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Charly Wehrle bewirtschaftete 30 Jahre lang Berghütten: „Mancher Abend ist fast wie eine Droge.“

Charly Wehrle

Der ungekrönte König des Wettersteins

Garmisch-Partenkirchen - Charly Wehrle ist im Wetterstein-Gebirge bei Garmisch-Partenkirchen eine Institution. Jetzt hat der 60-Jährige seine Memoiren geschrieben – und sich zugleich ins Allgäu zurückgezogen.

Garmisch-Partenkirchen – Wer zu Fuß oder mit Skiern im Wetterstein unterwegs war, kennt unweigerlich Charly Wehrle: Über 30 Jahre lang hat er drei verschiedene Hütten zwischen Zug- und Alpspitze bewirtschaftet – und bespielt. Denn vor allem unterhielt der Hüttenwirt seine Gäste mit Musik. „Weckruf im Wetterstein“ (Panico-Alpinverlag, 19,80 Euro) heißen deshalb seine Memoiren, die er jetzt vorgestellt hat.

das Stuibenhaus

1978 trat Wehrle auf der Stuibenhütte an – gleich zu Beginn rettet er zusammen mit den Gebirgsjägern zwei Verirrte vor dem Erfrierungstod. Doch vor allem erlebte er dort Geselliges: die berühmt-berüchtigten Faschingsfeiern, er empfing verdutzte Bergsteiger mit Instrument, Bier und Kostüm auf der Alpspitze. Touristenanstürme bei Föhn steckte er weg – ebenso wie die Einsamkeit während tagelanger Schneestürme. Die Bergwinter prägten ihn am meisten: „Wind, Wetter, Gemütlichkeit, Einsamkeit, warme Stube, Kälte, alles elementare Dinge, körperlich spürbar“, sagt Wehrle.

Die Kombination zweier Kleinhütten, Stuiben im Winter und Reintal im Sommer, tauschte Wehrle 1986 gegen die gewaltige Reintalangerhütte. Er schaffte es, die jährlichen Übernachtungszahlen dort von 2800 auf zuletzt 8000 zu steigern. Abseits des Trubels genießt er die Ruhe: Der Bergsee hat auf ihn entspannendere Wirkung als jede Yogaübung, dem Bach lauscht er wie zur Meditation: „Partnach spielt ihre Sommermelodien in B-Dur“.

Das gab ihm Kraft für die enorme Spannweite an Aktionen: Charly Wehrle organisierte Bergferien für Kinder im Sommer, private Trekkingreisen im Winter, seine Hütte wurde belebt von Anhängern der Kletterszene. Jetzt nahm er Abschied: Im Allgäu will Charly Wehrle sich künftig um Familie, Bauernhof-Pension samt Galerie und Kultursaal kümmern.

von Freia Oliv

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