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Landratsamt macht Hanfbauern zum Drogendealer

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Von: Johannes Welte

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Das Cannabis, das Christian Rehm anbaut, ist nicht dafür geeignet, einen Joint davon zu bauen. Dafür ist der THC-Gehalt viel zu gering.
Hanfbauer Christian Rehm © Josef König

Der oberbayerische Landwirt Christian Rehm ist Hanfbauer. Der Anbau der Arzneipflanze wird von Bundesbehörden strengstens kontrolliert. Dennoch verbot ihm das Landratsamt Eichstätt die Verarbeitung und den Verkauf seines Hanftees, sogar der Staatsanwalt wurde eingeschaltet. 13 Monate dauerte es, bis Rehm nicht mehr als Drogendealer da stand und wieder seinen Hanftee verkaufen durfte.

Christian Rehm (48) ist ein bodenständiger Landwirt aus Laimerstadt im Landkreis Eichstätt. Er bearbeitet mit seinem Vater Franz (71) rund 200 Hektar Land mit Weizen, Mais und Sonnenblumen – sowie Cannabis auf acht Hektar.

„Ich hatte mich wegen meines kaputten Knies für Hanföl interessiert“, erklärt Rehm, wie er auf die Arzneiplanze kam. Denn Canna-bissamen enthalten das nicht berauschende CBD, das als entzündungshemmend gilt.

Seit 2019 dürfen hauptberufliche Landwirte in Deutschland Hanf anbauen, wenn sie lizenzierte Sorten verwenden, die einen extrem niedrigen Anteil des Drogenstoffs THC aufweisen. Das Genehmigungsverfahren ist äußest kompliziert.

Anfang vorigen Jahres war es bei Rehm so weit: „Erst muss man beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte beantragen“ erklärt der Bauer, der rund 100 000 Euro in den Hanfanbau investierte. Seine Produkte: Vor allem Hanftee aus Cannabisblättern, der gut schmeckt und als schmerzlindernd gilt.

Bevor Rehm aber seine Cannabispflanzen veraberbeiten darf, muss er Proben der Blüten an die Bundesanstalt schicken, die den THC-Gehalt prüft, was bei der lizenzierten Sorte, die Rehm anbaut, ja kein Problem ist. „Unser Tee war in unserem Hofladen und den Märkten, wo wir ihn auslegten, sofort ausverkauft“, berichtet Rehm. Doch dann funkte im August 2020 die Lebensmittelüberwachung des Landratsamtes dazwischen: Rehm musste sofort den Verkauf der Produkte einstellen, er durfte auch kein Cannabis mehr verarbeiten.

Die Polizei bekam vom Amt eine Meldung und plötzlich stand Rehm als mutmaßlicher Drogendealer da, gegen den die Staatsanwaltschaft ermittelte. Nach 13 Monaten wurde das Ermittlungsverfahren eingestellt, da die Probe der Lebensmittelüberwachung keinen rauschfähigen THC-Gehalt aufwies. Rehm: „Man bräuchte Tee für 150 Euro und eine Extraktionsanlage für 75 000 Euro, um das THC für einen 5-Euro-Joint zu erhalten.“ Er schätzt seinen Schaden auf 75 000 Euro und erwägt, diesen einzuklagen.

Das Landratsamt bedauert, dass das Verfahren so lange dauerte. Sprecher Manfred Schmidmeier: „Wir setzen nur die strengen Vorgaben des Freistaates um.“

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