Räumung am Hauptbahnhof - das war der Grund

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Der erste „Bufdi“ bei der Arbeit: Thomas Volk (r.) übte damals an seinem ersten Arbeitstag in Miesbach, wie man einen Gehbehinderten ins Auto schiebt.

Bundesfreiwilligendienst feiert Geburtstag

Das Resümee aus 365 Tagen Bufdis

München - Seit einem Jahr gibt es den Bundesfreiwilligendienst. Viele der anfänglichen Befürchtungen der Wohlfahrtsverbände haben sich nicht bestätigt. Kritik hagelt es aber trotzdem an allen Ecken.

Bis auf die Sache mit dem Ausweis war es ein gutes Jahr für Thomas Volk. Der 19-Jährige aus Miesbach war der erste, der sich vor elf Monaten beim Bayerischen Roten Kreuz (BRK) für den Bundesfreiwilligendienst gemeldet hat. Morgens fuhr er behinderte Kinder in die Schule, nachmittags kranke Menschen zur Dialyse. „Ich habe für mich persönlich viel gelernt und hatte Zeit darüber nachzudenken, was ich studieren soll“, sagt er. Aber das mit dem Bufdi-Ausweis, der erst vor einer Woche mit der Post kam, also elf Monate zu spät, ist ein Wermutstropfen. „Mit dem hätte ich günstiger mit der Bahn fahren können oder wäre billiger ins Kino gekommen“, erzählt er.

Vielleicht ist das mit dem Ausweis auch ein wenig bezeichnend für die schnelle und kurzfristige Einführung des Bundesfreiwilligendienstes. Anfangs gab es viele Unklarheiten. Wohlfahrtsverbände klagten über zu wenige Bewerber, keiner wusste, ob den Bufdis Kindergeld gezahlt wird oder nicht. Niemand konnte einschätzen, ob Bufdis überhaupt die Zivis ersetzen können.

Nach einem Jahr haben sich viele dieser Befürchtungen nicht bewahrheitet. Kindergeld wurde rückwirkend ausbezahlt, und Bewerber gab es auf einmal mehr als genug. „Wir haben mittlerweile sogar mehr Bewerber, als wir einstellen können“, sagt Leonhard Stärk, der Landesgeschäftsführer des BRK. Man habe in den letzten Monaten deshalb sogar rund 120 Interessenten ablehnen müssen. Mit knapp 800 Bufdis ist das BRK der größte Träger des neuen Freiwilligendienstes unter den bayerischen Wohlfahrtsverbänden.

Leonhard Stärk ist im Großen und Ganzen zufrieden. „Wir haben mit den Bufdis die besten Erfahrungen gemacht, weil sie hochmotiviert sind.“ Und trotzdem, an vielen Ecken hapert es. Dass dem BRK statt 1700 Zivis nur noch 800 Bufdis zustehen, ist laut Stärk bitter, weil gut ein Drittel der Zivis später als Haupt- oder Ehrenamtliche dem BRK verbunden geblieben seien. Aufgrund der geringen Anzahl an Bufdi-Stellen habe man auch einen Behindertenfahrdienst in Franken einstellen müssen. „Ganz schlimm ist es im Katastrophenschutz“, sagt Stärk. Bayernweit waren es beim Technischen Hilfswerk oder den Freiwilligen Feuerwehren mehrere Tausend geschulte Hilfskräfte. „Die waren am 1. Juli auf einen Schlag weg.“ Andrea Ziegler, AWO-Geschäftsführerin in Bayern, ist mit den Bufdis recht glücklich. 230 Freiwillige ersetzen bei der Arbeiterwohlfahrt 360 Zivis (2010). Fehlende Stellen wurden unter anderem mit Mini-Jobbern besetzt. „Die Anfangsschwierigkeiten sind behoben“, sagt Ziegler. Grund zur Kritik gibt es aber auch bei der AWO. Das Bundesfamilienministerium plane, die drei Bildungsgutscheine für die Bufdis, die jeweils für eine Woche Lehrgang zählen, auf einen Gutschein zu kürzen. Ein Sprecher des Ministerium bestätigte dies. Es sei angedacht, den Zuschuss für die „kostenfreie Nutzung der Bildungszentren des Bundes zu verändern“. Die Verbände müssen dies also in Zukunft selber bezahlen.

Dem Roten Kreuz ist es zudem ein Dorn im Auge, dass das Ministerium von den bundesweit 35 000 Plätzen 12 000 für kommunale Träger reserviert hat – diese Plätze fehlten den Wohlfahrtsverbänden schmerzlich, BRK-Chef Stärk fordert daher mehr Stellen für Bufdis. Laut Anfrage unserer Zeitung beim Bundesfamilienministerium wird sein Wunsch aber nicht so schnell in Erfüllung gehen. „Es bleibt bei 35 000“, hieß es dort. „Hintergrund ist die übereinstimmende Erklärung aller fünf Bundestags-Fraktionen, dass im Moment keine zusätzlichen Mittel für den Bundesfreiwilligendienst vorhanden sind“, sagte ein Sprecher.

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