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Die Verteidigung fordert nur neun Jahre Haft für den Augsburger Kinderarzt. Er steht wegen Kindesmissbrauch vor Gericht.

Prozess um Kinderarzt in Augsburg

21 Buben missbraucht: Verteidigung fordert höchstens neun Jahre Haft

Augsburg - Die Staatsanwaltschaft will nach dem Missbrauch von 21 Buben einen Kinderarzt für immer wegsperren. Die Verteidiger halten dagegen höchstens neun Jahre Gefängnis für richtig.

Nach dem sexuellen Missbrauch von 21 Buben halten die Verteidiger eines Kinderarztes eine Haftstrafe von maximal neun Jahren für angemessen. In dem Prozess vor dem Augsburger Landgericht verlangten die zwei Rechtsanwälte in ihrem Plädoyer am Freitag zudem, dass gegen den 41-Jährigen keine Sicherungsverwahrung verhängt wird. Stattdessen sollte der pädophile Angeklagte zur Therapie in eine forensische Klinik eingewiesen werden. Die Verteidiger gehen davon aus, dass der Mann wegen seiner Veranlagung vermindert schuldfähig ist.

Die Staatsanwaltschaft sieht dies nicht so und hatte am Donnerstag eine Gefängnisstrafe von 14 Jahren und sechs Monaten und die anschließende Sicherungsverwahrung des Angeklagten gefordert. Staatsanwältin Maiko Hartmann nannte ihn einen „äußerst gefährlichen“ Serientäter, der sich sonst künftig wieder an Jungen vergehen könnte. Das Urteil wird am kommenden Donnerstag verkündet.

Verteidiger Moritz Bode kritisierte in seinem Schlussvortrag, dass die Staatsanwaltschaft mit ihrer Forderung nur ganz knapp unter der Höchststrafe von 15 Jahren blieb. Er betonte, dass der Mediziner ein „werthaltiges Geständnis“ abgelegt habe und so den Opfern eine Zeugenaussage vor Gericht erspart habe.

Prozess um Kinderarzt: Eine tränenreiche Entschuldigung

Die Anwälte sagten, dass ihr Mandant noch einmal eine Chance verdient habe und auch daher die Verwahrung der falsche Weg sei. Der Kinderarzt hatte bereits seine Approbation zurückgegeben, ihm droht nun auch noch ein lebenslanges Berufsverbot. „Er hat alles verloren, was er hatte“, sagte Verteidiger Ralf Schönauer.

In seinem letzten Wort entschuldigte sich der 41-Jährige mit tränenerstickter Stimme nochmals für seine Taten. Er wisse, welchen Schaden er bei den Opfern angerichtet habe. Er werde alles dafür tun, sich Hilfe zu holen. Zudem versprach er, sich nicht wieder an Kindern zu vergreifen.

Der Augsburger verging sich auch an Kindern von Bekannten

Der Augsburger hatte rund 15 Jahre lang reihenweise Buben missbraucht. Für Schlagzeilen sorgte die Entführung eines Fünfjährigen im niedersächsischen Garbsen. Der Mann lockte das Kind in sein Auto, betäubte es mit einem Medikament und verging sich an dem Jungen in seiner Zweitwohnung in Hannover. Später setzte er das benommene Opfer an anderer Stelle wieder aus.

Mehrfach hatte der Mann zudem in Augsburg und München Buben angesprochen und in Tiefgaragen oder Keller missbraucht. Auch Taten in seinem Bekanntenkreis gab es. Da er zudem ein leitender Notarzt des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) war, organisierte der Mann unter dem Namen der Hilfsorganisation Ausflüge für Grundschüler. Dabei ging es nach Ansicht der Staatsanwaltschaft ausschließlich darum, weitere Opfer zu finden. Das BRK wusste nichts von diesen Ausflügen.

dpa

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