Kinder abseits der Piste unterwegs

Bub per Hubschrauber gerettet

Wildschönau/Augsburg – Es war ein Skitag, den der achtjährige Leon so schnell nicht vergessen wird. Der Bub aus Augsburg ist mit einem Rettungshubschrauber ins Tal geflogen worden. Er und eine Freundin hatten sich abseits der Piste verirrt.

Eines steht fest: Leon wird nach den Faschingsferien mit der besten Geschichte zurück in die Schule kommen. Das Abenteuer, das er beim Skiurlaub mit seinen Eltern in Wildschönau in Tirol erlebt hat, wird für seine Mitschüler schwer zu toppen sein. Der Achtjährige ist mit einem Hubschrauber aus einem Graben an einem Steilabbruch gerettet worden. An einem 60 Meter langen Tau.

Der Bub aus Augsburg ist mit seinen Eltern und einer befreundeten Familie im Skiurlaub. Mit der 15-jährigen Viktoria ist Leon abseits der Piste unterwegs, er auf Skiern, sie auf dem Snowboard. Beide Kinder fahren durch eine Waldschneise zurück ins Tal – und verfahren sich. Das Mädchen verliert in dem felsdurchsetzten Gelände ihr Snowboard, es rutscht einige Meter bergabwärts. An einer Stelle, wo im Sommer ein kleiner Wasserfall zwölf Meter nach unten plätschert. Die beiden Augsburger klettern dem Snowboard vorsichtig hinterher. Erst als sie es im tiefen Schnee gefunden haben, merken sie, dass sie weder weiter nach unten, noch wieder zurück kommen. Überall sind steile Böschungen. Sie sitzen fest und rufen laut um Hilfe. Ein 42-jähriger Skifahrer, der gerade im Lift bergabwärts fährt, hört die Schreie der Kinder und informiert im Tal sofort die Bergrettung.

Leons Vater ist froh, dass die Kinder so vernünftig waren und nicht versucht haben, weiter durch das felsige Gelände zu klettern. „Sie haben alles richtig gemacht“, sagt er. Leon und Veronika versuchen, sich gegenseitig Mut zu machen, während sie auf Hilfe warten. „Sie haben Lieder gesungen“, erzählt der Vater. Als der Hubschrauber da ist, lassen sich zwei Bergretter an einem 60 Meter langen Tau zu den Kindern runter – die einzige Möglichkeit, die beiden aus dem steilen Abhang zu retten. Gemeinsam mit den beiden Männern werden Leon und Viktoria am Seil gesichert und etwa 100 Meter weiter zur Talstation geflogen. Dort warten bereits die besorgten Eltern. „Mir geht’s gut, macht Euch keine Sorgen“ – mit diesem Satz begrüßt Leon seine Familie. Für den Achtjährigen war die Bergrettung ein großes Abenteuer. Seine Eltern sind erleichtert, dass alles so glimpflich ausgegangen ist. „Die Kinder waren zum Glück nie in größerer Gefahr.“

Einen Tag später schnallt Leon bereits wieder seine Skier an. Diesmal ist er in Begleitung seines großen Bruders unterwegs – und nur auf der ausgeschilderten Piste.

Katrin Woitsch

Rubriklistenbild: © dpa

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