Bürgermeister ein Spanner auf der Damentoilette?

München - Vor dem Verwaltungsgericht München geht es um das vermeintlich unsittliche Verhalten eines Bürgermeisters aus Oberbayern. Dem Mann wird vorgeworfen, auf einem Autobahn-Rastplatz einer 26-jährigen Russin nachspioniert zu haben.

Dabei soll er im Januar 2009 auf dem Ratplatz nahe Allershausen (Kreis Freising)  in der Damentoilette einen Kosmetikspiegel in die Nachbarkabine gehalten haben. Als die Frau laut aufschrie, zog er ihn zurück.

Anschließend schlenderte der Täter, der eine schulterlange blonde Damenperücke trug, zurück zu seinem Auto. Dort wartete eine Tramperin auf ihn, die er zuvor mitgenommen und die seinen Wagen gesteuert hatte. Die Russin und ihr Lebensgefährte merkten sich das Kennzeichen und alarmierten die Polizei. Eine Halterabfrage ergab, dass der Wagen einem Politiker gehörte. Im Auto fanden die Polizisten eine Filmkamera und eine CD mit den Aufnahmen einer nackten Frau, die sich gerade die Unterwäsche anzieht. Aufgenommen wurde die Frau durch ein geschlossenes Fenster und den Spalt einer Jalousie. Die Amateuraufnahmen stammten aus dem Jahr 2004. Angeblich handelte es sich bei der Frau um die Nichte (30) des Politikers.

Die Staatsanwaltschaft hatte entsprechende Ermittlungsverfahren rasch eingestellt. Ein Nachweis ließ sich offenbar nicht führen. Unabhängig davon ordnete der für den Bürgermeister zuständige Landrat nur sieben Tage nach dem Vorfall disziplinarische Vorermittlungen an. Kurz darauf wurde die Landesanwaltschaft eingeschaltet. Sie spricht vom Verdacht eines außerdienstlichen Fehlverhaltens und fordert eine Gehaltskürzung. „Heimliches Spannen“ könne öffentlich nicht toleriert werden, hieß es gestern zu Prozessauftakt.

Beim Gerichtstermin machte der Bürgermeister zur Sache keine Angaben. Im Ermittlungsverfahren hatte er lediglich eingeräumt, an besagter Raststätte gewesen zu sein. „Ich war nicht in der Toilette drin“, sagte er. Den Zeugen wurde erstaunlicherweise keine Bilder zur Wiedererkennung gezeigt. Die Russin und ihr Freund hatten sich deutlich vor der Damentoilette postiert, um zu sehen, wer den Raum verlässt. Der Prozess wird am 28. Oktober fortgesetzt.

Angela Walser

Rubriklistenbild: © dpa

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