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Pfarrer und Literat: In Gerhard Gumpingers Roman geht es auch um die Pfarrkirche Mariae Geburt. foto: rohleder

"Unruhig ist unser Herz"

Betrachtungen eines Sterbenden

Rottenbuch - Ein Spätberufener wird zum Priester – und jetzt auch zum Schriftsteller. In seinem ersten Roman beschäftigt sich Pfarrer Gerhard Gumpinger aus Rottenbuch auch mit sich selbst. Das Buch ist aber weit mehr als eine Autobiographie. Und es stellt große, uralte Fragen.

Wenn Pfarrer Gerhard Gumpinger (48) aus Rottenbuch (Kreis Weilheim-Schongau) etwas anpackt, dann hat es Hand und Fuß. Die Gläubigen seines Pfarrverbandes kennen seine mit Herzblut gehaltenen Messen seit zwölf Jahren. Auch seine literarische Erstveröffentlichung hat es in sich, denn „Unruhig ist unser Herz...“ ist weit mehr als eine erbauliche Erzählung. Pfarrer Gumpinger legt zugleich einen Roman, einen Kunstführer und einen Hochglanz-Bildband zu seiner Pfarrkirche Mariae Geburt vor. Er präsentierte sein Buch sogar auf der Frankfurter Buchmesse.

Die Handlung des Romans zieht sich über nur wenige Stunden hin: Ein 53 Jahre alter Pfarrer flüchtet, vom Krebs fast zerfressen, aus der sterilen Kälte eines Krankenhauses in die Rottenbucher Pfarrkirche. Dort lässt er sein bewegtes Leben im Spiegel der Kunstwerke Revue passieren. Dieses Gotteshaus hat für ihn besondere Bedeutung gehabt, vor allem die Deckenfresken, die von Leben und Bekehrung des Heiligen Augustinus erzählen. In dessen Verwandlung vom hochgebildeten aber ausschweifenden Sünder zum tiefgläubigen Kirchenlehrer erkennt der sterbende Pfarrer Parallelen zu seinem eigenen Leben.

Bilder aus dem Leben von Papst Franziskus

Bilder aus dem Leben von Papst Franziskus

Kehrte er sich in der Jugend nicht von Gott und der Kirche ab? War er nicht ein erfolgreicher Macher-Typ, für den Geld über alles ging? Bis diese Brasilianerin in sein Leben tritt, die auch noch streng katholisch ist. Und nichts in seinem Leben behält mehr die bisherige Gewissheit. Nach kurzer, glücklicher Ehe stirbt seine Joana während der Schwangerschaft. Als alles in Trümmern liegt, findet sein Leben eine Neuausrichtung in der Berufung zum Priester. Es läuft auf den Titel des Buches hinaus, der aus den Bekenntnissen des Augustinus stammt: „Unruhig ist unser Herz, bis es Ruhe findet in Dir.“ Heißt konkret: Erst in der Beziehung zu Gott findet der Mensch Frieden.

Auffallend: Wie die namenlose Hauptfigur, so ist auch Pfarrer Gumpinger ein spät berufener Priester. Wie der Protagonist, so war auch er zuvor in der freien Wirtschaft tätig, als Bürokaufmann. Ist dieses Buch also eine Autobiographie? Gumpinger winkt lachend ab: „Zum einen kann ich beweisen, dass ich nie verheiratet gewesen bin. Zum anderen hatte ich in meiner Jugend nie Glaubenszweifel.“ Die kamen erst später, in schweren Stunden, als er mit Not und Leid konfrontiert war. „Und mit denen setze ich mich auch im Buch auseinander.“ Vor allem im Schlusskapitel, als der todgeweihte Pfarrer unvermittelt mit Glaubenszweifeln eines nahestehenden Menschen konfrontiert wird. Kurz vor dem Ende gilt es für ihn, eine überzeugende Antwort auf die Frage zu formulieren: „Wo ist Gott bei all dem Leid in der Welt?“

Bilder: Papst Franziskus begeistert am Zuckerhut die Massen

Bilder: Papst Franziskus begeistert am Zuckerhut die Massen

Wenn man vom Werden des Buches erfährt, fragt man sich schon, wie Pfarrer Gumpinger tiefgründig über solche Themen schreiben konnte. „Entstanden ist es auf dem Laptop am Strand während meiner Sommerurlaube auf Rhodos und auf Kreta. Zugegeben: Da war es nicht immer einfach mich in die sterbende Hauptfigur hineinzuversetzen.“ Für die Zerstreuung hatte er sicherheitshalber Krimis im Reisegepäck.

Ähnlich viel Eifer wie in die Dramaturgie hat Pfarrer Gumpinger in die kunstgeschichtlichen Aspekte des Buches gesteckt. Auch wenn der Roman zu Ende gelesen ist, bleibt das Buch weiterhin hilfreich. Es bleibt ein Kirchenführer, dem es in den Erläuterungen zu den Fotos der Kunstschätze um mehr als um deren intellektuelle Durchdringung geht.

Der Geistliche betont: „Für mich steht immer die Frage im Mittelpunkt: Wo stehe ich mit meinem Leben in diesem Bild?“ Immerhin gehe es doch um ganz existenzielle Fragen. „Die Abkehr von Gott und die Umkehr zu Gott, das sind doch zeitlose Fragen, die auch in unserem Leben top-aktuell sind.“

Gerhard Gumpinger: „Unruhig ist unser Herz...“, Kunstverlag Josef Fink, 160 Seiten, 16,80 Euro.

Franz Rohleder

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