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Eine Szene des Kinofilms "Cafe Waldluft".

So kann Integration im Kleinen gelingen

Das "Café Waldluft" und die Asylbewerber

München - Menschen fliehen vor Terror und Gewalt. Das „Café Waldluft“ in Berchtesgaden bietet ihnen eine Zuflucht. Ein Dokumentarfilm zeigt, wie Integration im Kleinen gelingen kann, mit Offenheit und vor allem Menschlichkeit.

„Zuhause“ - das ist für die meisten Menschen ein Ort der Geborgenheit. Nach einer anstrengenden Reise, einem langen Arbeitstag. Kinder fragen gerne: „Wann sind wir zuhause?“ Doch wo ist der Ort, der mit so viele Hoffnungen und Gefühlen verbunden ist? Für Ursel Kramer war es früher die DDR, heute ist es Berchtesgaden, wo sie im ehemaligen Ausflugshotel „Café Waldluft“ kocht. „Warum soll ich woanders hin, wenn es hier am schönsten ist“, sagt sie.

Jamshid, Hardi oder Imthias ist das nicht so klar. Sie sind geflohen, vor Krieg, Terror und Hoffnungslosigkeit. Das Hotel ist ihre Zuflucht. Regisseur Matthias Koßmehl hat sie dort besucht. Sein Dokumentarfilm „Café Waldluft“ kommt am 31. März ins Kino und erzählt von einem Leben zwischen bayerischer Alpenkulisse und verlorener Heimat.

Das Hotel mit der rund 125-jährigen Geschichte liegt idyllisch: Keine quälende Enge wie in Turnhallen und Traglufthallen, kein zündelnder Mob vor der Tür. Kein Wachpersonal. Stattdessen Ruhe. Und ein weiter Ausblick, für den Touristen aus aller Welt in die Region reisen: Kirchtürme, Bauernhöfe und Wiesen, dahinter der mächtige Watzmann.

Eine weitere Filmszene.

Früher bewirtete Flora Kurz in ihrem Hotel Urlauber, Wanderer und Busladungenvoller Gäste. Seit rund zweieinhalb Jahren vergibt sie Zimmer an Asylbewerber. Eine Entscheidung, die nicht jedem gefiel. „Es war für die Leute ein Schock. Wir haben Anrufe bekommen, die nicht gerade gut waren“, erzählt sie im Film. Ungewohnt ist es auch für die Urlauber, die vereinzelt noch kommen. „Wenn man in den Urlaub fährt, möchte man eigentlich die heile Welt“, sagt eine Besucherin. Nun sind die Krisen der Welt auch in diese Idylle vorgedrungen. „Aber man macht ja tagsüber schöne Ausflüge.“

Kurz ficht das nicht an. Geradeheraus und herzlich empfängt sie ihre Gäste aus Ländern wie Syrien, Sierra Leone oder Afghanistan, bis zu 35, vor allem junge Männer. „Im Verhältnis geht's gut“, schildert sie. Das verwundert nicht. Sie ist freundlich und doch auch streng. Die Regeln sind klar und alle haben Aufgaben: Kochen, Bäume beschneiden oder die Terrasse fegen. Die Männer bringen ihr Respekt entgegen, sie ist „Mama Flora“. Regisseur Koßmehl, der in der Nähe in einem Dorf aufgewachsen ist, war von ihr beeindruckt: „Einen solchen Platz der Menschlichkeit zu finden, der zeigt, wie einfach es sein könnte und welch unkonventionelle Wege die Leute jenseits jedweder Politik finden, war überwältigend.“

"Wenn dein Herz nicht glücklich ist, kannst du nichts machen"

Auch wenn das Leben hier friedlich ist, sind die Sorgen aus der alten Heimat spürbar. Etwa bei Hardi, der aus Angst vor Abschiebung vom Balkon des Hotels gesprungen war und jetzt durch seine Arbeit als Altenpfleger eine Perspektive hat. Oder der junge Mann, der sich vor Sehnsucht nach seiner Familie und dem kranken Vater verzehrt. „Deutschland gefällt mir, Berchtesgaden ist so ein schöner Ort, aber wenn dein Herz nicht glücklich ist, kannst du nichts machen.“ Und Jamshid, der vor den Repressalien der Taliban aus Afghanistan geflohen ist. Jetzt träumt er von der Liebe und von einer Familie: „Ich suche mir hier ein Mädchen, ein kleines Haus zum leben, zwei, drei Kinder.“

Imthias spürt oft nackte Angst. Er wartet und wartet auf seinen Pass und hält es aus Sorge um Frau und Kinder fast nicht mehr aus. In Syrien hatte er gegen das Regime demonstriert, kam ins Gefängnis und wurde gefoltert, mit Elektroschocks und Schlägen. Im „Café Waldluft“ schreibt er nun für seine Kinder Gedichte über das Land, das er so liebt und das er verloren hat: „Meine Heimat ist ein junges Mädchen, voller Sorgen und Trauer. Meine Heimat ist ein junger Mann, dessen Lebensblüte verwelkte hinter stummen Gittern und blinden Mauern. Ruinen, die wir nicht wieder aufbauen können, unbestelltes Land, das keine Ernte bringt, das ist nicht meine Heimat.“

dpa

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