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Fast schon Alltag für die Rosenheimer Bundespolizei: Zwei Iraker steigen aus ihrem Versteck. Vier Tage verbrachten die jungen Männer in einer Kiste.

Bundespolizei: Zu wenig Personal – zu lange Grenze

Rosenheim - Josef Scheuring (58), Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP) Abteilung Bundespolizei, schlägt Alarm. Die Zahl der illegal Einreisenden ist stark angestiegen – parallel dazu fehlt es der Bundespolizei an Personal.

Zudem steigt die Zahl der Krankmeldungen – und potentielle Bewerber scheitern an schlechten Deutschkenntnissen. Am Donnerstag kommt Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) nach München, Josef Scheuring erhofft sich von ihm ein Signal.

Immer häufiger liest man davon, dass Schleuser und illegal einreisende Menschen von der Polizei aufgegriffen werden. Entspricht das der Realität?

Ja, definitiv. Die Schleusungen nehmen deutlich zu. Für den Bereich Rosenheim haben wir 2011 mehr als 2000 Aufgriffe dokumentiert. Dabei kann man davon ausgehen, dass wir nur jeden zehnten Fall feststellen. Die Dunkelziffer liegt viel höher.

Wie viele Beamte sind dort im Einsatz?

Insgesamt stehen für 670 Kilometer Grenze von Freilassing bis zum Bodensee 400 Leute zur Verfügung, von denen arbeiten pro Schicht immer 60 bis 70 Beamte.

Ist der Bereich Rosenheim ein beliebter Punkt für illegale Einwanderer?

Ja, das ist eine sehr günstige Route, um in den Norden zu kommen. Wir haben hier die A 93 vom Brenner, die A 9 und die A 8, die sogenannte Balkan-Route. Das Geschäft der Schleuser floriert. Die verlangen mehrere tausend Dollar pro Route. Viele der gefassten Schleuser kommen zwar direkt ins Gefängnis, aber wenn man einen weggefischt hat, ist der nächste schon da.

Reden wir hier von ausländischen Schleusern?

Mehrheitlich ja, es gibt darunter aber auch einige deutsche und österreichische Schleuser. Zum Teil machen sogar einfache Taxi-Fahrer ihr Geschäft damit.

Die Bundespolizei kämpft nicht nur gegen Schleuser, sondern auch mit internen Problemen.

Derzeit ist es so, dass die bayerische Polizei unsere Sachbearbeitung übernimmt. Das wäre eigentlich unsere Aufgabe. Mittelfristig brauchen wir 200 Beamte mehr. Verschärft wird die Situation aktuell noch durch ein Problem mit dem Nachwuchs. Das ist aufgrund des guten Arbeitsmarktes besonders in Bayern schwierig. Die Bundespolizei ist nicht attraktiv genug, auch weil die Beamten überall im Bundesgebiet eingesetzt werden können. Wir arbeiten deswegen gerade gemeinsam mit dem Innenministerium an Konzepten, die Bewerbern nach ihrer Ausbildung dauerhaft einen Arbeitsplatz in der Region zusichern. Noch ein Problem zeigt sich dieses Jahr. Wir haben zu wenige Bewerber. Wir mussten die Frist bereits verlängern, und das ist immer noch nicht genug. Uns fehlen die geeigneten Leute.

Was ist an den Bewerbern auszusetzen?

Die Bewerber scheitern an ungenügenden Deutsch- und Englischkenntnissen. Das ist in diesem Jahr stark auffallend. Deutsch und Englisch sind Voraussetzungen für den Dienst in der Bundespolizei.

Eine vom Innenministerium in Auftrag gegebene Studie kam zu dem Ergebnis, dass jeder vierte Beamte unter einem Burnout leidet.

Burnout ist ein Grund für die hohe Krankenrate von zehn Prozent, an Flughäfen liegt diese sogar bei 20 Prozent. Die Frustration unter den Beamten ist groß, weil es seit Jahren einen massiven Beförderungsstau gibt. 80 Prozent der Bundespolizisten sagten in einer anderen Studie, sie hätten kein Vertrauen in die Bundesregierung. Das ist eine verheerende Festlegung in einem Rechtsstaat, die uns Sorgen macht.

Das Interview führte Patrick Wehner

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