Schlechtestes Wahlergebnis seit 1949

Frust-Ergebnis für CSU in Bayern: Söder benennt Verantwortlichen

  • Katharina Haase
    VonKatharina Haase
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Die ersten Prognosen zur Bundestagswahl 2021 in Bayern dürften ein Schock für die CSU sein - ihr droht das schlechteste Wahlergebnis seit 1949. Es gibt erste Reaktionen.

München - Die CSU muss in Bayern bei der Bundestagswahl* 2021 wohl deutliche Verluste hinnehmen. Bereits nach den ersten Hochrechnung landet die Partei um Ministerpräsident Markus Söder* bei lediglich 32,8 Prozent der bayerischen Wählerstimmen. Nun, mehr als vier Stunden später, hat sich das Ergebnis sogar noch auf 32,5 Prozent verschlechtert. Vor vier Jahren waren es noch 38,8 Prozent gewesen. Doch das Ergebnis ist nicht nur in Hinblick auf 2017 ein herber Schlag - es ist ein historischer Tiefstand. Denn es wäre das schlechteste Ergebnis für die CSU seit 1949, als die Partei lediglich 29,2 Prozent der Stimmen erreichte.

CSU-Ergebnis bei Bundestagswahl 2021: Schlechtestes Ergebnis in Bayern seit 1949

Mit dem schlechten Ergebnis der CSU und auch der Gesamtunion in den ersten Prognosen ändert sich auch die mögliche Sitzverteilung im Bundestag. Dort würde die CSU nach aktuellem Stand mindestens vier Sitze einbüßen. Zudem ist es wahrscheinlich, dass die Partei einige Direktmandate verlieren wird. Bei der letzten Wahl im Jahr 2017 konnte die Partei die Direktkandidaten aus allen 46 Wahlkreise in Bayern für sich gewinnen. Zuletzt ging lediglich 2005 der Wahlkreis München-Nord an die SPD. Nun machen sich insbesondere in den beiden größten Städten München und Nürnberg SPD und Grüne Hoffnung, der CSU einige Direktmandate abnehmen zu können.

Historisches Wahltief der CSU in Bayern: Söder benennt einen Schuldigen

Parteichef Markus Söder, vor wenigen Monaten noch schärfster Konkurrent Armin Laschets* im Kampf um die Kanzlerkandidatur, hat sich mittlerweile ebenfalls geäußert. Im Interview mit dem BR sagte er im Hinblick auf das CSU-Ergebnis in Bayern: „Unser Ergebnis in Bayern gefällt uns nicht, ganz im Gegenteil.“ Jedoch sei es wichtig gewesen, über 30 Prozent in Bayern zu erreichen und die 5%-Hürde in Deutschland zu erklimmen. Zudem, so Söder, werde man sicher die meisten Direktmandate in Bayern halten können. Das klare Ziel sei nun noch immer, den „Führungsauftrag für die Union zu definieren“ - mit Armin Laschet als Bundeskanzler.

Im Zusammenhang mit dem schlechten Ergebnis der Union warf Söder den Freien Wählern erneut vor, mit ihrem Bundestagswahlkampf die Bildung eines „echten bürgerlichen Bündnisses“ erschwert zu haben, da CDU und CSU nun Stimmen fehlten. Ein klarer Fingerzeig auf Hubert Aiwanger, er sich obendrein noch einen Skandal vor Schließung der Wahllokale leistete. Das sei ein schwerer Fehler gewesen. Das Gerangel der Freien Wähler um den Bundestag habe zudem die Regierung in Bayern erschwert. Das müsse nun ein Ende haben. Vor allem die Tatsache, dass AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel in einem Interview davon sprach, mit den Freien Wählern konkurriert zu haben, nahm Söder den Freien Wählern sichtlich übel.

Nach historisch schlechtem Ergebnis für die CSU: Abgeordnete bleiben positiv - „Wahlziel erreicht“

Innerhalb der CSU gab es noch weitere Reaktionen auf den Negativ-Rekord. Alexander Dobrindt, Spitzenkandidat der CSU, äußerte sich im Interview mit dem BR: „Das Ergebnis ist eins, das man sich so nicht wünscht. Es ist ein Ergebnis, das stärker sein könnte und stärker sein sollte“. Dobrindt selbst hingegen kann sich freuen: Bei den Auszählungen der ersten Gemeinden liegt der Direktkandidat der Kreise Weilheim-Schongau, Garmisch-Partenkirchen und Landsberg derzeit weit vorne.

Ulrike Scharf, CSU-Abgeordnete aus dem Landkreis Erding und ehemals Bayerische Staatsministerin für Umwelt und Verbraucherschutz, gab sich im Gespräch mit dem Erdinger Anzeiger dagegen eher erleichtert: „Die Prognose war schlechter. Es hätte viel schlimmer kommen können.“ Fast schon positiv äußerte sich CSU-Generalsekretär Markus Blume: „Entscheidend ist, dass es jetzt in diesem Land offensichtlich - nach den Umfragen jedenfalls - keine Mehrheit für ein Linksbündnis gibt“, so Blume im ZDF-Interview. Einen Linksrutsch verhindern - das sei das klar formulierte Ziel der CSU in diesem Wahlkampf gewesen - und dieses habe man erreicht.

Historisches Tief der CSU: Parteichef Söder reagiert

Ob die breite Menge seiner Parteigenossen diese Meinung teilt, bleibt abzuwarten. Ein Video von der Wahlparty der CSU im bayerischen Landtag zeigte nach der ersten Veröffentlichung der Prognose vor allem eins: Lange Gesichter - und Schweigen. kah

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