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Jörg-Steffen Höger fuhr die Rettungsgasse nach vorne und kümmerte sich sofort um Verletzte. Tochter Annika hat eine Sanitätsausbildung hinter sich und betreute die leichteren Fälle.

Vater und Tochter  als Ersthelfer

Busunglück auf der A9: So erlebten wir das Inferno

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Jörg-Steffen Höger (53) und seine Tochter Annika (17) erlebten das Bus-Inferno auf der A9 mit - die beiden kamen als Ersthelfer zum Unfall und berichten nun davon.

Hof - Plötzlich kein Weiterkommen mehr. Stau. Vorne steigt eine riesige Rauchsäule in den Morgenhimmel. Der Arbeitsweg des Beamten Jörg-Steffen Höger (53) über die A9, auf dem ihn seine Tochter Annika (17) begleitet, gerät von einer Sekunde auf die andere zum dramatischen Erlebnis. Höger, Erster Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Marxgrün (Kreis Hof), war aufgrund des Qualms sofort klar: Da ist was Schlimmes am Laufen. „Ich setzte einen Notruf an die Integrierte Leitstelle ab“, erzählt er und gab zudem den Hinweis, dass sich die Unfallstelle nahe einer Behelfsausfahrt befindet. Für die Einsatzkräfte eine Hilfe bei der Anfahrt. Dann fuhr er über die inzwischen gebildete Rettungsgasse 300 Meter nach vorne. Er wurde mit seiner Tochter Annika Ersthelfer bei der grauenhaften Feuerkatastrophe von der A9 nahe Münchberg – bei der 18 Menschen ihr Leben verlieren sollten und 30 verletzt wurden.

In sicherer Entfernung hinter dem Bus stellte Höger den Wagen ab, aus dem Bus schossen Flammen wild in alle Richtungen. Am Fahrbahnrand erkannten der Feuerwehrler und seine Tochter Annika rund 30 Leute, Insassen, die Hilfe brauchten. Höger und Annika, eine Sanitäterin, organisierten sich. „Die Menschen hatten einen Unfallschock, einige waren verletzt, das waren Verletzungen an der Brust etwa, aber auch Brandverletzungen“, viele wirkten verstört, Fragen waren zu hören. „Wo ist die Freundin?“ „Ist der noch drin?“ Drinnen im Bus, der brannte. Höger hatte zunächst vermutet, dass alle Reisende sich hatten retten können. „Draußen stand ja eine große Gruppe.“ Inzwischen waren auch Polizisten eingetroffen, mit denen das Vater-Tochter-Duo die Leute weiter versorgte.

Zuvor hatte Höger aber bemerkt, dass Autofahrer einfach sitzen blieben, ohne zu helfen. Und noch viel bestürzender: „Bei meinem Eintreffen dürften deutlich über 20 Autos an der Unfallstelle auf der einzigen offenen Spur vorbeigefahren sein.“ Das wäre unterlassene Hilfeleistung, und das macht den Feuerwehrmann fassungslos. „Man muss nicht professionelle Hilfe leisten. Aber man hätte sich um die Leute kümmern können, bei Schock tut schon gutes Zureden gut. In solchen Situationen merkt man, dass wir mehr und mehr zu einer Gesellschaft des Wegschauens werden.“ 

Alle News zum Busunfall finden Sie hier in unserem Ticker. Ein TV-Reporter sorgte mit einer Aussage für einen Eklat.

Markus Christandl

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