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Bürgermeisterin Sigrid Meierhofer.

Führerschein bis 2033 - oder früher - umtauschen

Nicht ohne meine alten Lappen - oder doch?

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München - Bis 2033 werden die alten Führerscheine auf Lebenszeit ausrangiert, wahrscheinlich früher: An diesem Freitag stimmt der Bundesrat über einen vorgezogenen „Lappentausch“ ab. Aber wollen das die Besitzer?

Die Grünen-Landtagsabgeordnete Kerstin Celina hat den rosa Schein seit 1987 – sie machte ihren Führerschein mit 19 in Würzburg. „Gleich beim ersten Mal hat es geklappt, aber ich habe damals niemandem erzählt, dass ich die Führerscheinprüfung mache“ – zu groß war die Befürchtung, möglicherweise blamiert dazustehen. Aber das ist lange her – und das rosafarbene Dokument ist inzwischen etwas zerknittert. „Ich finde den mittlerweile ziemlich unpraktisch, er ist einfach zu groß und passt in keinen Geldbeutel.“ Deshalb hätte die Abgeordnete auch nichts dagegen, ihn gegen eine Plastikkarte einzutauschen.

Die Abgeordnete Kerstin Celina muss ihren Führerschein bis 2033 abgeben. 

Und so wird es wohl auch kommen: Heute entscheidet auf Empfehlung des Bundesratsverkehrsausschusses der Bundesrat, dass – abgestuft nach Geburtsjahrgängen – bis 2024 die rund 15 Millionen Fahrerlaubnisse ausgewechselt werden, die bis Ende 1998 ausgestellt worden sind. Das Ende für die rosafarbenen und grauen Lappen naht also – allerdings wird es Ausnahmen geben. Grund ist eine EU-Richtlinie von 2013, nach der die 110 europäischen Führerscheintypen vereinheitlicht werden müssen. Neu ausgestellte Dokumente – also die Karten – gelten seitdem nicht mehr lebenslang, sondern haben eine Gültigkeitsdauer von 15 Jahren. Damit soll ein möglichst aktueller Fälschungsschutz gewährleistet sein. Bei Kontrollen sind Besitzer leichter zu erkennen, wenn das Foto nicht so alt ist.

Weil aber keine Behörde der Welt es stemmen könnte, alle Führerscheine auf einmal auszutauschen, schlägt der Verkehrsausschuss des Bundesrats nun einen gestaffelten Umtausch vor. Bei 15 Millionen Papierführerscheine, die vor 1999 ausgestellt wurden, soll die erste Umtausch-Etappe schon bis 19. Januar 2021 laufen, und zwar für Fahrer mit Geburtsjahren 1953 bis 1958. Die Geburtsjahre 1959 bis 1964 sollen bis 2022 dran sein, die Jahrgänge 1965 bis 1970 bis 2023, alle Jüngeren bis 2024. Wie der Umtausch konkret vonstatten geht, ist noch nicht bekannt. Dass alle Führerscheinbesitzer angeschrieben werden, erscheint unwahrscheinlich. Wahrscheinlicher ist, dass man sich selbst drum kümmern muss.

Das sollte dann auch Sigrid Meierhofer (SPD) tun. Sie dürfte gleich bei der ersten Etappe dabei sein. Die Bürgermeisterin von Garmisch-Partenkirchen, geboren 1955, hat ihren alten grauen Führerschein im Mai 1991 gegen das rosarote Dokument umgetauscht. Das Plastikkärtchen hat es noch nicht in ihre Geldbörse geschafft. „Der alte Führerschein ermöglicht mir einen seltenen, sentimentalen Blick zurück. Üblicherweise blicke ich nach vorn“, sagt die forsche Kommunalpolitikerin. Das rosa Papier würde sie aber gerne behalten.

Erwin Huber zeigt den alten Führerschein.

Wer nun aber vor 1953 geboren wurde, kann den „Lappen“ bis 2033 behalten. Da hat Erwin Huber Glück. Der frühere CSU-Parteivorsitzende, der 1964 seinen Führerschein gemacht hat, hängt an seinem grauen Lappen. „Das ist für mich das Symbol des jungen Huber“, sagt der CSU-Politiker. 1946 auf dem Land im niederbayerischen Reisbach geboren, hat die Fahrerlaubnis dem 18-Jähriger damals eine ganz neue Welt eröffnet. Ein weißer VW-Käfer brachte ihn vom Land in die Stadt. „Das hat meinen Horizont nach München erweitert“, erinnert er sich. Den Käfer hat er gefahren, bis er durchgerostet war. Sorgfältig hat er den Schein gehütet, das Dokument sieht aus wie neu.

Zur Beruhigung aller Betroffenen sei gesagt: Eine neue Prüfung beschert der Umtausch den Autofahrern nicht. Allerdings müssen sie ein Foto besorgen – und 20 Euro Gebühr für die neue Karte.  

Mit Material der dpa

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