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Buddhistentreffen im Allgäu

Immer mehr Buddhisten in Bayern

München - Mehr als die Hälfte der Bayern ist katholisch. Doch im katholischen Freistaat wächst eine andere Gemeinschaft: Die Buddhisten.

Kardinäle, Kommunion und Kruzifixe - der Katholizismus gehört zu Bayern wie die Brezn zur Weißwurst. Rund 6,9 Millionen Katholiken leben nach Angaben der Deutschen Bischofskonferenz im Freistaat. Damit sind mehr als die Hälfte der Bayern (55,1 Prozent) katholisch. Jeder Fünfte ist Protestant. Aber auch eine andere Glaubensrichtung wird in Bayern immer beliebter: Der Buddhismus.

“In Bayern lebt es sich als Buddhist sehr gut“, sagt Manfred Kessler. Der Münchner ist seit zwanzig Jahren praktizierender Buddhist. Aufgewachsen in einer katholischen Familie war er selbst Ministrant, interessierte sich aber schon früh für “die Möglichkeiten des Geistes“. Mit 14 eröffnete er seiner Mutter, dass er mit dem Katholizismus nichts anfangen könne. “Ich habe die ganze esoterische Laufbahn durch - rauf und runter. Ich habe alles ausprobiert.“ Dann lernte er Ole Nydahl kennen, der heute ein bekannter buddhistischer Lehrer (Lama) ist - und fand zum Buddhismus.

Mittlerweile ist Kessler als buddhistischer Reiselehrer etwa drei Monate im Jahr unterwegs, um auf der ganzen Welt Vorträge zu halten. Zu Hause in Bayern fühlt sich der Leiter einer Internet-Firma sehr wohl. “Buddhisten haben in Deutschland einen guten Ruf“, meint er. Das rühre vermutlich auch daher, dass sie nicht missionierten. “Das widerspräche unserer Philosophie. Man muss sich selbst für den Buddhismus öffnen“, erklärt der 42-Jährige. Einfach bekehrt werden könne man nicht. Genauso wenig könne man ihm ansehen, dass er Buddhist sei. Nur wer ihn näher kenne, wisse, er sei “nicht ganz normal - im positiven Sinne“. Vor allem seine Kollegen spüren - so sagt er selbst - dass er ausgeglichener und belastbarer sei.

Münchens größtes buddhistisches Zentrum

Kessler besucht regelmäßig das Münchner Diamantwegzentrum. Es ist das größte buddhistische Zentrum in München. Gegründet wurde es 1974 von Lama Ole Nydahl. Der Name Diamantweg kommt von der Sanskrit-Bezeichnung Vajrayana (zu Deutsch: “Diamantfahrzeug“), eine der drei Hauptrichtungen des Buddhismus. In den Diamantwegzentren wird die Philosophie der Karma-Kagyü-Linie gelehrt, was übersetzt so viel bedeutet wie “mündliche Übertragung“. Sie basiert auf dem Prinzip von Ursache und Wirkung, dem Karma, wonach jede Handlung eine Folge hat, die sich früher oder später auf ihren Auslöser auswirkt - eine Art Bumerang-Mechanismus. Die zentrale Frage im Diamantweg-Buddhismus: Wie funktioniert der Geist und was kann er?

Im Münchner Zentrum findet an 365 Tagen im Jahr abends eine Meditation statt. Von Zeit zu Zeit gibt es längere Vorträge oder Besuche von Gastrednern. Rund 400 “Schüler“ kommen laut Kessler mehr oder weniger regelmäßig. Bei den Mitgliedzahlen seien zwar keine großen Sprünge zu beobachten, aber es gebe stetigen Zuwachs. “Jede Woche kommen etwa zehn neue Interessierte zu uns“, sagt er. Manche kämen sogar zwei bis drei Jahre lang, ohne Mitglied zu werden. Kein Problem - die Mitgliedschaft ist zwar nicht kostenlos, aber freiwillig.

Rund 250 000 Buddhisten leben in Deutschland

Allein in Bayern gebe es rund zwanzig Diamantwegzentren mit insgesamt etwa 700 Mitgliedern, sagt Kessler. Er schätzt die Zahl der bayerischen Buddhisten, die in Vereinen organisiert sind, auf mehr als 2000; offizielle Statistiken gibt es nicht. Der Buddhismus ist in Deutschland keine rechtlich anerkannte Religionsgemeinschaft und seine Anhänger sind nicht amtlich registriert. Schätzungen zufolge leben in der Bundesrepublik rund 250 000 Buddhisten. Über die Hälfte (130 000) sind Deutsche, die Übrigen kommen überwiegend aus Vietnam und Thailand. Unter dem Dachverband der Deutschen Buddhisten Union (DBU) sind knapp 60 Mitgliedsgemeinschaften organisiert. Bundesweit gibt es mehr als 500 buddhistische Zentren.

Dass die buddhistische Lehre in der westlichen Welt immer beliebter wird, wundert Kessler nicht. “Der Buddhismus ist sehr pragmatisch, das passt gut zum modernen Lebensstil.“ Dass es keine Dogmen gäbe, gefalle Vielen und passe gut zur freien europäischen Gesellschaft und den klaren Gedankenstrukturen der Europäer, meint der 42-Jährige. Außerdem lasse sich die Lehre Buddhas gut mit der Wissenschaft vereinbaren. “Nichts wird einfach geglaubt, es wird überprüft.“

dpa

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