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Von dem Reisebus ist nur ein verkohltes Gerüst übrig geblieben. 18 Menschen starben am Montag auf der A9 in den Flammen.

Viele Tote und Verletzte

Busunglück auf der A9: Aufarbeiten einer Katastrophe

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Am Tag nach dem schweren Busunglück auf der A9 können einige Überlebende nach Sachsen zurückkehren. Während die Ermittler nach den Ursachen für das verheerende Feuer suchen, sind die Einsatzkräfte damit beschäftigt, die tragischen Szenen zu verarbeiten. Dieser Einsatz wird sie noch lange begleiten.

Münchberg – Acht Minuten, nachdem der Notruf die Leitstelle erreicht, kommt Reiner Hoffmann an der Unglücksstelle auf der A9 an. Der verunglückte Reisebus steht lichterloh in Flammen, etwa 30 Verletzte sitzen oder liegen am Straßenrand. Sie haben es rechtzeitig ins Freie geschafft. Doch keiner weiß, wie viele Menschen noch im Bus sind. Und keiner kann ihnen helfen. Der Kreisbrandrat aus Münchberg und seine Kameraden kommen nicht dicht genug an den Bus heran, die Hitze ist zu groß. Es dauert Minuten, bis sie endlich löschen können. Die schlimmste Situation, die es für einen Feuerwehrmann gibt. Reiner Hoffmann weiß schon in diesem Moment, dass es einer der schwersten Einsätze ist, die er in seinen 45 Jahren bei der Feuerwehr je erlebt hat. Und er weiß, dass die Einsatzkräfte lange brauchen werden, um die Szenen dieses Tages zu verarbeiten.

Mehr als 100 Feuerwehrler und mehr als 70 Rettungskräfte waren am Montag bei dem schweren Busunglück auf der Autobahn bei Münchberg im Einsatz. Viele von ihnen mehr als zwölf Stunden lang. Ein Reisebus aus Sachsen war in den Morgenstunden auf einen Lastwagen aufgefahren. Der Bus geriet sofort in Brand. 18 Menschen starben in den Flammen, unter ihnen der 55-jährige Busfahrer. Lange stand die Zahl der Opfer nicht fest. „Es hat zwei Stunden lang gedauert, bis wir wussten, dass insgesamt 48 Menschen in dem Bus waren“, berichtet Kreisbrandrat Hoffmann am Tag nach dem Unglück.

Acht Einsatzkräfte meldeten sich freiwillig

Acht Einsatzkräfte meldeten sich freiwillig, um die verbrannten Leichen zu bergen. „Sie alle mussten danach von einem Notfallseelsorger betreut werden“, sagt Hoffmann. Genau wie zahlreiche andere Einsatzkräfte. „Obwohl wir körperlich völlig am Ende waren, saßen wir abends noch alle zusammen und haben geredet“, berichtet der 59-Jährige. Für die meisten Einsatzkräfte war es eine kurze Nacht. Nachdem das völlig ausgebrannte Busgerippe am Abend abtransportiert wurde, war der Einsatz offiziell für sie beendet. Doch begleiten wird er sie noch lange.

„Das ist auch völlig normal so und sehr wichtig“, betont Jörg Bauer. Er ist selbst Feuerwehrmann in Münchberg. Aber er ist auch „Peer“ – so werden die Mitglieder von Hilfsorganisationen genannt, die eine spezielle Ausbildung haben, um ihre Kameraden nach schweren Einsätzen psychisch zu unterstützen. „Während des Einsatzes wird unsere Hilfe noch nicht gebraucht“, erklärt er. Die Einsatzkräfte funktionieren, während sie ihre Arbeit machen. „Aber danach ist es wichtig, dass sie aufgefangen werden.“ Besonders wichtig sei es, ihnen zu erklären, wie der Verarbeitungsprozess abläuft. „Es ist völlig normal, dass man lange den verbrannten Geruch in der Nase hat oder sich sehr intensiv an die Geräusche erinnert“, betont Bauer. Der Prozess dauert etwa vier Wochen. Einige Einsatzkräfte brauchen auch danach noch Hilfe. „Vergessen kann man solche Einsätze nie“, sagt der 44-Jährige. „Diese Bilder bleiben für immer.“

Reisebus brennt auf A 9 aus: Bilder vom Horrorunfall

Während die Rettungskräfte gestern damit begonnen haben, den Einsatz zu verarbeiten, konzentrierten sich die Ermittler auf die Suche nach der Ursache für die Tragödie. Der verstorbene Busfahrer könnte ein möglicher Verursacher für den Unfall gewesen sein. Er war seit mehr als zehn Jahren bei seiner aktuellen Firma beschäftigt und wurde vor vier Jahren für langjähriges unfallfreies und sicheres Fahren ausgezeichnet. Geprüft werden aber auch mögliche technische Fehler. Bisher haben die Experten keine Hinweise dafür gefunden, dass der Bus schon vor dem Aufprall auf den Sattelzug gebrannt hatte. Er war drei Jahre alt und zuletzt im April vom TÜV ohne Beanstandung überprüft worden.

Soweit es möglich ist, sollen nun die Überlebenden der Katastrophe befragt werden, sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberfranken. Einige Unfallopfer konnten gestern bereits das Krankenhaus verlassen und in ihre Heimat nach Sachsen zurückgebracht werden – die meisten mithilfe von Angehörigen. Notfallseelsorger haben die Polizei in Sachsen in mehr als einem Dutzend Fällen beim Überbringen der Todesnachrichten an Angehörige der Opfer begleitet. Das bayerische Kabinett hat der Toten mit einer Schweigeminute gedacht. „Das Schicksal der Opfer dieses furchtbaren Unglücks macht uns sehr betroffen“, sagte Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) am Dienstag in München. Auch die Überlebenden sind noch nicht alle über den Berg. Drei der Opfer hatte schwere Verbrennungen erlitten und schweben noch immer in Lebensgefahr.

Alle Informationen zum schrecklichen Busunglück auf der A9 finden Sie in unserem News-Blog.

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