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In den 1950er und 1960er Jahren soll es auch bei dem weltberühmten Knabenchor der Regensburger Domspatzen Fälle gegeben haben.

Missbrauchsskandal erreicht Regensburger Domspatzen

Burghausen - Die Serie des sexuellen Missbrauchs an katholischen Schulen in Deutschland reißt nicht ab. Jetzt wurden auch Verdachtsfälle bei den Kapuzinern in Burghausen und in Regensburg bekannt.

Im Bistum Regensburg gibt es nun Hinweise auf Fälle von sexuellem Missbrauch in früheren Jahrzehnten. Wie die Bistums-Pressestelle am Donnerstag mitteilte, soll es sich um Fälle aus den Jahren 1958 bis 1973 handeln. Am Freitag (5. März) will das Ordinariat weitere Informationen dazu bekanntgeben. Die bekannteste Schuleinrichtung in Trägerschaft des Bistums ist das Musikgymnasium und Internat der weltberühmten Regensburger Domspatzen.

Chronologie der Missbrauchsfälle

Chronologie der Missbrauchsfälle

Ein Sprecher des Regensburger Bistums sagte am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur dpa, dass es in den 1950er und 1960er Jahren auch bei dem weltberühmten Knabenchor Fälle gegeben haben soll. “Wir wollen das transparent untersuchen“, sagte Bistumssprecher Clemens Neck. Dazu werde das Bistum eine Kommission einrichten, die alte Akten und Archive durchgehen soll.

Insgesamt liegen dem Bistum mehrere Hinweise auf Fälle zwischen den Jahren 1958 und 1973 vor. Am (morgigen) Freitag will das Ordinariat weitere Informationen dazu bekanntgeben. Die Domspatzen, die bei Konzertreisen in aller Welt auftreten, werden in Regensburg in einem eigenen Musikgymnasium unterrichtet. Dazu gehört auch ein Internat.

Schwere sexuelle Übergriffen in Burghausen

Am Donnerstag berichteten auch die bayerischen Kapuziner von schwerwiegenden sexuellen Übergriffen eines ihrer Mönche in einem Studienseminar in Burghausen. Der Direktor verging sich im Schuljahr 1984/85 an mehreren Seminaristen, wie die Provinz der Bayerischen Kapuziner in München mitteilte. Unterdessen wird an diesem Freitag mit Spannung der vorläufige Abschlussbericht zu den sexuellen Übergriffen im oberbayerischen Kloster Ettal erwartet.

Die Fälle aus Burghausen - die Stadt liegt im Bistum Passau - wurden 1991 zwar juristisch verfolgt, waren damals aber bereits verjährt, da die Opfer zur Tatzeit Jugendliche waren. Es handle sich aber um “schwerwiegende Übergriffe“, sagte der Leiter des Ordens in Bayern, Pater Josef Mittermaier, der Deutschen Presse-Agentur dpa. Nach zwei Versetzungen an ein Münchner Krankenhaus und als Wallfahrtsseelsorger in Würzburg wurde der Pater 2009 von allen priesterlichen Aufgaben entbunden. Die Kapuziner gaben das nahe dem bekannten Wallfahrtsort Altötting gelegene Studienseminar in den 1990er Jahren auf.

Die betroffenen Bistumsleitungen seien über den sexuellen Missbrauch des Paters informiert gewesen, teilten die Kapuziner weiter mit. Auch der Vatikan in Rom war eingeschaltet. Seine Glaubenskongregation habe verfügt, dass der Mönch nicht mehr in der Kinder- und Jugendarbeit eingesetzt werden und keine Beichtgespräche mehr führen darf. Außerdem wurde eine Therapie zur Auflage gemacht.

Bei den Opfern entschuldigte sich die Ordensleitung und bot psychologische Betreuung oder Therapien auf Kosten des Ordens an. “Der Schritt an die Öffentlichkeit geschieht aus Respekt und tiefer Achtung vor den Opfern“, heißt es in der Mitteilung. “Wir bitten diese Menschen von ganzem Herzen und in Aufrichtigkeit um Verzeihung für all das, was ihnen Böses angetan wurde“, sagte Pater Mittermaier.

Unterdessen wird mit Spannung der vorläufige Abschlussbericht zu den sexuellen Übergriffen im oberbayerischen Kloster Ettal erwartet. Der von der Abtei eingesetzte interne Sonderermittler und Münchner Strafverteidiger Thomas Pfister will das Papier an diesem Freitag (11.00) in Ettal der Öffentlichkeit vorstellen. Das Erzbistum München-Freising sieht trotz des Missbrauchsskandals eine gute Zukunft für Schule und Internat der Benediktinerabtei. “Ich begrüße es ausdrücklich, wie die Klostergemeinschaft und Schulleitung in Ettal eine rückhaltlose Aufklärung aller Verdachtsmomente und Vorgänge vorantreibt“, teilte Generalvikar Peter Beer als Stellvertreter von Erzbischof Reinhard Marx mit.

Am Mittwoch hatten der zurückgetretene Abt Barnabas Bögle und sein ebenfalls aus dem Amt geschiedener Schulleiter Maurus Kraß mitgeteilt, sie hätten Papst Benedikt XVI. um eine Apostolische Visitation gebeten. Dabei handelt es sich um eine Untersuchung von Vorwürfen in einer katholischen Einrichtung durch einen päpstlichen Beauftragten - eine eher seltene Maßnahme. Eine Entscheidung über das Gesuch aus Ettal stand in Rom zunächst aus.

Das Kloster hatte mindestens zwei Fälle von sexuellem Missbrauch an Schülern eingeräumt. Ein Ordensgeistlicher soll 2005 einem Schüler zu nahe gekommen sein. Der Missbrauch durch einen inzwischen gestorbenen Pater ist bereits verjährt. In zwei weiteren Fällen sollen Mönche “unangemessener körperlicher Züchtigung“ schuldig sein, wie es die Abtei nennt. Die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt.

dpa

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