Ex-Freund versucht habe, sie auf verschiedene Arten zu töten. „Er war total irre. Und er hat dabei immer wieder gegrinst - als würde es ihm Spaß machen“, sagte die 29-Jährige.

Der Angeklagte war im Juli 2012 vom Landgericht Kempten wegen gefährlicher Körperverletzung mit Freiheitsberaubung, versuchter Nötigung und Urkundenfälschung zu sieben Jahren Haft verurteilt worden. Vom Vorwurf des versuchten Mordes war das Gericht abgewichen. Es war der Überzeugung, dass der Angeklagte freiwillig von seinem Tun abgelassen hat.

Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe hob dieses Urteil hinsichtlich der gefährlichen Körperverletzung mit Freiheitsberaubung auf und folgte damit dem Revisionsantrag der Staatsanwaltschaft. Die hatte für den Angeklagten lebenslange Haft wegen Mordversuchs gefordert. Nach Ansicht der BGH-Richter war nicht erwiesen, dass der Mann seine Tötungsabsicht aus freien Stücken aufgab.

Die Anklage wirft dem Mann vor, in einer Nacht im August 2011 die Frau in der gemeinsamen Wohnung in Germaringen an Händen und Füßen gefesselt und dann versucht zu haben, sie zu töten. Er habe ihr zunächst einen Schädel- und dann einen Genickbruch zufügen wollen und schließlich versucht, sie mit einem Handtuch zu ersticken.

Die Frau, die in dem Prozess als Nebenklägerin auftritt, erzählte von ihrem Kampf und ihrer Todesangst. „Irgendwann habe ich aufgehört, mich zu wehren und gehofft, dass es schnell vorbei ist.“ Erst nach Stunden der Misshandlung habe er von ihr abgelassen. Aus dem Haus ließ er sie erst gehen, nachdem sie ihm aus Angst um ihr Leben das Sorgerecht für den gemeinsamen, damals knapp zweijährigen Sohn versprochen hatte.

Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft hat der Mann aus Wut über die Trennungsabsichten der Frau und aus Habgier gehandelt. Nach dem Entschluss, sie zu töten, habe er mit gefälschter Unterschrift eine Lebensversicherung für sie abgeschlossen, die ihm im Fall ihres Todes 500 000 Euro eingebracht hätte. Ihren Tod habe er als häuslichen Unfall arrangieren wollen. Für den Prozess sind zunächst zwei weitere Verhandlungstage angesetzt.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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