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Den Autoschlüssel an den Nagel hängen und auf den öffentlichen Nahverkehr umsteigen – diesen Schritt subventioniert die Stadt Kaufbeuren bei Senioren ab sofort mit einem kostenlosen Jahresticket für die städtischen Buslinien.

Jahreskarte als Tausch

Busticket bei Führerschein-Verzicht: Kaufbeuren lockt Senioren

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Das Auto im Alter stehen lassen: Als Anreiz dafür gibt es in Kaufbeuren seit Dienstag kostenlose Bustickets für Senioren – aber nur, wenn diese dafür ihren Führerschein abgeben. Nicht nur im Allgäu gibt es solche Modelle. In Oberbayern scheinen sie sich nicht durchzusetzen.

Kaufbeuren – Wer sich im Alter am Steuer unsicher fühlt, soll es in Kaufbeuren künftig leichter haben, auf den Führerschein zu verzichten. Senioren ab 63 Jahren können ihren „Lappen“ seit Dienstag gegen ein Jahresticket für das Stadtbusnetz eintauschen. „Das Ziel ist, dass mehr Senioren auf den öffentlichen Nahverkehr umsteigen“, erklärt der Kaufbeurer Ordnungsamtschef Bruno Dangel, der auch für das Verkehrswesen der Stadt zuständig ist. „Das ist eine rein freiwillige Aktion“, betont Dangel – sie geht zurück auf die Initiative eines Stadtrats, der selbst Fahrlehrer ist.

Im Alter lassen Sehkraft und Reflexe oft nach, deshalb sind sich manche ältere Autofahrer unsicher, ob sie den Herausforderungen des Straßenverkehrs noch gewachsen sind. Einige Städte und Regionen in Bayern bieten unterschiedlich großzügige Anreize für den Fahrverzicht. Im niederbayerischen Landkreis Deggendorf fahren Führerschein-Verzichter über 75 gratis mit den Bussen des örtlichen Verkehrsverbundes – und auf unbegrenzte Dauer. Im mittelfränkischen Fürth ist man knausriger: Dort gibt es nur drei Monats-Gutscheine für U-Bahn und Bus. Dafür gilt keine Altersschwelle – Voraussetzung für die Tickets ist einzig der freiwillige Führerscheinverzicht aus Alters- oder Gesundheitsgründen.

Im Deggendorfer Landratsamt und im Fürther Rathaus sprechen die Initiatoren von einem Erfolgsmodell mit überraschend großer Nachfrage. Der Chef des Fürther Straßenverkehrsamtes Hans-Joachim Gleißner spricht von einer „Win-win-Situation“ und auch sein Deggendorfer Kollege Heinz Schott sieht einen Gewinn für die Sicherheit im Straßenverkehr und die Seniorenmobilität.

Fahrschein statt Führerschein setzt sich nicht durch - wieso?

Dennoch: In Oberbayern hat sich die Idee „Fahrschein statt Führerschein“ bis jetzt nirgends durchsetzen können. Ein Vorstoß der Grünen im Münchner Stadtrat scheiterte im Jahr 2014 – unter anderem auch am Widerstand des Seniorenbeirates, der trotz Freiwilligkeit des geplanten Angebots eine Diskriminierung der Älteren witterte. Wohl auch, weil die Grünen angeführt hatten, dass laut Deutscher Verkehrswacht Senioren an gut zwei Dritteln der Unfälle schuld seien, in die sie verwickelt sind. Und noch ein Bedenken spielte bei der Ablehnung der Idee in der Landeshauptstadt eine Rolle: Abgegebene Führerscheine bedeuten nicht, dass weniger Autos auf den Straßen unterwegs sind. Denn viele, die das Gratis-Ticket in Anspruch nähmen, hätten den Schein ohnehin nur noch in der Schublade liegen, befürchtete der damalige Chef des Kreisverwaltungsreferats Wilfried Blume-Beyerle „Mitnahmeeffekte“, die sich beispielsweise in Ulm eingestellt hätten.

In Kaufbeuren sieht man dem Projekt aber weiterhin zuversichtlich entgegen. Am ersten Tag wagten bereits fünf Führerscheinbesitzer fortgeschritteneren Alters den Tausch ihres Führerscheins gegen die Busfahrkarte, berichtet Projektkoordinator Dangel aus dem Ordnungsamt. Theoretisch können reuige Senioren ihren Schein übrigens nach Abgabe auch wieder neu beantragen. Dann kann allerdings bei Zweifeln an der Fahrtüchtigkeit eine „Eignungsbegutachtung“, eventuell nebst ärztlicher Untersuchung, fällig werden.

Kommentar

Einen Kommentar unseres Autors zu dem Thema lesen Sie hier: „Modell mit Schwächen“

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