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Engagement für Mitmenschen: ein Bundesfreiwilligendienstleistender.

Bundesfreiwilligendienst: Zu erfolgreich - Bewerber werden abgelehnt 

München - Weil der Bundesfreiwilligendienst zu gut läuft, gibt es jetzt einen amtlich verordneten Aufnahmestopp aus Berlin – zum Leidwesen der Wohlfahrtsverbände in Bayern.

Der Bundesfreiwilligendienst sorgt wieder einmal für Ärger – diesmal, weil er zu erfolgreich ist. Es gibt so viele Bewerber, dass zahlreiche Interessenten abgelehnt werden müssen. Die finanziellen Mittel sind ausgeschöpft. Die Verbände kritisieren das und fordern eine Aufstockung des Budgets.

Was für ein Auf und Ab mit diesem Bundesfreiwilligendienst, kurz BFD. Erst wurde er hastig aus dem Boden gestampft, weil 90 000 Zivildienst-Stellen mit der Wehrpflicht abgeschafft wurden. Nicht zuletzt weil Details wie der Anspruch auf Kindergeld lange nicht geklärt wurden, meldeten sich zu wenige Bewerber, der neue Dienst drohte zu floppen. Der Bund überlegte zwischenzeitlich sogar, Bewerber für das überaus erfolgreiche Freiwillige Soziale Jahr zum BFD zwangs-umzusiedeln – zum Unmut der Länder, die für das FSJ zuständig sind und Konkurrenz befürchteten. Verbände wurden kritisiert, dass der neue Dienst nicht energisch genug beworben wurde. „Es hieß, baut auf!“, berichtet Leonhard Stärk, Landesgeschäftsführer beim Bayerischen Roten Kreuz. Und jetzt, wo die Kampagnen der Verbände fruchten und die BFDler den Verbänden die Bude einrennen, sagt der Bund: Stopp. „Das kann doch nicht sein“, sagt Stärk.

Zum Hintergrund: Für den Bundesfreiwilligendienst ist Familienministerin Kristina Schröder (CDU) zuständig, 250 Millionen Euro aus ihrem Etat sind für den BFD vorgesehen – das reicht für 35 000 Stellen in ganz Deutschland. Der Dienst wird je nach Träger mit etwa 500 Euro vergütet, 200 Euro davon bezahlt der Bund. Schon jetzt sind 32 000 Plätze belegt, laut „FAZ“ könnte bis zum Sommer mit 60 000 Interessenten gerechnet werden. Deshalb dürfen ab 31. Januar keine neuen Verträge mehr abgeschlossen werden – also bereits ab Mittwoch nächster Woche. Eine entsprechende Anweisung verschickte das zuständige Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben, das Ministerin Schröder untersteht, am Freitagabend an die Verbände.

Doch bei denen stehen die Bewerber Schlange: „Eine erfreuliche Entwicklung“, sagt Monsignore Bernhard Piendl, Landes-Caritasdirektor. Immerhin musste der Wegfall der Zivis irgendwie kompensiert werden: Die Caritas hatte zuletzt 1900 Zivi-Stellen, jetzt gibt es gut 500 BFDler. Beim Caritasverband der Erzdiözese München und Freising waren 100 Bundesfreiwillige eingeplant – schon jetzt sind 180 im Einsatz. Das Bayerische Rote Kreuz hatte früher 1800 Zivis, jetzt 700 BFDler. Nach Angaben von Landesgeschäftsführer Stärk seien noch bis zu 100 Jobs zu besetzen – und die Bewerber wären da. „Aber wir müssen den jungen Leuten jetzt sagen, wir dürfen euch nicht einstellen“, sagt Stärk, der von großem Ärger in seinen Kreisverbänden berichtet. Im Kreis Freyung-Grafenau etwa wurde mit einem qualifizierten Bewerber für den Rettungsdienst erst am Montag alles geregelt, er bekam eine Zusage – die jetzt wieder zurückgezogen werden muss.

Leonhard Stärk macht dem Bundesamt einen weiteren Vorwurf: Von den 35 000 Stellen werden auf die Verbände nur 22 000 verteilt – den Rest vergebe das Bundesamt „an den Verbänden vorbei direkt an Einsatzstellen“. Das bestätigt eine Sprecherin der Behörde: Diese Gelder für Freiwillige gingen an Kommunen, die die BFDler zum Beispiel in städtischen Kindergärten einsetzen.

Am Freitag verhandeln Spitzenvertreter der Wohlfahrtsverbände mit dem Bundesamt über das künftige Kontingent für den Dienst. Stärk fordert 5000 zusätzliche Stellen, auch Piendl von der Caritas bittet, „ernsthaft zu überlegen, die Zahl der Stellen wieder anzuheben“. Es sei allerdings illusorisch, dass es bald wieder so viele BFD-Plätze wie Zivi-Stellen geben wird.

Eine Sprecherin des Bundesamtes sagte auf Anfrage, dass eine Aufstockung des Budgets nicht geplant sei. Dafür sei im Haushalt nichts vorgesehen.

Von Carina Lechner und Claudia Möllers

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