Aktiv in der Nazi-Szene?

GSG 9 stürmt Wohnung von Bundespolizisten

Rosenheim - Die Bundespolizei hat ihre Eliteeinheit GSG 9 gegen einen eigenen Beamten eingesetzt: Sie durchsuchte die Wohnung eines Rosenheimer Bundespolizisten. Er soll ein aktiver Neonazi sein.

Ein Rosenheimer Bundespolizist hat vor kurzem Besuch von Kollegen bekommen: Die Elitetruppe GSG 9 stürmte seine Wohnung. Der 42-jährige Beamte steht unter dringendem Verdacht, aktiv in der rechtsextremen Szene unterwegs zu sein.

Der Verfassungsschutz sei bereits Ende vergangenen Jahres auf den Mann aufmerksam geworden, sagte Bundespolizeipräsident Dieter Romann dem „Focus“. Der Verdacht gegen den Beamten hätte sich im Laufe der Zeit erhärtet. Das Präsidium der Bundespolizei in Potsdam wurde alarmiert, ein verdecktes Disziplinarverfahren gegen den mutmaßlichen rechtsextremen Polizisten eingeleitet. Schließlich haben die Verantwortlichen eine Wohnungsdurchsuchung angeordnet – mit hochbewaffneter Elitetruppe. Zum Einsatz der GSG 9 habe man sich entschlossen, weil der verdächtige Bundespolizist auch privat – und legal – eine großkalibrige Waffe besitze.

Am 18. Oktober stürmte die Eliteeinheit die Wohnung des Verdächtigen, so berichtet es der „Spiegel“. Der 42-Jährige habe sich ohne Gegenwehr ergeben. In der Wohnung fanden die GSG-9-Beamten mehrere Flugblätter sowie Datenträger.

Der 42-Jährige habe sich aktiv in einem rechtsextremen Verein mit dem Namen „Die Artgemeinschaft – Germanische Glaubensgemeinschaft wesensgemäßer Lebensgestaltung“ engagiert (siehe Kasten), heißt es. Die vom Verfassungsschutz beobachtete Gruppierung erzieht laut Satzung zu „Härte und Hass gegen Feinde“, berichtet der „Focus“. Laut „Spiegel“ soll der Beamte auch Kontakte zu Rechtsextremisten der Gruppe „Europäische Aktion“ unterhalten, die vom Schweizer Holocaust-Leugner Bernhard Schaub angeführt werde. „Mit der Aktion wollen wir zeigen, dass wir keine Rechtsradikalen in unseren Reihen dulden“, betonte Bundespolizeipräsident Romann. Dem Rosenheimer Beamten droht nun neben den disziplinarrechtlichen Ermittlungen ein strafrechtliches Verfahren wegen Volksverhetzung.

Die Kollegen des Mannes auf dem Rosenheimer Revier waren überrascht über den Vorfall – vor allem weil die GSG 9 anrückte. „Das hat gleich viel mehr Gewicht“, erklärte Rainer Scharf, Sprecher der Rosenheimer Bundespolizei-Inspektion. Für ihn gilt jedoch die Unschuldsvermutung, so lange der Mann nicht verurteilt ist. Der 42-Jährige ist nach Informationen unserer Zeitung zur Zeit nicht im Dienst. Scharf betonte außerdem: „Er ist auf einer Position, bei der er keinen Bürgerkontakt hat.“ Näheres will Scharf nicht sagen. Er fürchtet, dass ein schlechtes Licht auf alle Beamten geworfen wird. „Ich denke aber, es handelt sich hier um einen Einzelfall“, so der Polizei-Sprecher.  

kg/lby

Rubriklistenbild: © dpa

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