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Heile, heile Pflänzchen: Die schmerzlindernde Wirkung von Cannabis ist unter Medizinern unumstritten. 

Neues Gesetz 

„Cannabis ist aus der Schmuddelecke raus“

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München - Ab März können Ärzte Cannabis auf Rezept verschreiben. Viele Schmerzpatienten sind erleichtert. Auch die sehr rührigen bayerischen Hanf-Befürworter sprechen von einem großen Erfolg – und haben schon neue Ziele.

Oft fühlt es sich an, als hätte sie eine Stahlplatte im Rücken. Der Schmerz zieht dann bis runter in die Zehen, jede Bewegung tut weh – die versteiften Wirbel halt. Sabine H., 56, nimmt Schmerzmedikamente, außerdem Chemo-Tabletten und Antikörper, die die Ausbreitung der Leber-Metastasen bremsen sollen. Zeitweise kamen Antidepressiva und Opiate dazu. „Manchmal fühlte ich mich wie ein Zombie.“

Trotzdem verzagt sie nicht, denn es gibt Hoffnung. Der Krebs ist nicht heilbar, aber die Schmerzen können gelindert werden, ohne die heftigen Nebenwirkungen chemischer Substanzen. H., die in Forstinning (Kreis Ebersberg) lebt, hofft darauf, bald Cannabispräparate nehmen zu können. Bisher war das ausgeschlossen: „Dafür ging es mir immer noch ein Stück zu gut.“

Schon im März wird aller Voraussicht nach ein neues Gesetz in Kraft treten, das den Einsatz von Cannabis zu medizinischen Zwecken erlaubt. Bislang mussten Patienten eine Sondergenehmigung bei der Bundesopiumstelle beantragen. Die war nur schwer zu bekommen: Als erste Voraussetzung galt: Der Patient musste austherapiert sein. Viele versuchten es gar nicht erst, auch Sabine H. nicht. Nur 1020 Menschen verfügten zuletzt über eine Genehmigung. Den Wirkstoff gab’s dann in der Apotheke – zahlen mussten die Patienten selbst.

Künftig wird alles leichter: Ärzte können Cannabis per Rezept verschreiben, etwa in der Schmerztherapie oder bei chronischen Erkrankungen wie Multipler Sklerose. Die Kassen tragen die Kosten – bei bis zu 25 Euro pro Gramm ist das für viele Patienten eine große Erleichterung.

Micha Greif vom Deutschen Hanfverband spricht von einem „Meilenstein nach jahrelangem Kampf“. Auch Wenzel Cerveny, der für die (allerdings völlige) Legalisierung von Cannabis bis vors Bayerische Verfassungsgericht gezogen war, hält den Beschluss für ein starkes Zeichen. „Cannabis ist nun endlich aus der Schmuddelecke raus“, sagt er. Für beide ist das neue Gesetz ein Schritt, aber sicher nicht der letzte.

Denn im Detail sehen sie noch Raum für Verbesserungen. Greif ist der Meinung, dass auch leichte bis mittlere Krankheitsverläufe mit Cannabis behandelt werden sollten. Ganz ideal wäre es, wenn die Patienten den Stoff selbst züchten könnten. Deutschlandweit gibt es wenige Ausnahmen, in denen das schon möglich ist. Das neue Gesetz, sagt Greif, sei aber ein „Anbauverhinderungsgesetz“.

Tatsächlich ist der Anbau des medizinischen Cannabis künftig Sache des Staats. Eine Agentur, die beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte angesiedelt ist, soll den angebauten Stoff kaufen und an Apotheken weitergeben. Selbst die Opposition im Bundestag fand bei dieser Regelung kaum Grund zum Meckern.

Wie gesagt, ein Meilenstein. Aber die Hanf-Freunde um Wenzel Cerveny haben schon neue Ziele. Im Moment sind sie auf der Suche nach einer Gewerbefläche in München, um dort ein Cannabis-Therapie-Zentrum aufzubauen. Patienten sollen sich hier beraten lassen können – eine Ärztin ist schon mit im Boot. Auch die völlige Legalisierung des Stoffs ist für Cerveny noch nicht vom Tisch. Unlängst hat er eine Petition gestartet. Ziel: Cannabis für alle.

Sabine H. hat schon mit ihrer Ärztin gesprochen. Sobald es geht, will die ihr ein Rezept ausstellen. Die 56-Jährige hofft auf mehr Lebensqualität. „Das ist eine Chance für meine restliche Lebenszeit.“

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