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Kreuzsegnung bei bestem Bergwetter auf dem Hochwildfeuerberg.

Bürokraten-Posse um illegales Gipfelkreuz

Wildsteig - Auf dem Hochwildfeuerberg steht ein neues Gipfelkreuz – obwohl es das nicht dürfte. Denn der Berg ist Schutzgebiet für Auerwild. Jetzt macht sich jeder strafbar, der sich dem Kreuz nähert.

Knapp 150 Naturfreunde und Bergbegeisterte waren am Sonntag auf den in 1541 Metern Höhe gelegenen Hochwildfeuerberg bei Wildsteig (Landkreis Weilheim-Schongau) gekommen – das Gipfelkreuz wurde eingeweiht. Einige Tage zuvor hatten engagierte Helfer auf Initiative des Schönbergers Eduard Bertl hin eine Grube ausgehoben und ein Beton-Fundament eingelassen, damit das Holzkreuz auch stabil steht. Pflichtbewusst hatte Eduard Bertl beim Forstbetrieb Oberammergau alle nötigen Genehmigungen eingeholt, der Grund gehört nämlich dem Freistaat.

Doch: Weil Teile des Hochwildfeuerbergs Schutzgebiet fürs Auerwild sind, hätte er noch eine zusätzliche naturschutzrechtliche Genehmigung durch das Landratsamt Weilheim-Schongau gebraucht. Das wussten aber weder Bertl noch Wildsteigs Bürgermeister Josef Taffertshofer: „So detailgenau war mir das nicht bekannt. Ich bin schon sehr verwundert“, gesteht Taffertshofer. Für ihn ist dieses Wildschutzgebiet „ein Beispiel dafür, wie weit Realität und Bürokratie auseinanderklaffen“.

„Vor 25 Jahren hat die Verordnung noch Sinn gemacht"

Richard Baur, stellvertretender Leiter des Forstbetriebes Oberammergau, bestätigt, dass es die Verordnung aus den 80er-Jahren noch gibt. Sie besagt, dass man den Hochwildfeuerberg vom 1. Dezember bis 15. März nicht betreten und sich in der Zwischenzeit nur auf den dafür geschaffenen Forstwegen bewegen darf – das Gipfelkreuz wäre rechtlich gesehen also nicht erreichbar, ohne das Gesetz zu brechen. Der Forstbetriebsleiter gibt zu: „Vor 25 Jahren hat die Schutzverordnung noch Sinn gemacht. Heute aber weiß man, dass der zu dichte und dunkle Baumbestand dort oben gewissermaßen Auerwild-schädlich ist.“ Er ist der Meinung, dass es dem Auerwild nicht schaden würde, wenn sich die paar Radler und Bergwanderer ordentlich benehmen und sich ins neue Gipfelbuch eintragen.

Formalrechtlich haben am Sonntag die über 100 Besucher des Einweihungsgottesdienstes – darunter Pfarrer, Bürgermeister und einige Gemeinderäte – das Gesetz gebrochen. „Aber der Forstbetrieb wird deshalb auf keinen Fall aktiv werden und das verfolgen“, verspricht Baur. Der einfachste Weg wäre, das Landratsamt würde eine Ausnahmeregel in die bestehende Schutzwild-Verordnung aufnehmen, die den Gipfel-Besuchern rechtliche Sicherheit geben würde, schlägt Baur vor. Und auch Wildsteigs Bürgermeister Josef Taffertshofer ist inzwischen bereits aktiv geworden und brachte das Thema bei der Gemeinderatssitzung am Dienstagabend zur Sprache. Er schlug vor, einen Antrag ans Landratsamt zu stellen. In diesem soll die Behörde aufgefordert werden, die bestehende Schutzwild-Verordnung zu überprüfen und gegebenenfalls aufzuheben. Dann könnten zukünftig alle Bergwanderer und -Radler ohne schlechtes Gewissen und ohne Risiko den Weg auf den Hochwildfeuerberg antreten, das neue Gipfelkreuz bewundern und sich ins – noch recht leere – Gipfelbuch eintragen.

von Jochen Schröder

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