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„Uns geht es um die künftigen Generationen“: RRP-Bundeschef Helmut Polzer (re.), Landesvorsitzender Hans Lampl (Mi.) und Oberbayerns Bezirkschef Tony Ried.

Bundestagswahl: "Rentner haben keine Lobby"

Mehr als 20 Millionen Rentner leben in Deutschland. Ihre Stimmen werden die Bundestagswahl entscheiden. Doch nicht nur Union und SPD buhlen um die Senioren. Auch die neugegründete Rentnerinnen- und Rentner Partei (RRP) kämpft für die Ruheständler.

„Die Rentner haben keine Lobby in der Politik. Die Seniorenvereine der Parteien dienen nur der Beschwichtigung“, klagt Helmut Polzer, Bundesvorsitzender der RRP. Der 72-Jährige aus Egmating (Kreis Ebersberg) war 35 Jahre CSU-Mitglied. Aus Frust über die Rentenpolitik trat er 2005 aus. Ein Artikel in unserer Zeitung über die finanziellen Nöte vieler Rentner brachte Polzer im Sommer 2007 in Rage. Er schrieb einen Leserbrief. „Die Resonanz war so gewaltig, dass wir eine Partei gegründet haben“, erzählt er. Die RRP war geboren.

Obwohl die Partei erst seit zwei Jahren existiert, erreichte sie bei der Europawahl immerhin 0,4 Prozent. „Unser Ziel bei der Bundestagswahl sind drei Prozent in Bayern“, sagt RRP-Landeschef Hans Lampl selbstbewusst. Vor allem bei enttäuschten CSU-Anhängern will Lampl Stimmen holen. Dass Seehofer alle CSU-Minister über 60 Jahren aus dem Kabinett verbannt hat, habe viele Ältere massiv geärgert, so Lampl. Rund 3100 Mitglieder zählt die Partei bundesweit, davon 1400 in Bayern. Stärkster Bezirksverband ist Oberbayern mit mehr als 800 Mitgliedern.

Die RRP kämpft allerdings nicht nur für die heutigen Rentner: „Mir geht es um die künftigen Generationen“, betont Lampl. Das Rentensystem stehe vor dem Kollaps, klagt der 68-Jährige aus Emmering (Kreis Fürstenfeldbruck). Durch die Kürzungen der vergangenen Jahre, würden viele Ruheständler in Zukunft nur mehr eine gesetzliche Rente auf Grundsicherungsniveau bekommen.

Die RRP fordert daher Reformen bei der Rentenversicherung. „Wer ein Leben lang gearbeitet hat, soll eine Mindestrente von 1000 Euro im Monat bekommen“, sagt Lampl. Um dies zu finanzieren, sollen auch Beamte und Selbstständige in die Rentenkasse einzahlen. Zugleich wird die Beitragsbemessungsgrenze (derzeit 5400 Euro) abgeschafft. „Andere Länder sind bei der Rentenreform viel weiter“, klagt Lampl. Sein Vorbild ist die Schweiz. Das Rentensystem der Eidgenossen beruht auf drei Säulen und kombiniert Umlageverfahren und Kapitaldeckung. Die erste Säule ist eine Art Bürgerversicherung, in die alle Beschäftigten einzahlen. Dazu kommen die berufliche Vorsorge und die freiwillige – steuerlich geförderte – private Vorsorge.

Die RRP kämpft aber nicht nur für Korrekturen bei den Renten. „Der Gesundheitsfonds ist eine Katastrophe“, wettert Tony Ried (80) aus Eurasburg (Kreis Bad Tölz–Wolfratshausen). Der Fonds löse kein Problem in der Gesundheitspolitik, klagt der oberbayerische Bezirkschef. Dass sie sich noch mal politisch engagieren, hätten die drei Senioren nicht gedacht – das Motiv ist jedoch bei allen das gleiche: „Wir wollen, dass auch die Jüngeren noch eine sichere Rente haben“, sagt Lampl stellvertretend für seine Parteikollegen.

von Steffen Habit

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