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Schlagbaum zu Tschechien aufgestellt

Bürgermeister sperrt Grenzübergang

Haidmühle – Der Bürgermeister von Haidmühle hat den Schlagbaum zu Tschechien wieder aufgestellt. Er sei nach einer Einbruchsserie dem Wunsch der Bürger nach mehr Sicherheit nachgekommen. Die tschechischen Nachbarn sind verärgert:

Fritz Gibis versteht die Aufregung der tschechischen Nachbarn nicht. Der 71-jährige Bürgermeister hat in Haidmühle (Kreis Freyung-Grafenau) den Schlagbaum zu Tschechien wieder aufgestellt. „Nicht für die Ewigkeit“, sagt er. Aber bis wieder Ruhe eingekehrt sei. Denn im Sommer hatte es in seiner Gemeinde eine Einbruchserie gegeben – 20.000 Euro Schaden. Und einige Bürger vermuten, die offene Grenze zu Tschechien könnte die Ursache dafür sein. Die Gauner könnten über die kleine Landstraße aus dem böhmischen Nachbardorf Tusset kommen, mutmaßten einige. Polizeibeamte legten sich im ehemaligen Grenzhäuschen auf die Lauer. Zehn Nächte lang. Ohne Erfolg. Dann ergaben die polizeilichen Ermittlungen, dass die Diebe aus der Ukraine oder Polen stammen. Doch die Haidmühler zogen ihren Alleingang trotzdem durch – und stellten den Schlagbaum wieder auf.

Die tschechischen Vertreter, allen voran Pavel Kosmata, ein Funktionär der südböhmischen Eisenbahn, reagierten verärgert. Kosmata schrieb dem Haidmühler CSU-Bürgermeister einen satirischen Brief, welchen er den deutschen und tschechischen Medien zuspielte. Die Schranke solle ruhig bleiben, sie verschone die Tschechen vor „temperamentvollen Jugendlichen und tugendhaften Bürgern, die nur zum Alkohol und Zigaretten kaufen kommen“, schrieb er.

Die Idee, den Schlagbaum wieder aufzustellen, ist an einem Wirtshausstammtisch entstanden. Der Bürgermeister hingegen spricht von einer „kleinen Bürgerversammlung“ – an deren Termin kann er sich allerdings nicht mehr erinnern. Seinen tschechischen Kollegen, den Bürgermeister im sechs Kilometer entfernten Tusset, hat er über geplanten Eingriff an der Grenze nicht informiert, er stellte das böhmische Grenzdorf vor vollendeten Tatsachen. Wer die Schlüssel bekommt, entscheidet allein der Haidmühler Bürgermeister. „Die Feuerwehren und die Rettungsdienste haben einen Schlüssel“, berichtet Gibis. Auch der böhmische Bürgermeister hätte mittlerweile einen. Und natürlich auch das Busunternehmen, welches die Ilztalbahn bedient. Denn der Schlagbaum versperrt die Zufahrt zum Grenzbahnhof von Nové Údolí, der an den Wochenenden von Pendelbussen der Freizeitbahn Passau-Waldkirchen angefahren wird.

Der Schlagbaum war seit dem Beitritt Tschechiens zum Schengener Abkommen im Dezember 2007 im Haidmühler Bauhof gelagert. Seitdem gab es keine Grenzkontrollen mehr. Doch fast scheint es jetzt, als hätten die Haidmühler damals schon geahnt, dass sie den Schlagbaum irgendwann wieder brauchen könnten.

Viele Haidmühler können die ganze Aufregung nicht verstehen. Die Straße sei ohnehin nur für Radler und Fußgänger freigegeben, argumentieren zwei Rentner, die bei ihrem Spaziergang am Schlagbaum vorbeikommen. So argumentierte auch der Bürgermeister – das Verkehrsschild, welches auch Mopeds zulässt, wurde kurzerhand überklebt.

Ein paar Mal wäre der Schlagbaum in der Dunkelheit beinahe zur Unfallursache geworden. „Ich wäre fast dagegen gefahren, weil ich nicht daran gedacht habe“, erzählt ein Haidmühler Radfahrer. Damit die rot-weiß-rote Eisenstange in der Dunkelheit nicht zum gefährlichen Hindernis wird, hat das Landratsamt angeordnet, dass eine Warnleuchte angebracht werden soll. Doch auch die ist bereits von einem österreichischen Radfahrer übersehen worden – das berichtet zumindest ein tschechischer Pensionsinhaber.

Auf der böhmischen Seite des Schlagbaums gibt es ein Hotel, Imbissbuden und Souvenirläden und ein kleines Eisenbahnmuseum. Die Tschechen sind die Leidtragenden. Ihr Bahnhof wurde mit EU-Mitteln gerade behindertengerecht umgerüstet. Doch von bayerischer Seite ist er jetzt für Gehbehinderte kaum noch erreichbar – zumindest nicht per Auto.

Für die Tschechen steht deshalb fest: Sie werden den Haidmühler Alleingang nicht dulden. Der Schlagbaum wird Thema werden bei der nächsten Konferenz der Europaregion Donau-Moldau.

Hubert Denk

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