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Khaled el Masri steht wegen dem Angriff auf den Oberbürgermeister von Neu-Ulm vor Gericht.

Bürgermeister verletzt: El Masri erneut vor Gericht

Memmingen/Neu-Ulm - Der Deutsch-Libanese Khaled el Masri muss sich ab Donnerstag wegen des gewalttätigen Angriffs auf den Oberbürgermeister von Neu-Ulm vor Gericht verantworten.

Memmingen/Neu-Ulm - 20 Jahre lang hat Khaled el Masri in Deutschland ein unauffälliges und unbescholtenes Leben geführt. Doch seit seiner Verschleppung durch den US-Geheimdienst im Jahr 2004 nach Afghanistan ist im Leben des Deutsch-Libanesen nichts mehr wie es vorher war. Der 46-Jährige gilt seitdem als traumatisiert. Von diesem Donnerstag (25. März) an muss er sich erneut vor dem Landgericht Memmingen verantworten. Die Staatsanwaltschaft legt dem Familienvater vorsätzliche Körperverletzung und versuchte gefährliche Körperverletzung zur Last. Er hatte im September 2009 den Oberbürgermeister von Neu-Ulm tätlich angegriffen und verletzt.

Bewährungsstrafe wegen Brandstiftung

Der auf zwei Tage angesetzte Prozess findet im Sitzungssaal VI statt. Es ist der gleiche Saal, in dem El Masri im Dezember 2007 gestand, in einem Neu-Ulmer Großmarkt Feuer gelegt zu haben. Das Landgericht Memmingen verurteilte ihn deshalb wegen Brandstiftung zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe. Ein Gutachter hatte ihn für schuldfähig erklärt, doch das Gericht hatte El Masris Geständnis und die Traumatisierung durch seine Entführung nach Afghanistan als strafmrildernd angerechnet.

Zwei Monate vor Ablauf der Bewährungsstrafe passierte dann der Zwischenfall im Rathaus von Neu-Ulm. El Masri soll sich Zugang zum Büro des Oberbürgermeisters Gerold Noerenberg (CSU) verschafft und dort unvermittelt mit Fäusten auf ihn eingeschlagen und einen Stuhl nach ihm geworfen haben. Noerenberg musste daraufhin medizinisch behandelt werden. Er hatte sich ein Fingergelenk gebrochen und Prellungen im Gesicht davongetragen. Gravierender als die Verletzungen sei die psychische Belastung, hatte er wenige Tage nach dem Angriff gesagt. “Es wird einige Zeit dauern, bis ich das Erlebte verarbeitet habe.“

El Masri hatte bei der Tat und der anschließenden Festnahme drei seiner sechs Kinder bei sich. Einen Grund für den Angriff hatte Noerenberg nicht erkennen können. Zwar habe el Masri ihm einen Monat zuvor einen Brief geschrieben, schilderte der Oberbürgermeister, dieser habe aber keine konkreten Wünsche oder Aussagen enthalten, sondern sei ihm eher wirr erschienen.

Die Staatsanwaltschaft hatte in den Wochen nach der Tat verletzte religiöse Gefühle als mögliches Motiv ins Spiel gebracht. In einem beschlagnahmten Brief, den el Masri aus dem Gefängnis schrieb, soll er angedeutet haben, dass durch den Bau eines Nachtclubs die nahe gelegene Moschee, in der seine Kinder gebetet hätten, entweiht worden sei. Für die Baugenehmigung mache er möglicherweise Noerenberg verantwortlich.

Nach dem Angriff war gegen el Masri Haftbefehl erlassen worden. Da bei ihm Wiederholungsgefahr besteht, befindet er sich seitdem in Untersuchungshaft. Nach Angaben eines Gerichtssprechers hat el Masri die Tat eingeräumt, zu den Motiven jedoch keine Angaben gemacht. Das Gericht wird sich in dem Prozess wohl auch damit beschäftigen müssen, ob die Voraussetzungen für eine Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik bestehen. Neben einem psychiatrischen Gutachter sind acht Zeugen geladen, darunter der Neu-Ulmer Oberbürgermeister.

Verteidiger Manfred Gnjidic geht davon aus, dass sich El Masri zur Tat äußern wird. Gewissheit darüber habe er aber nicht. “Er lässt seit Monaten niemanden an sich ran, weder seine Familie noch seinen Verteidiger. Ich verteidige aus den Akten heraus.“ El Masri habe sich aufgegeben, sagt Gnjidic und nennt als Grund “das nicht bewältigte Martyrium“ seines Mandanten und dessen Enttäuschung darüber, dass nichts für ihn getan wurde.

El Masri war 2004 vom amerikanischen Geheimdienst CIA nach Afghanistan verschleppt und dort fast sechs Monate gefangen gehalten worden. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland hatte die Münchner Staatsanwaltschaft wegen der Entführung mehrere Haftbefehle gegen CIA-Agenten erlassen. El Masris Bemühungen, die Umstände seiner Entführung vor einem US-Gericht zu klären, waren im Oktober 2007 endgültig gescheitert.

dpa

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