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Der Bund will sich auf den Ausbau von Hauptachsen konzentrieren.

So stehen die Chancen

Von der A99 bis zur B471: Der große Verkehrsplan für Bayern

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München - Der neue Bundesverkehrswegeplan lässt Wünsche offen – der Bund will sich auf den Ausbau von Hauptachsen konzentrieren. Ein Überblick, was in Bayern Chancen hat – und was nicht.

A 99

Der Ausbau des gesamten Nordrings vom Autobahnkreuz West (A 96) bis Süd (A8) hat nun den Status „Vordringlicher Bedarf – Engpassbeseitigung“. Das ist eine neue Kategorie, die es im alten Plan von 2003 gar nicht gab. Je nach Abschnitt ist der Ausbau aber unterschiedlich weit geplant. Auf den sechs Kilometern vom Dreieck Nord bis Aschheim/Ismaning beginnt der vierspurige Ausbau in jeder Richtung schon in diesem Sommer. In der Verlängerung bis Haar ist der Planfeststellungsbeschluss erst in Vorbereitung – 2017 beginnt das Verfahren, der Ausbau noch später. Ganz am Anfang ist die Autobahndirektion auf der Westseite. Der Allacher Tunnel, ohnehin schon dreispurig in jeder Richtung, ist ein Nadelöhr. Wahrscheinlich ist, dass jetzt die Planungen beschleunigt werden. Die Autobahnplaner wollen eine temporäre Seitenstreifenfreigabe – „da muss im Tunnel viel umgeplant werden“. Langfristig wäre eine neue Röhre fällig.

A 8

Hervor sticht der vierspurige Ausbau der Salzburger Autobahn zwischen Holzkirchen bis zum Inntal-Dreieck für 414 Millionen Euro. Doch der Status „vordringlicher Bedarf – Engpassbeseitigung“ besagt hier nicht viel. Die Planer stehen am Anfang. „Seit Dienstag laufen Bodenerkundungen am Irschenberg“, berichtet der Sprecher der Autobahndirektion Südbayern, Josef Seebacher. Danach folgt ein Vorentwurf, die Planfeststellung, Öffentlichkeits-Beteiligung und eine Ausschreibung. „Unter optimalen Bedingungen“ dauert es bis 2020, bis der Ausbau beginnen könnte – wahrscheinlich aber länger. Dass der dreispurige Ausbau der A8 nicht gleich bis zur Landesgrenze oberste Priorität hat, befeuerte gestern sogleich Kritik. „Hier verkennt der Bundesverkehrsminister völlig die Erfordernisse und stellt sich damit gegen seine eigenen Fachleute“, moserte Dobrindts Vorgänger Peter Ramsauer (CSU).

B 15 neu

Nur in den „weiteren Bedarf“ geschafft hat es die umstrittene Bundesstraße B 15 neu zwischen Landshut und Rosenheim. Um sie wird erbittert gerungen – die Mühldorfer wollen sie auf Erdinger Flur, die Erdinger grad andersrum. Und eine starke Umweltschützergruppe um die Vorsitzende vom Bund Naturschutz in Landshut, Gisela Floegel, ist gegen jede Trasse. Mit der Einstufung ist klar, dass das Projekt die nächsten 15 Jahre keine Chance auf Umsetzung hat.

A 94

Die Passauer Autobahn ist Richtung Osten nur Stückwerk, am Autobahnbeginn in München wird es hingegen schon eng. Als Stelle zur „Engpassbeseitigung“ soll nun zwischen München-Steinhausen und Feldkirchen-West sowie zwischen dem Schnittpunkt mit der A 99 bis Markt Schwaben beschleunigt geplant werden. Ziel: drei Fahrbahnen je Richtung.

A 96

Schon begonnen hat der Ausbau der Lindauer Autobahn zwischen Oberpfaffenhofen und Germering. Ein Zukunftsprojekt, ebenfalls als „Engpass“ definiert, ist die Verbreiterung zwischen Oberpfaffenhofen und Wörthsee.

A 9

Als Engpass-Stelle definiert wurde das Endstück Frankfurter-Ring bis München-Schwabing. Problem: Die Planung hat nicht mal begonnen.

Die Garmischer Projekte

Die Planungen für den Wank-Tunnel (Ost-Umfahrung Garmisch-Partenkirchen) können weitergehen, er ist jetzt im „Vordringlichen Bedarf“ eingestuft. Der Oberauer Tunnel ist schon im Bau. Einen Rückschlag erlebte das waghalsige Projekt des Auerbergtunnels – die Verbreiterung der B2 zwischen Oberau und dem Autobahnende bei Eschenlohe ist nur im „weiteren Bedarf“ eingestuft und hat keine Chance auf Umsetzung.

B 471

Die Bundesstraße von Fürstenfeldbruck-Ost bis Geiselbullach soll vierspurig werden, fordern CSU und SPD vor Ort – die Einstufung in den „vordringlichen Bedarf“ ist zumindest ein Etappensieg. Auch die Planungen für die Verbreiterung zwischen Dachau und der A 92 sowie bei Ismaning können weitergehen.

Ortsumfahrungen

79 Ortsumfahrungen sind im „vordringlichen Bedarf“, angemeldet hatte Bayern aber über 220. Realistisch sind zum Beispiel Umfahrungen von Murnau, Holzkirchen und Gmund. Gebaut wird aber erst, wenn die Planung abgeschlossen und Geld da ist – in Weilheim zum Beispiel wird noch über zwei Trassenvarianten gestritten. Der umstrittene Starnberger Tunnel ist nur „weiterer Bedarf“ – faktisch das Aus für den Projekt. Gar nicht erst angemeldet wurde der oft diskutierte B 2-Tunnel durch Fürstenfeldbruck.

Bahnprojekte

Die Planungen für den Ausbau der eingleisigen Strecke München-Mühldorf erhalten im neuen Verkehrswegeplan einen Rückschlag. Das Nutzen-Kosten-Verhältnis für den 1,14 Milliarden Euro teuren zweigleisigen Ausbau und die Elektrifizierung liegt bei nur 1,2 – das ist knapp am völligen Aus vorbei. Auch die Zulaufstrecke zum Brennerbasistunnel ist im neuen Plan enthalten – allerdings halten Alexander Dobrindts Fachleute entgegen aller Erwartungen daran fest, die Güterzüge über Trudering, Grafing und Großkarolinenfeld bis Kiefersfelden zu führen. Die Bahn hatte eigentlich damit gerechnet, dass ihre Planungen für einen dritten Korridor Rosenheim-Mühldorf-Regensburg stärker berücksichtigt werden.

Weiteres Vorgehen

Neu ist eine Online-Bewertung – jeder darf seinen Kommentar zu den Projekten im Bundesverkehrswegeplan abgeben. Möglich ist dies ab kommenden Montag. Danach müssen Bundeskabinett und Bundestag den Plan beschließen.

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