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Bürgermeister Heinz Pollak.

„Bestimmt 140 E-Mails“

Bürgermeister mit ungewöhnlicher Aktion: Großes Echo für Aufruf, nach Waldkirchen zu ziehen

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Anfang des Monats haben wir über das niederbayerische Städtchen Waldkirchen berichtet. Bürgermeister Heinz Pollak (Freie Wähler) hat die Oberbayern aufgefordert, zu ihm zu ziehen.

Seine Argumente: günstige Mieten, Arbeitsplätze, viel Natur und billiges Bier.

Herr Bürgermeister, wie viele Oberbayern sind schon nach Waldkirchen gezogen?

Wir haben sehr viele Anfragen aus ganz Bayern bekommen, nicht nur aus dem Münchner Speckgürtel. 20 Personen haben nach den aktuell freien Stellen gefragt. Zwei oberbayerische Firmen haben nach Gewerbegrundstücken gefragt. Wir hatten viele Anfragen zu Immobilien – von Familien, aber auch von älteren Herrschaften, die ihren Lebensabend hier verbringen wollen. Insgesamt habe ich nach dem Zeitungsartikel bestimmt 140 E-Mails bekommen. Letzten Montag und Dienstag hat das Telefon im Rathaus ununterbrochen geläutet.

Hochbetrieb für Ihre Mitarbeiter im Rathaus.

Für die war es nicht so schlimm. Meine Mitarbeiter haben immer gleich zu mir durchgestellt – und am Telefon gesagt: „Der Verantwortliche für diese Aktion sitzt im ersten Stock.“ Also habe ich stundenlang mit interessierten Neubürgern telefoniert.

Einige Interessierte haben im Ort ein paar Tage Urlaub gemacht

Sie haben die Oberbayern aufgefordert, zum Probewohnen zu kommen. Hat das jemand gemacht?

Es gibt tatsächlich Oberbayern, die letzte Woche drei oder fünf Tage Urlaub bei uns gemacht haben, um sich Waldkirchen genau anzusehen. Aber es gab auch Missverständnisse. Drei Oberbayern haben angerufen und gesagt, dass sie drei Wochen bei uns übernachten wollen. Kostenlos.

Was haben Sie ihnen geantwortet?

Ich habe denen das erklärt. Sie können sehr gerne probewohnen, aber auf eigene Kosten.

Was ist sonst noch passiert seit dem Zeitungsartikel?

Das Bayerische Fernsehen hat über Waldkirchen berichtet, genauso die Lokalzeitung. Gerade war ein Mann bei mir, der schon ein Bewerbungsgespräch bei einer Firma hatte. Ob er die Stelle tatsächlich bekommt und zu uns zieht, das weiß ich nicht.

Gab es auch kuriose Erlebnisse?

Am Wochenende haben mich Gäste aus Rosenheim, die extra wegen des Berichts hergekommen sind, zufällig in unserem Hallenbad getroffen. Sie haben gesagt: „Wir kennen Sie aus der Zeitung. Wir haben uns gerade alles angeschaut, was in dem Artikel stand. Alles hat gestimmt. Nur der Bierpreis von 2,70 Euro für die Halbe stimmt nicht.“ Das Bier sei in Waldkirchen zehn, manchmal sogar 20 Cent teurer, als in dem Artikel stand.

Dann haben Rosenheimer Gäste nicht richtig
geschaut. Beim Gasthaus Meindl mitten am Marktplatz kostet das Helle 2,70 Euro.

Wahrscheinlich waren sie nicht in jedem Wirtshaus von Waldkirchen, aber es zeigt: Unsere Offensive war ein voller Erfolg.

Wie haben die Einheimischen auf Ihre ungewöhnliche Werbemaßnahme reagiert?

Der Großteil findet es super, was ich gemacht habe. Aber es gibt auch welche, die befürchten eine Überfremdung, wenn jetzt die Münchner kommen. Es gibt auch welche, die befürchten steigende Immobilienpreise. Aber das sind Einzelmeinungen. Man muss die Kirche im Dorf lassen. Ich bin sehr zufrieden, wie es gelaufen ist.

Interview: Stefan Sessler

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